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Bistum Erfurt

" ...Dich loben alle Leute"

Projekttag rund um das Martinsfest in Stotternheimer Grundschule

Teilen wie St. Martin: Martinshörnchen wurden beim Projekttag von den Kindern selbst gebacken.

Erfurt (mim) -Auf allen Gängen duftet es nach frisch Gebackenem, hier und dort laufen Kinder mit Bastelmaterial emsig umher, in einigen Räumen erklingen Instrumente und Kinderstimmen singen "Sankt Martin, Sankt Martin, dich loben alle Leute." In der Grundschule Stotternheim drehte sich am 8. November alles um den bevorstehenden Martinstag. Seit rund 30 Jahren ist es in dem Ort bei Erfurt Tradition, dass Kinder mit ihren Eltern am 10. November zum ökumenischen Martinsumzug mit Laternen durch die Straßen ziehen.

Dabei gedenken sie gleich zwei Personen, die einst den Namen Martin trugen: Zum einen geht es -wie anderenorts auch -um den heiligen Martin, einen römischen Soldaten, der vor mehr als 1600 Jahren seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilte und damit in Gestalt des Bettlers Christus selbst begegnete. Martin ließ sich taufen und wurde später Bischof von Tours. Jedes Jahr feiern katholische Christen um den 11. November den Namenstag des heiligen Martin. Zum anderen erinnern vor allem die evangelischen Stotternheimer an Martin Luther. Der Überlieferung nach ist der Reformator im Jahr 1505 nahe Stotternheim beinahe von einem Blitz getroffen worden und gelobte daraufhin Mönch zu werden. So hat der Martinsumzug in dem kleinen thüringischen Dorf gleich doppelt Tradition.

"An die 400 Teilnehmer kommen jedes Jahr zusammen, um den Weg zwischen katholischer und evangelischer Kirche zurückzulegen", sagt Johannes Sonntag. Aus diesem Anlass hatte der katholische Pfarrgemeinderatsvorsitzende nun zusammen mit seiner evangelischen Frau eine besondere Idee: "Um den Kindern den Sinn des Martinsumzugs besser zu vermitteln haben wir der Schulleitung unserer staatlichen Grundschule einen gemeinsamen Projekttag vorgeschlagen. So können wir die Kinder ein wenig mehr an der christlichen Botschaft des heiligen Martin teilhaben lassen. Und sie erfahren etwas über die Geschichte Martin Luthers in ihrem Heimatort."

Einen ganzen Tag lang beschäftigten sich die Kinder der ersten bis vierten Schulklasse mit dem heiligen Martin sowie mit Martin Luther. "Wir basteln mit den Kleinen Martinsgänse und Laternen, Fensterbilder und -lichter, die den Weg entlang des Zuges schmücken, spielen Martinslieder und backen kleine Martinshörnchen", erklärt Elke Sonntag. Gerade die Martinshörnchen hatten beim Projekttag eine besondere Bedeutung: "Jeder teilt sich ein Hörnchen mit einem Freund oder einer Freundin. So lernen die Kinder zu teilen, wie eben auch der heilige Martin seinen Mantel geteilt hat."

Auch Schulleiterin Steffi Michael war von der Idee des Projekttages begeistert. Sie sagt: "Diese neuartige Kooperation von Kirchengemeinden und Schule macht es möglich, dass wir den Kindern die verschiedensten Angebote rund um den Martinstag vorstellen können. Einiges wussten die Kleinen bereits, anderes haben sie heute spielerisch dazu gelernt. Auch wenn einige Kinder konfessionslos sind, so ist das doch ein weiterer Schritt in Richtung Allgemeinbildung und ich bin mir sicher, wir werden einen solchen Projekttag weiterhin beibehalten."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 46 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 11.11.2004

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