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Bistum Magdeburg

Jeder Einzelne muss aufbrechen

Impulse vom Akademikertag zum Thema "Missionarische Kirche in offener Gesellschaft"

Magdeburg -Die Ergebnisse des Pastoralen Zukunftsgespräches (PZG) müssen im Alltag umgesetzt werden. Um mitzuhelfen, dass dies gelingt und der begonnene Prozess nicht stagniert, hatte sich der (nach eigenen Angaben) relativ alte, noch aus DDR-Zeiten stammende Akademikerkreis für sein Jahrestreffen am 25. September das aktuelle Thema "Aufbruch zu einer missionarischen Kirche in offener Gesellschaft" gewählt. Basis der thematischen Arbeit waren drei Impulsreferate. Helmut Hiller aus Dessau sprach "Zur Aufgabe der Christen in der modernen Gesellschaft", Professorin Brigitte Schmeja aus Halle referierte über "Christen als missionarische Kirche -die Notwendigkeit des inneren Aufbruchs". Und Geistlicher Rat Pfarrer Peter Zülicke aus Staßfurt widmete sich dem Thema "Gottes Geist bewegt Christen zum Aufbruch". Zuvor hatte bereits Akademiedirektor Hans-Joachim Marchio, Halle, in seiner Predigt das Thema Aufbruch aufgegriffen.

Teilnehmer Dieter Müller aus Magdeburg hat wichtige Aussagen zusammengestellt: "Wir kennen Aufbrüche in der Natur: Knospen brechen auf und bringen Blüten hervor, dunkler Acker bricht auf und frisches Gras erscheint, die ganze Entwicklung der Welt ist ein riesiger Aufbruch. In der Geschichte bricht Abraham auf in unbekanntes Land. Die Propheten rufen heraus aus Lethargie. Gott durchbricht mit dem Kommen seines Sohnes die Grenze zur Menschheit. Die Apostel verlassen Gewohntes. Pfingsten ist der Aufbruch der jungen Kirche von der Ruhe in die Bewegung und von der Zaghaftigkeit zum Mut, angestoßen durch Gottes Geist. Benedikt, Franziskus, Johannes XXIII., die Konzilsväter wagen Aufbrüche

Aufbruch bedeutet immer auch Loslassen und Abschied von Liebgewordenem, "wie es immer war". Aufbruch bedeutet Risiko, ein Vorwagen in Ungewohntes und die Überwindung von Trägheit. Das ist nur möglich, wenn dem äußeren Aufbruch ein innerer vorausgeht. Der ist schwierig, weil er jeden ganz persönlich betrifft. Denn auch innerlich müssen wir sicheres Terrain verlassen, wobei Irrtümer möglich sind. Neues und Unbekanntes müssen wir zulassen und mit alten Gewohnheiten brechen. Wir werden belohnt, indem wir neuen Sinn finden.

Dieser innere Aufbruch ist notwendig, aber seine Notwendigkeit wird von vielen nicht voll erkannt. Wir leben in einer Bevölkerung, die zu 80 Prozent nicht nach Gott fragt. Die Menschen sind zwar größtenteils gutwillig, aber ahnungslos. Da sind die Tore weit und die Schwellen niedrig zu machen. Wir müssen zunächst bei uns selbst Hoffnung gewinnen und dann über unser Gottvertrauen sprechen lernen. Da tun wir uns schwer, denn wir haben über lange Zeiten nur Schweigen geübt. Bei unserer Sprachfähigkeit gibt es große Defizite. In unseren Gemeinden müssen wir das üben. Wer kann das schon: Öffentlichkeitsarbeit? Übrigens leistet da unsere Kirchenzeitung "Tag des Herrn" gute Dienste durch ihre begrüßenswerte Offenheit.

Schwierig sind die konfessionellen Unterschiede. Sie bleiben ein Störfaktor. Darum wird immer deutlicher, dass wir in der nichtchristlichen Öffentlichkeit nur ökumenisch auftreten können, oder unser Mühen ist wirkungslos. Aber wir können all das nicht aus uns selbst, sondern nur durch Gottes Geist. Er lässt uns fragen, was jetzt wichtig ist, gibt langen Atem und macht Mut zu kleinen Schritten."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 41 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 06.10.2004

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