"Die Gottesmutter wird für alles Sorge tragen"

Marienschwestern in Friedrichroda

Informationen: Schönstätter Marienschwestern
Provinzialat Am Klosterberg 99894 Friedrichroda Tel.: 0 36 23 - 33 40 Die Marienschwestern bieten zahlreiche Bildungs- und Erholungsmöglichkeiten an.

Als sich der damals 29-jährige Pallotinerpater Josef Kentenich entschloss, den ihm anvertrauten Schülern ein Bündnis mit Gott anzubieten, ahnte er sicher nicht, dass damit die Geburtsstunde für eine neue geistliche Gemeinschaft verbunden war, die sich in besonderer Weise den Nöten und Glaubenszweifeln der modernen Welt stellen sollte. Neben dem Pater zeigten sich rasch auch die Schüler begeistert von der Idee, ihr Leben ganz neu im Glauben auszurichten -wobei ihnen Pater Kentenich die Freiheit ihrer Entscheidung ließ. Er gab den Vorschlag, die Jungen ihr Ja: So kam es am 18. Oktober 1914 in einer kleinen Kapelle auf Berg Schönstatt zu einer Feier, in der die Schüler ihr Bündnis mit dem dreieinigen Gott -mit dem Vater, dem Sohn Jesus Christus und dem Heiligen Geist -schlossen.

Kapelle in Friedrichroda
Mitglieder der Schönstatt - Jugend vor der 1954 geweihten Kapelle beim Tanz zum Jubiläumsfest im August 2004.

Getragen wurde dieses durch eine enge Anbindung und Orientierung an Maria, die für Pater Josef Kentenich und die Schüler Bündnispartnerin wurde. Schon damals wurde die Losung geboren: "Maria teilt ihr Leben mit uns, und wir teilen unser Leben mit ihr." Konkret heißt dies, dass die Christen nicht nur auf die Fürsprache und Begleitung Mariens vertrauen, sondern auch bereit sind, ihren Teil zum Reich Gottes beizutragen. Für die Mitglieder und Freunde Schönstatts bedeutet dies in ihrer Spiritualität konkret, im täglichen Leben auf mögliches "Gnadenkapital" zu achten, das Gott angeboten wird. "Gnadenkapital" können Begegnungen, Erfahrungen, Gebete und vieles mehr sein.

Die Ereignisse vom Oktober 1914 liegen inzwischen 90 Jahre zurück und die kleine Kapelle mit dem Marienbild auf Berg Schönstatt bei Koblenz ist heute das geistliche Zentrum der weltweiten Schönstatt-Bewegung. Nebensächlich ist dabei, dass es sicherlich künstlerisch wertvollere Marienbilder gibt. Das Gnadenbild von Schönstatt war einfach das, was die Schüler und Pater Kentenich vorfanden und für ihren geistlichen Weg annahmen.

Schnell entwickelte sich die Schönstatt- Bewegung mit den verschiedenen Zweigen in den ersten Jahren. Im mitteldeutschen Raum kam es zu einer ersten Niederlassung der Schönstätter Marienschwestern im thüringischen Arnstadt. Das regionale Zentrum sollte jedoch das Haus Waldfrieden in Friedrichroda werden. Einst ein Erholungsheim für katholische Kaufleute im Bistum Essen, wurde es zu Beginn der 30er Jahre von den Schwestern übernommen. Pater Josef Kentenich besuchte Friedrichroda 1934 zum ersten Mal. Damals sagte er: "Die Gottesmutter hat Besitz ergriffen von diesem kleinen Fleckchen, um von hier aus die gesamte Diaspora zurückzuerobern für das Reich ihrers Sohnes, ...für das Reich des dreifaltigen Gottes." Weiter verwies er darauf, dass das mitteldeutsche Land einst ein "heiliges, gesegnetes Land" war: "Schauen Sie sich einmal Ihre Umgebung an! Überall Ruinen alter Klöster, Spuren von Heiligen: Heilige Elisabeth, heilige Gertrud ...und heute?"

Friedrichroda liegt von Berg Schönstatt zirka 270 Kilometer entfernt, und so war es ein Wunsch der Schwestern und Pater Kentenichs, dass auch hier eine der Gnadenstätten errichtet wird, die sich in äußerer und innerer Gestalt an die Schönstätter Kapelle anlehnen. In den heute weltweit verbreiteten Kapellen begegnen die Menschen im Gebet dem Dreifaltigen Gott und Maria. Hier finden sie eine Quelle lebendiger Kraft, eine Heimat. Und von hier aus gehen sie wieder in die Welt, um mitzutun am Reich Gottes.

Pater Kentenich
Pater Josef Kentenich 1950 in Friedrichroda: Bei diesem Besuch stellte der Schönstatt - Gründer die Weichen für seine Bewegung in der damaligen DDR. Unter anderem machte er sich stark für den Bau einer Kapelle.
Nach einer jahrelangen Übergangslösung einer Kapelle im Haus Waldfrieden wurde schließlich zu Beginn der 50er Jahre in Friedrichroda der Bau einer Kapelle ins Auge gefasst. Ausgerechnet in der Zeit des Stalinismus war es möglich, den lang gehegten Wunsch der Gemeinschaft zu verwirklichen. In ihrem Buch "Wie Glaube Gestalt annimmt" schreibt die Autorin Ulrike Bons: "Im Mai 1950 kam Pater Kentenich erneut für einige Wochen nach Friedrichroda, um die Situation an Ort und Stelle zu erfassen und aufzunehmen. Im Gebiet der damaligen DDR war eine große Schönstatt- Familie entstanden. Pater Kentenich konnte in seinen Vorträgen viele Schönstätter für die Ostsendung begeistern." Zudem zog Pater Kentenich eine Analyse der politischen Situation, wobei er den Schwestern vorschlug, die Verbindung zum Mutterhaus auf Berg Schönstatt zu unterbrechen. Und mit Blick auf die Seelsorge schlug er vor, dass von Friedrichroda aus eine Wallfahrtsbewegung die Menschen erreichen soll. Mit beiden Maßnahmen wollte Josef Kentenich die Schönstattarbeit in der DDR absichern helfen. Dabei ließ er sich immer vom Vertrauen zu Maria leiten: "Die Gottesmutter wird für alles Sorge tragen."

Pater Kentenich selbst trat kurz nach seinem weichenstellenden Besuch in Friedrichroda seinen Gang ins Exil an. Zur Überprüfung seines Werkes erschien es der Kirche damals ratsam, Werk und Gründer zu trennen. Bis zur Rehabilitierung durch Papst Paul VI. lebte Pater Kentenich in den USA. So konnte er auch selbst nicht an der Weihe der Kapelle in Friedrichroda teilnehmen. Er gab ihr aber den Namen: "Triumph der MTA". MTA steht für "Mater Ter Admirabilis" -"Dreimal Wunderbare Mutter". Eine Bezeichnung, die übrigens auf die Marianische Kongregation -eine Gemeinschaft von Priestern und Laien der Jesuiten -zurückgeht. Und als ein Triumph konnte der Bau und seine Geschichte durchaus gesehen werden. Wie durch ein Wunder lösten sich alle anstehenden Probleme und Schwierigkeiten. Schließlich konnte am 8. Dezember 1953 der Rohbau erstmals zur örtlichen Eröffnung des Heiligen Jahres 1954 genutzt werden. Die kirchliche Weihe fand am 28. August 1954 statt. Über all die Jahre der DDR hinweg hatte die Schönstatt-Familie so eine örtliche Heimat gefunden. Der Dank dafür prägte auch die Feierlichkeiten zum Jubiläum.

Die Marienschwestern von Schönstatt sind heute in über 60 Ländern der Erde engagiert. Sie sind als Säkularinstitut Teil des Schönstattwerkes. Entstanden in der Anfangszeit, waren es besonders die Schwestern, die der neuen Gemeinschaft ein Gesicht gaben. Heute stehen sie weltweit im Dienst für eine im Glauben erneuerte Kirche. Ihre Einsatzorte sind neben dem pastoralen Dienst die Bildungsarbeit, Schulen, Krankenhäuser, Sozialprojekte und vieles mehr. Dazu kommt ein Zweig, der sich ganz dem Gebet und der ewigen Anbetung verschrieben hat. Zentren der Gemeinschaft sind Kapellen wie die in Schönstatt selbst und die in Friedrichroda. An sie sind Bildungshäuser gekoppelt, in denen die Spiritualität Schönstatts gelebt und vermittelt wird. Holger Jakobi

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