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Auf zwei Minuten

Kirche der Eucharistie

Ein Beitrag von Pater Damian Meyer

Pater Damian

Papst Johannes Paul II. hat ein Eucharistisches Jahr ausgerufen. Damit lenkt er unsere Aufmerksamkeit auf das Zentrum unseres Glaubens, auf Jesus Christus, den vom Vater beglaubigten Messias, den gewaltfreien, die Entfeindungsliebe des Vaters sichtbar machenden Gottesknecht. In der Feier der Eucharistie gedenken wir in Dankbarkeit des unter uns gegenwärtigen Herrn. Und diese Feier hat praktische Folgen: Christus nimmt uns hinein in seine Praxis der Menschenliebe, der Hingabe, der Solidarität. So spricht der Papst von der Eucharistie als einer Schule des Friedens, des Dialogs und der Solidarität mit der ganzen Menschheit.

Der bekannte Moraltheologe Bernhard Häring hat vor gut zehn Jahren ein ,,Plädoyer für neue Umgangsformen" veröffentIicht. Die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes sieht er erfahrbar in einer wahrhaft eucharistischen Kirche: ,,Die ganze Kirche, wir alle, die wir uns als Jüngerinnen und Jünger um Christus scharen, sollen und wollen der Welt sichtbar machen, was erlöste und erlösend-befreiende Menschlichkeit ist, auf dass alle an die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes glauben und aus diesem Glauben ihr Leben und Zusammenleben gestalten. Die Kirche, die aus der dankbaren Erinnerung an die Menschwerdung, an den Abendmahls-Saal, an den Tod und die Auferstehung Jesu lebt, lässt sich nicht als ,Papstkirche' definieren, in der etwa alles gemäß dem jeweils regierenden Papst gedacht, gesagt, getan werden müsste. Die Kirche ist vor allem und radikal eine eucharistische Kirche oder sie ist überhaupt nicht. In einer eucharistisch ausgerichteten Kirche wird keiner, sei es als Lehrer, Organisator, Verwalter, Priester, Bischof oder Papst die beglückende Wahrheit verdecken: ,Einer ist euer Meister ,Christus.' Wir sind Kirche, insoweit unser aller Blick auf Christus gerichtet ist, der uns den Vater, seine Güte und Menschenliebe sichtbar macht. Weder unser besonderer Dienst noch ein allzu wichtig genommenes ,Ich' dürfen uns vom Bewusstsein ablenken, dass Christus in unserer Mitte ist. Wie sinnvoll ist es, wenn in Brasilien die Gläubigen auf den Gruß des Vorstehers der Eucharistie ,Der Herr sei mit euch', antworten: ,Er ist in unserer Mitte!' "

Häring hat dann auch ein kritisches Wort zu sagen: "Von der freudig und lebensnah gefeierten Eucharistie und von einer durch und durch eucharistischen Kirche strömen Gnade und Auftrag zu herzlichem Verzeihen und zu einem vollen Engagement für gewaltfreie Konfliktlösung, für eine gewaltfreie Kultur. Einen solchen Einsatz erfahren wir in der rechten Eucharistiefeier zuerst als Gnade, dann aber auch als drängenden Auftrag. Es ist zum Weinen, wenn überlaute Kommandorufe und ein Einpauken von einseitig autoritär begründeten Verboten, Formalismen und Kontrollen in sekundären Dingen diese Dimension verdecken oder auslöschen."

Pater Damian Meyer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 51 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Samstag, 18.12.2004

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