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Aus der Region

Bethlehem in Leipzig

Eine Premiere auf dem Weihnachtsmarkt

Ein Hauch von Bethlehem weht in Leipzig: Kunsthandwerker aus der Geburtsstadt Jesu zu Gast auf dem Weihnachtsmarkt

Leipzig (mim) - Schon das große Eingangsportal mit all den Lichtern und Tannen lässt vermuten: Wer durch dieses Tor geht, findet sich in einer anderen Welt wieder. Und in der Tat: Unzählige Tonkrüge in vielen Formen und Farben sind in dem einen Zelt aufgebaut - jeder für sich ein Unikat und hergestellt in mühsamer Handarbeit. Auch im Nachbarzelt dreht sich alles um Handarbeit. Dort nämlich sitzt ein kleiner schnauzbärtiger Mann, umringt von vielen verschiedenen Holzschnitzfiguren. In seinen Händen hält er ein Stück Olivenholz und ein Schnitzwerkzeug. Stück für Stück bearbeitet Moussa Shaibat das kleine Klötzchen Holz, bis er schließlich eine handgeschnitzte Christusfigur in den Händen hält. "Seit 35 Jahren beherrsche ich dieses Handwerk schon", gibt der 49-Jährige auf Arabisch einem Dolmetscher zu verstehen.

Alles in allem fühlt sich der Besucher hier wie auf einem Basar in einem fernen Land. Doch das alles ist seit dem 22. November mitten auf dem Leipziger Augustusplatz zu sehen. "Bethlehem-Bazar" nennt der Veranstalter jene Attraktion, die dieses Jahr erstmalig auf dem Weihnachtsmarkt der Messestadt Station macht. "Seit 1998 arbeite ich mit dem Bürgermeister von Bethlehem eng zusammen", sagt Willy Beivers von der Städtepartnerschaft Köln-Bethlehem. "Ich sorge dafür, dass Handwerker aus Bethlehem ihre handgemachte Ware importieren und auf Weihnachtsmärkten anbieten können. Denn Bethlehem, die Geburtsstadt Jesu mit ihrer über 2000-jährigen Geschichte ist doch untrennbar mit Advent und Weihnachten verbunden." Vier Handwerker aus Bethlehem hat Beivers dafür eigens nach Leipzig einfliegen lassen. Sie führen den Besuchern des Weihnachtsmarktes die traditionelle Herstellung von Töpferwaren vor, das Bemalen von Keramik sowie das Kunsthandwerk der Olivenholzschnitzerei. Gerade für diese Herstellung von religiösen Gegenständen und Andenken aus Olivenholz ist Bethlehem in der Welt bekannt.

Der Überlieferung nach sollen Franziskanermönche den Einheimischen diese Kunst beigebracht haben, als die dortige Geburtskirche im vierten Jahrhundert nach Christus erbaut wurde. Erste Gegenstände waren damals Rosenkränze aus geschnitzten Olivenkernen. Gerade wegen der religiösen Bedeutung des Olivenbaumes war dieses Holz besonders beliebt. So wurde das Kunsthandwerk über Generationen von den Vätern an ihre Söhne weitergegeben. Und auch wenn heute nur noch rund 30 Prozent der Bevölkerung in Bethlehem Christen sind, so führen dennoch eine Vielzahl von ihnen diese Tradition fort. Wie eben auch die vier Männer, die dieses Jahr zu Gast in Leipzig sind.

"Die Handwerker versprechen sich viel von ihrer Arbeit hier auf dem Weihnachtsmarkt, denn in ihrer Heimat Bethlehem gibt wegen der vielen Unruhen längst keine Touristen mehr, die sich für ihre Kunst interessieren", so Beivers. "Hier können sie ihr Handwerk unter Beweis stellen, können arbeiten, und das Geld, was sie hier durch den Verkauf der Waren verdienen, fließt gleich zu ihren Familien nach Bethlehem."

Insgesamt werden auf dem Zelt-Basar Waren von über 100 Kleinfamilien aus Bethlehem angeboten. Neben den Olivenholzschnitzereien und den Töpferwaren werden etwa auch Perlmutarbeiten oder handbemalte Glas-, Gips- und Marmorprodukte angeboten. Verschiedene Stelltafeln erklären jeweils vor den Zelten die Geschichte und Herkunft des Handwerks. Ganz besonders sticht dabei eine Tafel ins Auge, auf der Bibelzitate zu lesen sind. "Wir bieten ein Parfüm nach einer Rezeptur aus dem ersten Jahrhundert vor Christus an, dessen Zusammensetzung in der Bibel (Markus 14, 3-6) erwähnt ist", erklärt Beivers. Der Veranstalter des Bethlehem-Basars hofft auf viele Besucher, die sich für das Kunsthandwerk aus der Geburtsstadt Jesu interessieren. Selbst die kleinen Weihnachtsmarkt-Besucher sollen auf ihre Kosten kommen: "Die Kinder dürfen sich selbst einmal mit den Handwerkern kleine Gefäße töpfern und Keramikteller bemalen", freut sich Willy Beivers schon jetzt auf die Resonanz seines Basars in Leipzig.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 48 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 26.11.2004

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