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Bistum Magdeburg

Ein Dienst für Patienten und Mitarbeiter

Franziskanerpater Wolfgang Schönberg als Seelsorger am Univeritätsklinikum Halle eingeführt

Seelsorgeteam am Universitätsklinikum Halle: Pfarrerin Jutta Rittweger, Pfarrerin Christine Keller, Pater Wolfgang Schönberg, Dr. Konstanze Hamann.

Halle (ep) -"Wir nehmen uns Zeit, wenn Sie Krankheit als einschneidende Veränderung erleben, sich Sorgen machen, sich abgeschnitten vom Lebensalltag fühlen. Wir bieten Ihnen das Gespräch an, wenn Sie Ihre Gedanken ordnen wollen, ein Gegenüber zum Zurückschauen brauchen, neue Lebensschritte suchen oder sich verabschieden müssen." So etwa heißt es in einem Faltblatt, das am Empfang des Universitätsklinikums in Halle-Kröllwitz ausliegt.

Mit einem Gottesdienst im Hörsaal IV der Medizinischen Fakultät des Klinikums ist am 17. November Pater Wolfgang Schönberg als katholischer Klinikseelsorger in sein Amt eingeführt worden. Der Franziskaner löst den bisherigen Seelsorger, Comboni-Missionar Michael Zeitz, ab, der von seinem Orden abberufen wurde.

"Klinikseelsorge ist in einer Region, in der 80 Prozent der Menschen auf den ersten Blick nichts mit der Kirche zu tun haben, eine Herausforderung für die Kirchen, und wir müssen uns durchaus immer wieder skeptisch fragen lassen, wie dieser Dienst geschieht", sagte Domkapitular Raimund Sternal in seiner Ansprache bei der Amtseinführung. Indem dieser Dienst von den Kirchen angeboten werde, biete die Kirche Patienten, ihren Angehörigen und auch den Klinikmitarbeitern Begleitung in ihren Ängsten, in Trauer, bei Konflikten an. "Was diesen Dienst steuert, ist in den konkreten Personen selbst zu finden, sind diese Menschen", so der Leiter der Hauptabteilung Seelsorge.

Die Kirche schätze den Dienst der Medizin "als hohe Kunst, die vielen Menschen hilft", so der Domkapitular. Gute Mediziner wüssten dennoch auch um die Grenzen ihres Faches und gemeinsam mit den Seelsorgern um die Ganzheitlichkeit des Menschen. Insofern sei Krankenhausseelsorge nicht um der Kirche oder sogar um der Gewinnung neuer Mitgieder für die Kirche da, sondern um der konkreten Menschen in ihren Situationen.

Als (einstweilen kommissarischer) Dechant des Dekanates Halle verlas der Merseburger Pfarrer Dietrich Letzner während des Wortgottesdienstes die Ernennungsurkunde für Pater Wolfgang. Ebenfalls an dem Gottesdienst beteiligt waren auch die Diözesanbeauftragte für Krankenhausseelsorge, Barbara Haas, Magdeburg, sowie die drei evangelischen Kolleginnen von Pater Wolfgang am Universitätsklinikum. Pfarrerin Christine Keller, Pfarrerin Jutta Rittweger und Dr. Konstanze Hamann leisten ihren Dienst in der Klinik im Rahmen von Teilanstellungen. Gemeinsam mit Pater Wolfgang teilen sie sich die zahlreichen Klinikbereiche und besuchen auf ökumenischer Basis christliche wie nichtchristliche Patienten. Wichtig sei, sich bei der Aufnahme oder auf der Station zu melden, wenn man den Besuch eines Klinikseelsorgers wünscht, so Pater Wolfgang.

Anhand der Lesung von Elija, der unter einem Ginsterstrauch liegt und lebensmüde ist, dann aber -von einem Engel gestärkt -wieder aufbricht, schilderte der Geistliche Erfahrungen im Umgang mit zunächst perspektivlos erscheinenden Situationen. Er sehe seine Aufgabe als Seelsorger darin, mitzuhelfen, dass Menschen die Kraft weiterzugehen in sich wahrnehmen und nutzen. Denn diese Kraft könnten sie auch und gerade in scheinbar ausweglosen Situationen in sich finden. Er jedenfalls habe solche Erfahrungen selbst als Patient in der Universitätsklinik machen können.

Bislang steht den Patienten, Angehörigen und Mitarbeitern in dem neu errichteten, riesigen Klinikzentrum in Halle-Kröllwitz kein Raum der Stille oder eine Kapelle zur Verfügung. Ein solcher Raum soll nach Angaben der Klinikseelsorger aber in naher Zukunft eingerichtet werden.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 48 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 26.11.2004

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