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Bistum Görlitz

Ohne staatliche Unterstützung

Malteser bilden Pflegekräfte aus

Überraschung: Als 333. Teilnehmerin bekam Anett Schäfer (rechts) einen Blumenstrauß.

Görlitz -Was sich wie die nüchterne Rechnung eines Statistikers liest, ist in Wahrheit mehr als beunruhigend. Die deutsche Bevölkerung wird immer älter. Wenn die Entwicklung so weitergeht, sind im Jahr 2040 etwa 50 Prozent aller Deutschen über 62 Jahre. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Gesellschaft, sondern vor allem auf die Pflege und Betreuung der alten Menschen.

"Bereits im Jahr 2020 müssten laut einer aktuellen Studie 24 Prozent der Arbeitnehmer in Pflegeberufen beschäftigt sein, um den heutigen Standard zu halten", rechnet der Geschäftsführer des Malteser Hilfsdienstes in Görlitz, Bernd Schmuck, vor. Heute seien es gerade mal acht Prozent. "Es besteht in naher Zukunft ein immenser Bedarf an Pflegefach- und Hilfskräften. Da tickt eine Zeitbombe", ist sich Schmuck sicher.

Auch wenn die Sozialverbände seit langem Alarm schlagen, werden sie von der Politik kaum gehört. Die Malteser in Görlitz haben schon vor ein paar Jahren auf den zukünftigen Pflegenotstand reagiert und als ergänzende Ausbildung zu den Pflegefachkräften einen knapp fünf Wochen dauernden Kurs zur Schwesterhelferin oder zum -helfer ins Leben gerufen. Weit über 300 Frauen und Männer haben inzwischen an der Ausbildung teilgenommen. Schmuck: "Die Teilnehmer sind überwiegend arbeitssuchend, haben pflegebedürftige Angehörige oder wollen sich beruflich völlig neu orientieren".

Zurzeit nehmen 21 Frauen und Männer an der Ausbildung teil. Dabei könnten weit mehr aufgenommen werden, denn die Nachfrage ist hoch. Geschult werden sie von staatlich anerkannten Pflegefachkräften, die zudem eine pädagogische Ausbildung haben. Neben einem umfangreichen theoretischen Teil, lernen die zukünftigen Schwesternhelferinnen und -helfer in einem Praktikum das Einmaleins der Krankenpflege. In der letzten Woche wurde die 333. Teilnehmerin, Anett Schäfer aus Krauschwitz, von Ausbildungsleiterin Karin Meschter-Dunger mit einem Blumenstrauß überrascht. Frau Schäfer will durch die Ausbildung den beruflichen Wiedereinstieg finden.

Da es sich jedoch nicht um eine direkte Berufsausbildung handelt, müssen die Teilnehmer die Kosten von 311 Euro selbst berappen. "Anträge bei der Arbeitsagentur auf Übernahme wurden in jüngster Vergangenheit immer negativ beantwortet", bedauert Schmuck. Dabei ist die Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt nicht einmal schlecht. Rund 30 Prozent der Absolventen haben eine Stelle gefunden. Andere wiederum bekommen durch das Praktikum den Einstieg in das Berufsleben. Bei den Maltesern selbst arbeiten seit vielen Jahren 15 Schwesterhelferinnen, die diese Ausbildung absolviert haben, in der ambulanten und teilstationären Pflege.

"Die Teilnehmer, die zu uns kommen, sind hochmotiviert", sagt Bernd Schmuck. Nach den Erfahrungen der Malteser gebe es ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit, wie sie von der Arbeitsagentur und der Politik immer wieder gefordert wird.

Andreas Schuppert

Der nächste Kurs der Malteser in Görlitz beginnt Anfang Januar 2005. Infos unter Tel. (03581) 48 00 21. Die Malteser in Hoyerswerda führen die nächste Ausbildung ab 1. November durch, Tel. (03571) 40 70 70, der Cottbuser Verband informiert unter Tel. (0355) 584 20 10 über die Möglichkeiten der Ausbildung.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 40 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 29.09.2004

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