Jetzt 4 Wochen kostenfrei Tag des Herrn lesen!
Bistum Erfurt

"Schön, nicht allein katholisch zu sein"

Ministrantenwallfahrt des Bistums Erfurt führte erstmals nach Heiligenstadt

Auf dem Weg zum Dünkreuz: Nach dem Gottesdienst machten sich die Mädchen und Jungen sowie ihre Begleiter auf den gemeinsamen Weg zum Dünkreuz, das 200 Meter über Heiligenstadt steht.

Heiligenstadt -Mitten im Wald, am Dünkreuz bei Heiligenstadt, gab es am Nachmittag des 9. Oktober vielfachen Beifall für alle, die mit "Kopf, Hand und Herz" -so Jugendreferent Stephan Laschke -die Ministrantenwallfahrt 2004 des Bistums Erfurt vorbereitet hatten und auch an diesem schönen Herbstsamstag dabei waren. Am Dünkreuz, an der vierten und zugleich letzten Wallfahrtsstation, wünschte Jugendpfarrer Marcellus Klaus aus Heiligenstadt allen Mädchen und Jungen "Mut für den Dienst und Halt bei Gott." Wenn sich auch die Ministranten manchmal vorkämen wie "die letzten Mohikaner", weil sie am zeitigen Sonntagmorgen aufstehen müssten, um zur Kirche zu gehen -so Pfarrer Klaus, sei es doch wichtig für sie zu wissen: "Ich darf mit Gott leben, ich darf Gott erleben." Insgesamt versehen im Bistum Erfurt fast 2 900 Mädchen und Jungen ihren freiwilligen liturgischen Dienst in ihren Kirchengemeinden.

Die Hauptstadt des Eichsfeldes und auch die Wallfahrt selbst erlebten eine Premiere, denn erstmals wurden die Kinder und Jugendlichen nicht traditionell nach Erfurt eingeladen. Die Glocken des Erfurter Mariendomes waren dennoch sogar mitten im Wald zu hören, dank mitgeführter "Musikkonserve". Zuvor hatten die rund 600 Ministrantinnen und Ministranten gemeinsam die Wallfahrtsmesse in der Propsteikirche St. Marien gefeiert, gestaltet von der Schola aus Kefferhausen im Eichsfeld. Außer aus dem Eichsfeld waren beispielweise Gruppen aus Erfurt, Gotha, Weimar, Schlotheim, Eisenach, Bad Salzungen und Nordhausen dabei.

Weihbischof Hans-Reinhard Koch hatte in seiner Predigt von Marcel Callo berichtet, dessen kurzes Leben am 19. März 1945 im Konzentrationslager Mauthausen endete. Am 6. Dezember 1921 geboren, war er Ministrant, Pfadfinder und seit seinem 14. Lebensjahr Mitglied der Christlichen Arbeiterjugend. Sein Lebenswerk, geprägt von den Fragen, was kann ich aus meinem Leben machen, wie kann ich anderen Menschen dienen, sie froh und glücklich machen, passte so recht zum Wallfahrtsmotto: "Was hab ich davon, was krieg ich dafür?" Eine so gestellte Frage sei falsch, hörten die jungen Gottesdienstteilnehmer vom Weihbischof. Vielmehr sei zu fragen: "Was kann ich aus meinem Leben machen, wie kann ich anderen Menschen dienen, sie froh und glücklich machen?"

Nach dem Mittagessen bildete die ersten Station am Nordportal von St. Marien den Auftakt zum gemeinsamen Pilgerweg. Die einzelnen Stationen waren von verschiedenen Ministrantengruppen vorbereitet worden. Jesus live erleben, hautnah spüren, nachdenken über das Geschehen der heiligen Messe und über die Gemeinschaft war Anliegen des gemeinsamen Fußweges. Weihbischof Koch hatte es sich nicht nehmen lassen selbst mitzuwandern und am Wallfahrtsziel den Segen zu spenden. So war der Weihbischof nicht zuletzt Vorbild für "fahrverwöhnte" Kinder und Jugendliche, die einer Wanderung zunächst mit Skepsis entgegen geblickt hatten.

Manch schöne, kleine Begebenheit war am Rande der Wallfahrt zu registrieren, so diese: Als an der zweiten Station, am Waldrand, das Thema "Gemeinschaft -nötig für jeden" und das gegenseitige Ansprechen und Kennenlernen im Mittelpunkt standen, musste ein "Trabi" mit einer Ladung Feuerholz auf dem Hänger aus Platzgründen eine Zwangspause einlegen. Als Pfarrer Klaus alle Wallfahrer bat, zusammenzurücken und für freie Fahrt zu sorgen, wollten die beiden Männer lieber im Auto warten.

Darüber, was ihnen der Dienst in der Kirche für ihr späteres Leben bringt, berichteten Ministranten aus Eisenach und Umgebung an der dritten Station: Vom Gemeinschaftsgefühl war zu hören; von neuen Freunden, mit denen es sich gut über Probleme reden lässt; vom Ziel, im Erwachsenenalter Kommunionhelfer zu werden; von Kontakten und der Genugtuung darüber, eine solche Aufgabe zu haben, die obendrein Spaß macht. Und immer wieder wurde deutlich: Ein Gottesdienst ohne Messdiener ist nicht vorstellbar!

Sicher können Erwachsene viele kluge und schöne Worte für den Ministrantendienst und für eine Ministrantenwallfahrt finden. Doch noch auf dem Heimweg blieb im Ohr, was Bernhard aus der Eisenacher Gruppe den anderen Teilnehmern im Wald treffend mit einem Satz erklärt hatte: "Ist doch schön mitzukriegen, dass man nicht allein Katholik ist."

Christine Bose

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 43 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 21.10.2004

Aktuelle Buchtipps