Wo die Mönche auf den Berg ziehen

Die Kloster- und Burgruine Oybin

Burg und Kloster Oybin bieten bis in den späten Herbst hinein zahlreiche Veranstaltungen, Exkursionen, Konzerte sowie Theateraufführungen. Hier eine Auswahl aus dem Veranstaltungskalender: "Ausflug in die Romantik" mit Kammerchor-Konzert, abendliche Führung in zeitgenössischen Kostümen mit Musik, Malerei und Dichtung dieser Zeit, die im Zusammenhang mit dem Berg Oybin und seiner Burg- und Klosteranlage stehen. Ausstellungen: "Öfen und Heizungen im Mittelalter auf Burg und Kloster Oybin" sowie "Die Habsburger und der Oybin." Die Besichtigung der Ausstellungen ist im Eintrittspreis von Burg und Kloster enthalten. Öffnungszeiten der Anlage auf dem Berg Oybin: April bis Oktober von 9 bis 18 Uhr, November bis März von 10 bis 16 Uhr. Informationen und Karten für alle Veranstaltungen sowie Führungsangebote sind erhältlich unter:
Burg und Kloster
Hauptstraße 16
02797 Kurort Oybin
Tel. (03 58 44) 73 40
Fax (03 58) 7 34 27

Weitere Sehenswürdigkeiten in der Nähe: Stadt Zittau mit historischem Stadtkern, Kirche zum Heiligen Kreuz in Zittau mit dem Großen Zittauer Fastentuch von 1472.

Jens Schröder ist mit seinem Geschäft zufrieden. Seit zehn Jahren betreibt der gelernte Koch den "Felsenkeller" in Oybin bei Zittau, im Dreiländereck zu Polen und Tschechien. 30 bis 40 Gäste kommen pro Tag in sein Restaurant, um sich von der Wanderschaft auszuruhen und um sich zu stärken. So mancher Tourist, der durch die Ortschaft in der Oberlausitz spazieren geht, mag sich wie in einer rheinischen Kneipenmeile vorkommen. Gaststätte an Gaststätte reiht sich hier aneinander. Keine Frage: Für die Verpflegung der Gäste in Oybin ist gesorgt. Und trotzdem muss man in Spitzenzeiten auch schon mal Wartezeiten in Kauf nehmen. "Der Tourismus ist die Haupteinnahmequelle der Menschen hier", weiß Jens Schröder aus eigener Erfahrung

Oybin Felsen
Schöner Oybin: Über dem Ort erhebt sich majestätisch der Felsen mit Burganlage.
Oybin -die Perle der Oberlausitz und Anziehungspunkt für tausende Touristen in jedem Jahr, eine Begegnung mit Gotik und Romantik. Auf dem wohl bekanntesten Felsmassiv des Zittauer Gebirges, der die Gestalt eines Bienenkorbes hat, erheben sich die Ruinen von Burg und Kloster Oybin. Zunächst war es nur als eine einfache Befestigung gedacht. Erst Anfang des 14. Jahrhunderts wurde sie zu einer wehrhaften Anlage ausgebaut, die dem Schutz der über den Pass des Gebirges führenden Handelsstraßen dienen sollte. Das geschah unter Heinrich von Leipa, dem Marschall des Königs Johann von Böhmen, der ihm das Zittauer Land einschließlich des Bergs Oybin als Lehen übertragen hatte.

Nach verschiedenen politischen Auseinandersetzungen fiel die Burg 1346 an die böhmische Krone. Schließlich war es Karl IV., später deutscher Kaiser, der mit dem Bau des Kaiserhauses und der Stiftung eines Klosters für den Orden der Cölestiner begann. Die Klosterkirche, an der die berühmte Prager Dombauschule ihre Visitenkarte hinterließ, ist in ihrer Einzigartigkeit noch heute Beispiel dafür. 200 Jahre lang existierten nun Burg und Kloster nebeneinander. Eine Bewährungsprobe für dieses Zusammenleben mag die erfolgreiche Abwehr der Hussiten 1429 gewesen sein. Immerhin war ein Teil des Prager Domschatzes von St. Veit auf der Burg sicher verwahrt.

Als in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wieder ruhigere Zeiten begannen, herrschte auf dem Oybin bis in den Anfang des 16. Jahrhunderts eine rege Bautätigkeit. Die Reformation konnte sie jedoch nicht aufhalten. 1574 übernahm die Stadt Zittau den Oybin einschließlich aller zugehöriger Ländereien. 1577 fiel die kaum noch benutzte Anlage einem Blitzschlag zum Opfer. Ein Felsabriss im Jahre 1681 zerstörte die vor der Kirche gelegenen Bauten, von deren Schönheit das "Bibliotheksfenster" noch heute Zeugnis gibt. Es war der Hofmaler Friedrich Augusts III., Alexander Thiele, der als erster den Oybin mit seinen von der Natur überwucherten Ruinen im 18. Jahrhundert malte. Ihm folgten Adrian Zingg, Caspar David Friedrich (1810), Carl Gustav Carus (1820) und viele andere, die von den Reizen des Oybin angezogen waren. Die Anbindung mit der Postkutsche als Eilverbindung von Zittau (1830) und die Schmalspurbahn (1890) waren entscheidend für die touristische Erschließung.

Klosteranlage Oybin
In der alten Burg- und Klosteranlage von Oybin. Die hervorragende Akkustik bietet heute die Möglichkeit von Konzert- und Theateraufführungen.
Am Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Europa die geistige Strömung der "Romantik". Die Menschen waren durch die politischen Umwälzungen verunsichert, und der Blick auf das Mittelalter mit seinen festen Strukturen, seiner inneren Ordnung und dem unerschütterlichen religiösen Gebäude erschien wie eine innere Befreiung. Die Romantiker machten sich wieder auf die Suche nach dem Sinn des Lebens und fanden die Antworten im Werden und Vergehen der Natur, in der Harmonie und Geborgenheit. Welcher Ort war dafür besser geeignet als der Oybin mit seinen von der Natur überwucherten Gemäuern, dem Bergfriedhof, den großartigen Zeugnissen mittelalterlicher Baukunst und Geschichte?

Der Advocat und Reisende Andreas Ockermann schrieb über seinen Oybin- Aufenthalt: "Es war im Junimonate des Jahres 1868. Nach den bewegten Tagen des Luther-Festes zu Worms ... war es ein eigentümlicher Zufall, dass mich mein erster Weg, nachdem ich in meine Heimat zurückgekehrt war, nach dem Oybin führte. Die Meinigen hatten dort Sommeraufenthalt genommen, und ich eilte, sie zu begrüßen und frohe Tage mit ihnen zusammen zu sein. So reihte sich wie von selbst zu den Bildern der beiden merkwürdigsten Ruinen Deutschlands, Schloss Heidelberg und Paulinzelle, als kostbare Perle das Bild der dritten Ruine, welche würdig ist, jenen Beiden zur Seite gestellt zu werden, des Oybin, an."

Bereits vor ihm waren es die Maler der Schule der Dresdner Frühromantik, die den Oybin entdeckten. Johann Alexander Thiele schuf 1745 drei große Gemälde, der Schweizer Adrian Zingg 1805 eine Radierung. 1810 war Caspar David Friedrich mit seinem Malerfreund Georg Kersting auf dem Oybin zu Gast und fertigte Skizzen für spätere Arbeiten. 1823/ 24 entstand sein berühmtes Gemälde "Huttens Grab" unter Verwendung von Motiven der Wenzelskapelle der Klosterkirche.

Gastwirt Schröder
Gutes Geschäft: Jens Schröder zapft Bier in seinem "Felsenkeller".
Wie der Gastwirt Jens Schröder, lebt Oybin heute vor allem von seiner Geschichte, von vergangenen Zeiten, die durch die Kunstgeschichte zusätzlich verklärt wurden. Wer zur Klosteranlage gelangen will, muss durch die berüchtigte Räuberschlucht, ein schmaler Pfad, bei dem die Felsen nur wenige Meter voneinander entfernt sind und sich steil zwischen den Wanderern emporheben. Obwohl es schon seit der Reformation keine Mönche mehr in Oybin gibt, wird die christliche Tradition hochgehalten. Berühmt sind die historischen Mönchszüge zum Klosterberg. Wegen seiner hervorragenden Akkustik wird die Burganlage heute als Konzert- und Theaterstätte genutzt.

Ein weiterer Anziehungspunkt ist der Bergfriedhof, einer der ältesten Europas. Die Gräber gehen teilweise bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurück. Und der Friedhof wird heute noch genutzt. Die wenigen Ausstellungsräume behandeln vor allem die Geschichte des Ortes. Eine Sehenswürdigkeit ist die camera obscura, die 1852 erstmals errichtet und 1980 wieder aufgebaut wurde. Sie ermöglicht 15 bis 20 Besuchern gleichzeitig, in einem abgedunkelten Raum ihre Umgebung zu betrachten. Ein Rundgang eröffnet eine Aussicht auf die umliegenden Berge wie den Ameisenberg oder den Scharfenstein. "Wer Oybin einmal gesehen hat, der kommt wieder", sagt der Wirt Jens Schröder. Und in den meisten Fällen wird er Recht behalten. Andreas Schuppert

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