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Was man nicht kaufen kann

Ein Beitrag von Pater Damian Meyer

Pater Damian

Ob die Glocken in diesen bevorstehenden Wochen wirklich süßer klingen, das mag für viele zweifelhaft sein. Aber eines steht fest: In den Wochen vor Weihnachten, in der Adventszeit, klingeln die Kassen der Geschäfte häufiger als zu anderen Jahreszeiten. Es ist die Zeit der Weihnachtseinkäufe. Man möchte seinen Lieben, seinen Freunden und Bekannten zum großen Fest etwas schenken. Das Angebot an schönen oder praktischen Sachen ist überwältigend und macht die Auswahl - je nach Geldbeutel des Käufers und dem Geschmack der zu Beschenkenden - nicht leicht. Die Werbung versucht, dem Kunden allerlei Entscheidungshilfen an die Hand zu geben. Wer über viel Geld verfügt, scheint mehr Möglichkeiten zu haben, seine Freunde mit Weihnachtsgeschenken zu beglücken.

Die schönsten Dinge im Leben aber kann man auch mit viel Geld nicht kaufen und dann an andere verschenken, zum Beispiel Zeit. Ich hörte von einer Familie, die der Oma im Altenheim zu Weihnachten etwas sehr Originelles schenkte. Sie hatte auf einer schön gestalteten Karte die Stunden aufgelistet, die das einzelne Familienmitglied - Kinder und Kindeskinder - mit der Großmutter verbringen wollten. Da kam zur Freude der Oma viel Besuchszeit zusammen. Was man mit Geld auch nicht kaufen kann, ist Liebe und Zuwendung, wahres Glück, Freude und Lachen, offene Sinne für die Schönheiten der Natur und Kunst. Wir erfahren es ja immer wieder: Ein einfaches, aber mit Liebe gegebenes Geschenk, ist uns wertvoller und erfreut uns mehr als eine teure Sache, in der das Herz des Gebers nicht zu finden ist.

Mischa Mleinek bringt es in seinem Gedicht "Keiner auf der Welt" auf den Punkt: "Sie träumen und glauben und denken, / dass Geld-Haben alles wär'. / Sie würden uns gerne den Himmel schenken / und haben ihn selbst nicht mehr. / Sie meinen, sie hätten schon alles, / weil jeder so leicht vergisst: / Da ist manches Wunderbare / auf der Erde, das als Ware / leider unerschwinglich ist. // Kauf dir das Lied, das die Nachtigall singt, / kauf dir, dass einer dich mag. / Kauf dir, dass am Straßenrand ein Vagabund dir winkt, / kauf das Lachen vom vergangenen Tag! / Kauf dir das Raunen des Grases im Wind, / kauf dir ein zärtliches ,Du' . / Kauf dir, wenn einmal das Leben verrinnt, / eine Sekunde dazu! / Kauf dir das Lied, das die Nachtigall singt / Liebe, die treu zu dir hält, / Kauf dir das Glück, das nur Zweisamkeit bringt / keiner auf der Welt hat so viel Geld."

Pater Damian Meyer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 48 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 26.11.2004

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