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Bistum Dresden-Meißen

Ermutigung

In Schmochtitz gibt es seit zehn Jahren die Osteuropa-Seminare

Rückblick: Heinz-Josef Nüchel, Tibor Koczinger und Peter-Paul Straube (v. links) bei der Jubiläumsveranstaltung der Schmochtitzer Osteuropa-Seminare

Schmochtitz (as) -Dass sich Europa wieder auf seine christlichen Wurzeln besinnen muss, ist für sie keine Frage. Dabei verstehen sie sich durchaus als Vordenker in jenen Ländern, in denen über 40 Jahre lang Diktatur und Unterdrückung herrschten. Die Organisatoren der Osteuropaseminare in Schmochtitz haben ein klares Ziel vor Augen: die Vermittlung von christlichen Werten im gemeinsamen europäischen Haus. In der vergangenen Woche fand das Seminar zum zehnten Mal im Bischof-Benno- Haus statt -für die Veranstalter Grund zurückzuschauen und einen Ausblick zu wagen.

Als eine Erfolgsgeschichte bezeichnet Heinz-Josef Nüchel aus Köln, Ehrenpräsident der Katholischen Männer Deutschlands (GKMD), die Osteuropa- Seminare. "Die Idee reicht weit in die Geschichte des geteilten Deutschlands zurück", sagt er. Während der Trennung der beiden deutschen Staaten habe es Kontakte der katholischen Jugend zu den Diözesen in der DDR gegeben, ein lebendiger Austausch, der nach der Wende weiter ausgebaut wurde.

"Unsere Freunde in der ehemaligen DDR wiesen uns immer wieder darauf hin, dass die materielle und geistige Not in Osteuropa viel größer ist", erinnert sich Nüchel an die Anfangszeiten. In Zusammenarbeit mit der Internationalen Vereinigung katholischer Männer "Unum Omnes", der kirchlichen Arbeitsstelle für Männerseelsorge und dem Bischof-Benno-Haus in Schmochtitz fand das erste Osteuropaseminar 1995 statt -die Anschubfinanzierung leistete das kirchliche Hilfswerk Renovabis.

Inzwischen sind die Veranstaltungen in Schmochtitz zu einem Kernstück internationaler kirchlicher Laienarbeit geworden. "Uns geht es vor allem darum, den Menschen zu vermitteln, dass ein Christ sich auch in der Öffentlichkeit, in der Politik, engagieren muss", meint Franz-Josef Schwack, derzeitiger GKMD-Präsident. Der Aufbau demokratischer Strukturen in den Ländern Ost- und Mitteleuropas, die Erweiterung der Europäischen Union sowie das wirtschaftliche, kulturelle und politische Zusammenwachsen des alten Kontinents waren nur einige Themen, mit denen sich die Seminare, die neunmal in Schmochtitz und einmal in Ungarn stattfanden, deshalb beschäftigten.

Dabei ging es am Anfang nicht ohne Schwierigkeiten über die Bühne. "Es herrschte ein grundsätzliches Misstrauen der Christen in Osteuropa gegenüber der Politik", erklärt Nüchel. Die Erkenntnis, dass die politische Gestaltung der Gesellschaft im Westen wesentlich vom Christentum geprägt ist, habe sich nur langsam durchgesetzt.

Tibor Koczinger, rumänischer Teilnehmer am diesjährigen Seminar, bestätigt das. "Wir haben sehr lange gebraucht, um als kirchlicher Verband bei den Menschen Vertrauen zu gewinnen und dies auch in der Öffentlichkeit zu zeigen", berichtet er von seinen Erfahrungen. "Den Sprung in die hohe Politik haben wir bis heute nicht geschafft."

Hochkarätig waren auch diesmal die Referenten: Die Bischöfe Joachim Reinelt und Josef Clemens (Sekretär des Päpstlichen Laienrates) waren gekommen sowie der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Joachim Meyer.

Rumänen, Litauer, Kroaten, Slowaken, Ungarn, Tschechen und Polen waren als Teilnehmer dabei. Sie werden zu Hause über die Ergebnisse der Arbeit im Bischof- Benno-Haus berichten. Und das Bildungshaus des Bistums Dresden-Meißen hat sich in den letzten Jarhen zur Drehscheibe für den Ost-West-Kontakt entwickelt, freut sich dessen Leiter Peter-Paul Straube. In Schmochtitz trifft man sich gern wieder.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 44 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 29.10.2004

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