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Bistum Magdeburg

Kinder mit Gott bekannt machen

Erzieherin Brunhilde Roschek sieht in christlichen Kindergärten eine Chance der Verkündigung

Jeder Tag beginnt mit einem christlichen Impuls: Erzieherin Brundhilde Roschek mit Jannes (6), Arne (4) und Niklas (5) aus dem Kindergarten in Althaldensleben.

Althaldensleben (ep) -Eine christliche Kindertagesstätte ist eine riesen Chance, Menschen mit der Hoffnung aus dem Glauben bekannt zu machen. Davon ist Brunhilde Roschek (62) aus Althaldensleben überzeugt. "Wenn nicht christliche Eltern sagen: ,Da ist Atmosphäre, denen vertraue ich mein Kind an', dann ist doch offensichtlich Gott durch uns am Werk", sagt die langjährige Erzieherin, die kürzlich in den Ruhestand verabschiedet wurde. Vor allem komme es darauf an, den Kleinen "Herzensbildung zu geben, sie zu innerer Gelassenheit, Freundlichkeit, Friedfertigkeit zu ermutigen und zu erziehen. Dann können sie später auch gut all ihre Fähigkeiten entfalten."

Freude und Vertrauen auf Gott vermitteln

Jeder Tag in der Kindertagesstätte St. Johannes Baptist in Althaldensleben beginnt wie in anderen christlichen Kindergärten auch mit einem gemäß dem Kirchenjahr gestalteten Morgenkreis -und die Erwachsenen sind eingeladen zu bleiben. "Wir beginnen damit, uns gegenseitig zu sagen: Schön, dass du da bist. Schön, dass du, Gott, da bist, schön, dass heute die Sonne scheint", so Frau Roschek. Es sei wichtig, den Kindern Freude und Vertrauen in die Menschen und auf Gott zu vermitteln. Die religionspädagogische Methode nach Franz Kett sei dabei eine ausgezeichnete Hilfe. "Kita-Zeit ist Beziehungszeit", sagt die langjährige Erzieherin, "es ist die Zeit, in der Vertrauen wächst, Verlässlichkeit gelernt wird." Und die müsse natürlich im Kindergartenalltag erfahrbar sein, etwa wenn die Kinder zu gegebenen Versprechen stehen müssen oder wenn die Erzieherinnen auch dann mit den Kindern liebevoll umgehen, wenn sie etwas angestellt haben. "Das heißt natürlich nicht, dass man nicht auch mal mit Strenge reagieren muss", sagt Frau Roschek.

Immer wieder machten Mädchen und Jungen zu Hause schlimme Erfahrungen, wenn sich ihre Eltern trennen, weiß die ehemalige Kitaleiterin: ",Papa kommt nicht mehr', sagen sie dann. Das ist schwer für die Kinder auszuhalten." Die betroffenen Mädchen oder Jungen würden in ihrem Auftreten dann "leiser oder laut oder unlustig" und brauchten viel Zuwendung. "Altbischof Leo Nowak hat uns gesagt: ,Ihr seid die, die den Samen legen für den Heiligen Geist", so Frau Roschek. "Ich habe versucht, den Kindern -so gut es geht -meinen persönlichen Glauben zu vermitteln. Nur was man selbst glaubt, kann man glaubhaft weitergeben. Die Menschen sind überrascht, wenn man seine Einstellung freundlich, ja möglichst sogar liebenswürdig, aber auch klar und eindeutig vertritt", sagt Frau Roschek.

Auch nicht christliche Eltern ansprechen

Diese Erfahrung habe sie immer wieder mit Eltern gemacht. "Ich finde es wichtig, den Kindern die Hoffnung, den Trost, den der Glaube schenkt, zu vermitteln: ,Da gibt es jemanden, der fängt mich auf, egal was passiert.'", ist die engagierte Christin überzeugt. "Die Kinder sind unvoreingenommen, nehmen dies offen auf, bringen ihre Eindrücke und Erlebnisse aus dem Kita- Alltag mit nach Hause." Von nicht christlichen Eltern habe sie immer verlangt: "Sie müssen offen sein für das, was ihr Kind mitbringt", sagt Frau Roschek. Und sei damit durchaus auf fruchtbaren Boden gestoßen, etwa wenn Eltern davon erzählten, dass ihre Kinder auf einmal zu Hause zum Essen beten wollten. Gute Erfahrungen habe sie etwa auch mit einem Lied gemacht, in dem es heißt: "Du kannst für mich ein guter Engel sein." Das habe mehrere Mütter sehr nachdenklich gestimmt.

Den Beruf Erzieherin hat die aus Althaldensleben stammende Brunhilde Roschek im katholischen Kindergärtnerinnenseminar Michendorf gelernt. Von 1962 bis 1966 war sie dann in den Gemeinden Merseburg, Merseburg-Süd, Schkopau, Mücheln, Bad Lauchstädt angestellt, um die ganztägigen Frohen Herrgottstunden zu halten. "In den staatlichen Kindergärten gab es ja keinerlei christliche Erziehung. So haben die Eltern ihre Sprösslinge einen Tag in der Woche aus der Einrichtung genommen und zu mir in die Frohe Herrgottstunde gegeben. Mitunter hatten sie deshalb im Kindergarten viel Ärger", erinnert sich die Erzieherin.

Gott im Lebensalltag wirken lassen

Von 1966 bis 69 war sie Leiterin des kleinen Kindergartens St. Josef in Magdeburg. Weil sie wegen ihres Mannes gern wieder in ihrem Heimatort arbeiten wollte, suchte sie in Haldensleben eine Arbeit. Im katholischen Kindergarten wurde niemand gebraucht, in einer staatlichen Einrichtung hatte sie mit ihrem kirchlichen Abschluss keine Chance. So arbeitete sie als Hilfsschwester, machte eine Ausbildung zur Hebamme und war in der Schwangerenberatung tätig. 1987 schließlich, als die Grauen Schwestern von der Heiligen Elisabeth die Leitung des seit 1934 bestehenden Kindergartens aus Altersgründen aufgeben mussten, holte sie Pfarrer Engelbert Hetfeld als Leiterin in den katholischen Kindergarten. Anfang der 90er Jahre wurde dann ein neues Kitagebäude errichtet, in dem heute 80 Kindergarten- und 33 Hortkinder leben.

Brunhilde Roschek ist sich stets sicher: "Wenn wir in unserem Lebensalltag als Christen eine Art finden, die anderen gut tut, dann wirkt Gott in seiner menschenfreundlichen Art durch uns. Und das ist eine Chance, das Evangelium zu verkünden."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 43 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 21.10.2004

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