Eine Oase inmitten der Erfurter Innenstadt

Das alte Anger-Kloster ist die Heimat der Erfurter Ursulinen

Kontaktadresse:
Ursulinenkloster Anger 5 99084 Erfurt Tel.: 03 61 - 56 55 02 0
Führung durch Kirche und Kloster sind nach Anmeldung möglich. Einzelbesucher können sich an der Pforte melden. Für die Angebote der "Oase" ist Sr. Jutta Böhm OSU zuständig.

Schwester Katharina Wenselowski, die Oberin der Erfurter Ursulinen, zeigt zu Beginn ihrer Führungen durch Kloster und Kirche gern auf ein altes Türschloss und bittet die Besucher um eine Antwort auf die Frage: "Was unterscheidet ein Kloster von einem Gefängnis"? Die Antwort ist einfach: "Der Schlüssel im Kloster steckt von innen." Die Ursulinen sind ein Orden, der Aktion und geistliches Leben verbindet. Es ist daher für die Schwestern wichtig, mitten in der Stadt die Tür von innen auch einmal schließen zu können. Halt und Kraft zu schöpfen für die vielfältigen Aufgaben, denen sich der Orden stellt. Oder wie es in einem Faltblatt heißt: "Im Gebet wird die Ausrichtung auf Gott gepflegt und zwar die ganz persönliche Beziehung, aber auch der stellvertretende Gottesdienst für Kirche und Welt".

 
Mitten im belebten Zentrum Erfurts: Das Anger-Kloster ist seit 1667 Heimat der Ursulinen.
Das Erfurter Ursulinenkloster ist gerade durch die von den Schwestern gelebte Spiritualität ein offenes Haus. Die Pforte steht allen Menschen offen, die Fragen haben, die mit Problemen belastet sind, die im Glauben weiterkommen wollen oder die einfach nur mal neugierig sind, wie die Ursulinen leben. Dazu kommen Leute, die auf der Suche sind, auf der Suche nach sich selbst, nach dem Sinn des Lebens und nach Gott. Einige der Ordensfrauen verfügen über die entsprechende sozialpädagogische Ausbildung, um allen anfragenden Menschen wirklich weiter helfen zu können. "Wir wollen ganz individuell auf jeden eingehen können", betont Schwester Katharina.

Ein Beispiel dafür ist die Oase im Dachgeschoss des alten Klosters, hier entstand ein besonderer Ort für Jugendliche und Erwachsene, die sich einfach mal zurückziehen wollen. Eines der Angebote dafür ist die "Rastzeit", eine Chance zum Innehalten. Die Gästen können an den Gebetszeiten teilnehmen, die Möglichkeiten des Gesprächs nutzen oder einfach nur Schweigen. Besonders an junge Frauen im Alter von 18 bis 35 Jahren richtet sich das Angebot "Zeit im Kloster", das sowohl von Einzelnen aber auch von Gruppen wahrgenommen werden kann. Die Schwestern wollen so den jungen Frauen helfen, den eigenen Lebensweg zu finden und zugleich ihren Weg vorstellen. Und schließlich gibt es in der Oase die Möglichkeit für Gruppen, die nach einem geeigneten Umfeld suchen, um gemeinsam ihr christliches Leben zu vertiefen.

In Erfurt gibt es die Ursulinen seit 1667. Auf Einladung des damaligen Mainzer Kurfürsten Johann Philipp von Schönborn bezogen sie das alte Anger-Kloster, dessen ältesten Teile bis ins Jahr 1136 zurückreichen. Zunächst lebten hier Augustiner-Chorfrauen, dann über 450 Jahre Magdalenerinnen, ein Frauenorden, der ein abgeschiedenes Leben der Buße und Sühne führte und sich unter anderem durch das Herstellen von Wandteppichen und Paramenten den Lebensunterhalt sicherte. Einige der Wandteppiche haben sich erhalten und sind bei den Führungen zu besichtigen. Am 25. September 1667 kamen die ersten sechs Schwestern der Ursulinen in Erfurt an. Gegründet wurde die Gemeinschaft von der heiligen Angela Merici, die von 1470 bis 1540 im oberitalienischen Brescia lebte. Ein bedeutender Förderer der Ursulinen war der heilige Karl Borromäus, der die Ursulinen 1566 in Mailand mit der Erziehung und Unterweisung der Kinder beauftragte. In Deutschland selbst gibt es den Orden seit 1639, als in Köln eine Niederlassung gegründet wurde.

Christus Glasfenster
Christus am Kreuz in der Mitte des Glasfensters, geschaffen vom tschechischen Künstler Antonin Klouda. Die alten Glasfenster wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört.
Das zweite deutsche Ursulinen-Kloster schließlich war Erfurt, wo die Ordensfrauen im November 1667 mit dem Unterricht begannen. Die erste "Pensionärin" (heute Internatsschülerin) war eine Prinzessin von Hessen-Rheinfels- Rothenburg. Neben den anderen Pensionärinnen -meist Töchter der kurmainzischen Beamten, Offiziere und der wohlhabenden Bürger der Stadt -kamen Mädchen aus dem einfachen Erfurter Volk zum Unterricht ins Kloster. Die Kinder lernten hier das Lesen, Schreiben und Rechnen genauso wie die Grundlagen ihrer christlichen Religion und zahlreiche Gebete. Schließlich gelang es im Jahr 1700, von Erfurt aus ein Ursulinenkloster in Duderstadt zu gründen.

Nach dem Ende der kurmainzischen Herrschaft -die in Erfurt 800 Jahre dauerte -gelang es trotz Säkularisation (1803), Kulturkampf und der damit verbundenen zeitweisen Klosterauflösung (1879 bis 1887), trotz Schulschließung in der NS-Zeit, der späteren Wegnahme von Kindergarten und Hort (1941) und auch in der DDR-Zeit, das Kloster am Leben zu erhalten. Kindergarten und Hort wurden schließlich 1945 zurückgegeben. In der DDR wurden im Kloster in Zusammenarbeit mit der Diözesancaritas unter anderem Erzieherinnen für die christlichen Kindergärten ausgebildet, heute befindet sich diese Ausbildung in den Berufsbildenden Schulen St. Elisabeth, die in Trägerschaft der Diözesancaritas arbeitet. Im Klostergelände selbst entstanden in den letzten Jahren die Heimvolkshochschule St. Ursula (ein Bildungshaus des Bistums) und das Bischöfliche Edith-Stein- Gymnasium. Neu gebaut wurden auch der traditionelle Kindergarten und der Kinderhort, die weiter zum Kloster gehören.

Zurzeit leben im Erfurter Anger-Kloster 17 Schwestern. Die älteste zählt 83 Jahre, die jüngste 30 Jahre, berichtet Sr. Katharina. Sie alle werden den apostolischen Auftrag ihres Ordens in Erfurt weitertragen. Hilfe dabei bietet immer wieder die Besinnung auf die Quellen. Gründerin Angela Merici lud die Frauen ihrer Zeit dazu ein, in Gemeinschaft die Nachfolge Christi anzutreten und den Menschen zu dienen. Dabei war die Heilige von einem tiefen Gottvertrauen ergriffen. Sie sagte einmal zu ihren Schwestern: "Da Gott euch dieses Werk anvertraut hat, wird er euch gewiss die Kraft geben, es zu vollbringen, wenn nur ihr es an nichts fehlen lasst." Holger Jakobi

Der Förderverein "Ursulinenkloster"

Am 11. März 2002 gründeten 21 Frauen und Männer den "Förderverein ,Ursulinenkloster' e.V.". Er ist vom Amtsgericht Erfurt anerkannt und seine Gemeinnützigkeit wurde vom Thüringer Finanzministerium anerkannt. Durch kulturelle Veranstaltungen und Klosterführungen möchte der Verein auf das Kloster aufmerksam machen und zugleich dafür sorgen, dass durch Geldspenden die geplanten Bau- und Sanierungsarbeiten ermöglicht werden. Der Verein rückt mit seiner Arbeit ein Stück bisher oft unbekannte Stadtgeschichte in den Blick einer breiten Öffentlichkeit. Er unterstützt das Engagement der Ursulinen und hofft, sie in das Bewusstsein der Stadt zu rücken.

Zu den Baumaßnahmen heißt es in einer Vereinsinformation: "Während die historischen Gebäude des Kloster, in denen die Bildungseinrichtungen untergebracht sind, im Lauf der Zeit mit finanzieller Unterstützung des Staates, der Stadt und des Bistums Stück für Stück ausgebessert und saniert werden konnten, haben die Schwestern mit ihren Wünschen zurückgestanden. Nun aber ist eine Sanierung des Wohnbereichs der Schwestern mehr als nötig, damit ein Leben in diesen altehrwürdigen Räumen weiterhin möglich ist und die gestellten Aufgaben hinreichend erfüllt werden können." Vorsitzender des Fördervereins ist Dompfarrer Dr. Reinhard Hauke.

Kontakt: Förderverein "Ursulinenkloster Erfurt", Anger 5 in 99084 Erfurt, Telefon (03 61) 56 55 02 0. Der Jahresbeitrag liegt bei einem Mindestbeitrag von 15 Euro.

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