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Bistum Magdeburg

Mit weniger Geld missionarisch sein

Diözesanadministrator Feige zu zehn Jahre Bistum Magdeburg

Gerhard Feige Magdeburg -Mit einem Pontifikalamt und einem Festakt wird an diesem Samstag in Magdeburg die Gründung des Bistums vor zehn Jahren gefeiert. Dazu sind Vertreter aus den Gemeinden des Bistums, alle hauptamtlichen Mitarbeiter im pastoralen Dienst, Ordensleute und Vertreter aus Politik und Gesellschaft eingeladen. Auch der Paderborner Erzbischof Josef Becker hat sein Kommen zugesagt. Der Tag des Herrn sprach mit Diözesanadministrator Gerhard Feige.

Frage: Herr Diözesanadministrator, zehn Jahre Bistum Magdeburg -ein Grund zum Feiern?

Feige: Ich meine, ja. Zehn Jahre sind zwar historisch gesehen keine lange Zeit, aber in den ersten Jahren unseres Bistums ist so viel geschehen, dass es gut und angebracht ist, innezuhalten, zurückzublicken sowie Gott und vielen Menschen zu danken. Aber unser Blick geht auch nach vorn. Große Herausforderungen stehen vor uns: die Umsetzung der Ergebnisse des Pastoralen Zukunftsgespräches (PZG), die Neustrukturierung unserer Pfarreien, eine situationsgerechte Seelsorge mit wesentlich weniger Finanzen ... Nicht zuletzt bietet das Jubiläum Gelegenheit, für einen guten neuen Bischof zu beten.

Frage: Was war im zurückliegenden Jahrzehnt im und für das Bistum besonders bedeutsam?

Feige: Einerseits konnten wir uns "Um Gottes und der Menschen willen" konsolidieren, entfalten und profilieren. Bewusstseinsbildend war vor allem der dialogische Prozess des PZG über die pastoralen Schwerpunkte auf unserem zukünftigen Weg. Andererseits mussten wir uns aber auch von traditionsreichen Einrichtungen wie dem Kolleg Norbertinum und dem Seminar für Gemeindepastoral trennen.

Frage: Bei Ihrem Dienst kommen Sie in viele Gemeinden. Was erleben Sie als ermutigend, was macht Ihnen Sorgen?

Feige: Sorgen bereitet mir das Kleinerwerden vieler Gemeinden, vor allem im ländlichen Raum. Die allgemeine gesellschaftliche Entwicklung macht vor uns nicht Halt. Auch in unseren Gemeinden werden weniger Kinder geboren und ziehen die Leute fort, dorthin, wo es noch Arbeitsplätze gibt. Auch der Altersdurchschnitt unserer Priester und die Abberufung einiger Ordensleute stimmt mich nachdenklich. Verschiedene Gemeinden müssen ohne eigenen Seelsorger vor Ort auskommen.

Andererseits gibt es erfreuliche Hoffnungszeichen: Die Neuordnung unserer Pfarreien ist auf gutem Weg; vielerorts übernehmen Gemeindemitglieder Aufgaben, die Ortspfarrer aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr leisten können. Unsere Schulen und Kindergärten sind sehr begehrt und ein guter Ort, junge Menschen, aber auch deren Eltern mit christlichen Werten und unserem Glauben vertraut zu machen. Einige geistliche Zentren wirken anziehend und bereichernd. Es gibt das Netzwerk Leben, die verschiedenen Verbände, die Arbeit der Caritas und vieles mehr. Auswärtigen Bischöfen fällt immer wieder unsere herzliche Verbundenheit auf. Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte nehmen ihre Verantwortung wahr. Sehr oft sind es auch Einzelne, die sich fast selbstverständlich einbringen und ehrenamtlich engagieren. Nicht zuletzt freue ich mich über die, die einen -manchmal neuen -Zugang zum christlichen Glauben gefunden haben, zur Kirche zurückkehren oder sich bewusst taufen lassen.

Frage: Finanziell und personell scheint die Situation immer enger zu werden. Wäre es da vor zehn Jahren nicht klüger gewesen, Teil des Erzbistums Paderborn zu bleiben?

Feige: Nach wie vor halte ich es für richtig, dass das Bistum Magdeburg gegründet wurde. Das war keine Entscheidung gegen Paderborn, sondern eine verantwortungsvolle Reaktion auf unsere konkreten Herausforderungen. Die Lebensverhältnisse waren und sind auch heute noch sehr verschieden und somit auch die Anforderungen an die Seelsorge. Wenn Sie nun aber schon über größere und potentere Ortskirchen nachdenken, wäre es eher angebracht, zu überlegen, was hier in Ostdeutschland sinnvoll zu verändern wäre.

Frage: Woran denken Sie?

Feige: In Bereichen wie der Priesterausbildung, der kirchlichen Gerichtsbarkeit (Offizialat) oder der Diakonenausbildung gibt es teilweise seit langem gemeinsame Einrichtungen. Verstärkt werden kann die Kooperation aber auch im Bereich der Fort- und Weiterbildung leitender pastoraler Dienste. Zudem könnten die Seelsorgeämter enger zusammenarbeiten. Bei der bevorstehenden Einrichtung kirchlicher Arbeitsgerichte wäre eine Kooperation angebracht.

Frage: Anfang des Jahres wurden die PZG-Beschlüsse in Kraft gesetzt. Worauf kommt es bei der Umsetzung besonders an?

Feige: Ohne Ortsbischof sind uns derzeit in mancherlei Hinsicht die Hände gebunden. Es gilt aber, notwendige Reformschritte soweit wie möglich vorzubereiten, ohne Wesentliches zu verändern. Der neue Bischof wird dann entscheiden, wie er damit umzugehen gedenkt. Ein wichtiger Faktor, der uns heute dabei aber mehr beschäftigen muss als noch vor einem Jahr, ist während des PZG leider weitgehend ausgeklammert worden: das Geld. Es scheint so, dass manches künftig nicht mehr finanzierbar ist. Derzeit prüft eine Kommission, wie wir mit entschieden weniger Ressourcen trotzdem eine missionarische Kirche sein können. Um bei den notwendigen Sparmaßnahmen stets die Erfordernisse einer missionarischen Seelsorge im Blick zu behalten, ist die Sparkommission mit der PZG-Gesamtprojektgruppe zusammengeführt worden.

Frage: Wo sind Schwerpunkte missionarischen Wirkens?

Feige: Strukturen, Ausrüstung und Programme bilden nur den Rahmen; entscheidender ist unsere persönliche Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft. Wer nicht brennt, entflammt auch keinen! Zunächst ist also jeder einzelne Katholik gefordert, seinen Glauben zu vertiefen und dort zu bezeugen, wo er lebt und arbeitet. Nur wenn wir einzeln oder gemeinschaftlich offen unsere Überzeugung vertreten, haben wir in unserer pluralistischen Gesellschaft eine Chance. Da-rüber hinaus brauchen wir -da christlicher Glaube weniger Weltanschauung als Lebensweise ist -auch weiterhin Gemeinschaften und Räume, in denen unser "Mehrwert" an Liebe, Erbarmen, Solidarität, Hoffnung und Zuversicht erfahren werden kann. Auf jeden Fall sind Veränderungsbereitschaft, geistlicher Tiefgang und ein langer Atem vonnöten. Wer das Wort Gottes mit aussäht, muss -evangeliumsgemäß -damit rechnen, dass es verloren geht, verdorrt oder erstickt wird, andererseits ist uns verheißen, dass es auch äußerst ertragreich sein kann. Darauf gilt es sich mit all unseren Kräften und Möglichkeiten einzulassen.

Fragen: Eckhard Pohl

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 41 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Dienstag, 05.10.2004

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