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Bistum Erfurt

Richtige Entscheidung

Schwester Katharina Pfützenreuter aus Dingelstädt

Typisch Schwester Katharina: Mit ihrer Musik prägt sie die Atmosphäre im St.-Joseph-Haus Dingelstädt. Darüber hinaus gestaltet sie mit den Kindern und Jugendlichen Gottesdienste und Programme.

Dingelstädt -Es war das Franziskanische, das in Liebe für andere da sein, was Schwester Katharina Pfützenreuter überzeugte. Eigentlich wollte sie 1977 "nur" als Erzieherin im Kinderheim St. Joseph in Dingelstädt arbeiten, dass daraus mehr wurde, wusste sie zu dieser Zeit noch nicht. Aber die Arbeit mit den behinderten Kindern und Jugendlichen machte Spaß und das Leben der Thuiner Franziskanerinnen überzeugte. Dazu kamen immer wieder Fragen nach dem eigenen Leben, nach dem, was sie erreichen wollte, und nach dem, was ihrem Leben Sinn gibt. Schließlich traf Schwester Katharina Pfützenreuter die Entscheidung für ein Leben in dieser Ordensgemeinschaft. Inzwischen sind über 25 Jahre vergangen und das Dingelstädter St.-Joseph-Haus wäre ohne Sr. Katharina nicht das, was es heute ist.

Behinderte Kinder und Jugendliche sind es, die in dem Kinderheim ein Zuhause gefunden haben. Neben dem Besuch der benachbarten Förderschule St. Franziskus finden die jungen Menschen hier zahlreiche Unterstützung, die es einigen von ihnen ermöglicht, später ein weitestgehend selbstbestimmtes Leben zu führen. Das in das Leben des Hauses oft Schwung kommt, dafür sorgt Sr. Katharina mit ihrer Gitarre. Schnell greift sie zum Instrument und ein gemeinsames Lied lockert den Alltag auf. Die Musik gehört übrigens zu den tragenden Säulen in Sr. Katharinas Leben. "Ohne sie kann ich es mir gar nicht vorstellen", meint sie. Und zum 25. Ordensjubiläum bekam sie ein besonderes Geschenk: eine neue Gitarre. Für die Franziskanerin ist es wichtig, die Mädchen und Jungen im Haus an die Musik heranzuführen und durch sie einen Zugang zu besonders schwierigen und schwerstbehinderten Kindern zu bekommen. Zum einen, weil es viel Spaß macht und helfen kann. Zum anderen, weil Musik anderen Menschen Freude bringt. Ein Ensemble des Hauses ist heute ein gern gesehener Gast bei der Gestaltung von Gottesdiensten, bei Gemeindefesten und zahlreichen anderen Anlässen. Die Leitung des Kinderheims St. Joseph hat Sr. Werburg Borrmann. Ihr zur Seite stehen Sr. Katharina und zahlreiche Mitarbeiter -Erzieherinnen, Heilpädagogen, Krankenschwestern -die in vier Gruppen arbeiten.

Die Namen der Gruppen haben sich die Kinder, zusammen mit ihren Betreuerinnen 1998 selbst gegeben: St. Georg, St. Monika, St. Felix und St. Clara. In jeder Gruppe leben acht Kinder und Jugendliche. Ihnen zur Seite stehen vier pädagogische Mitarbeiter und eine Hauswirtschaftskraft. Wichtig ist allen, "dass sich die Mädchen und Jungen ganz wie zu Hause fühlen und als eigene Persönlichkeit angenommen werden". "Alles soll so sein, wie in einer wirklichen Familie", betont Schwester Katharina.

Kraft schöpft die Franziskanerin neben der Musik besonders aus dem geistlichen Leben, den festen Gebetszeiten und der Eucharistie. Hilfen sind ihr zudem Menschen, die "mich tragen und von denen ich weiß, dass sie für mich da sind." Ohne diese Kraftquellen ist für Sr. Katharina die Arbeit nicht denkbar. Gibt es doch auch im Ordensleben oft Momente, wo der eigene Lebensweg hinterfragt wird und wo man meint, es geht nicht mehr. Dennoch ist sich Sr. Katharina sicher, vor über 25 Jahren die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Sie sagt: "In der täglichen Erfahrung mit den behinderten Kindern spüre ich, wie sehr ich gebraucht werde. Und in ihrer freundlichen, unkomplizierten Art geben die Kinder viel zurück. "Ich fühle mich hier am richtigen Platz und sehe meine ,Arbeit' als eine besondere Berufung."

Holger Jakobi

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 44 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 29.10.2004

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