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Bistum Erfurt

"So bunt ist unser Glaube"

Hinein in die Öffentlichkeit: "Kirche auf dem Markt" in Suhl zeigte, hier gibt es Christen

Suhl (jak) -Die Suhler Kolpingsfamilie gehörte neben Misereor Berlin und der Caritas zu den zahlreichen Einrichtungen und Initiativen, die den ersten ökumenischen Suhler Kirchentag nutzten, um sich beim Markt der Möglichkeiten vorzustellen. Informationen gab es unter anderem zur Hilfe der Suhler Kolpingsfreunde, die sich seit nunmehr zwölf Jahren für Rumänien engagieren. Wie Dr. Elisabeth Weiß, die stellvertretende Vorsitzende der Kolpingsfamilie Suhl, berichtete, wurde unter anderem jahrelang Hilfe für ein Kinderheim in Ineu geleistet. Elisabeth Weiß hatte das Heim auf einer Reise kennen gelernt und war erschüttert über die einstigen Zustände. Diese Erfahrung und andere Eindrücke ließen nicht mehr los, wurden zum Motor für zahlreiche Hilfsaktionen. Heute werden diese über rumänische Kolpingsfamilien koordiniert, die vor Ort die Verteilung übernehmen.

Dass dieses Projekt auch in Thüringen regional wahrgenommen wird, zeigte eine Podiumsdiskussion am frühen Nachmittag. Bürgermeister Karl Uwe Panse aus Zella-Mehlis erinnerte ausdrücklich an die Hilfe für das Kinderheim in Ineu. Kirche, so Panse, darf die Schwachen nicht aus den Augen lassen, in Suhl und Thüringen genausowenig wie in Rumänien. Angesprochen wurde weiter die Frage, wie die Gesellschaft Kirche besser wahrgenehmen könne. Der Suhler katholische Pfarrer, Joachim Kramer, betonte, dass ein gemeinsamer Tag wie dieser der breiten Öffentlichkeit zeige, dass es ein gutes Miteinander unter den Christen gibt. Ermutigend betonte Kramer weiter: "Gemeinsam ist uns das Gottesgeschäft im Namen Jesu Christi." Ungeachtet aller Verschiedenheit seien alle Christen dazu aufgerufen, den dreieinigen Gott zu bezeugen. Elfriede Begrich, Pröpstin der Evangelischen Landeskirche Sachsens, zu der der evangelische Henneberger Kirchenkreis gehört, erinnerte zudem an die gemeinsamen Positionen der Kirchen in Fragen der Gentechnik, im Umgang mit Leben und Tod und im sozialen Bereich. Gerade in einer Zeit tiefer Verunsicherung seien die Kirchen gefordert, an der Seite der Benachteiligten zu stehen. Elfriede Begrich erinnerte in diesem Zusammenhang auch an das gemeinsame Sozialwort der Kirchen, das nichts von seiner Gültigkeit eingebüßt habe.

Doch nicht nur die brennenden Probleme prägten die Diskussion. Thematisiert wurde weiter der "Schönste Weg, um zum Glauben zu finden". Pfarrer Kramer verwies auf die Wunder der Naturwissenschaften, die zeigten, dass alles irgendwie auf den Menschen zulaufe. Das Wunder der Schöpfung ist für Kramer der erste Erschließungsgrund zum Glauben. Pröpstin Begrich zeigte sich von mutmachenden Biografien großer Christen beeindruckt, die sie durchaus immer wieder als Ergänzung zur Bibel erfährt. Und Bürgermeister Panse sieht im privaten wie im politischen Bereich die Begegnung mit anderen, das Gespräch, das für den anderen Dasein als gute Möglichkeit an, den Glauben zu praktizieren und so Gott zu begegnen. Der erste Suhler Kirchentag "Kirche auf dem Markt" stand unter dem Leitwort "So bunt ist unser Glaube". Bewusst wurde schon in den Einladungen darauf hingewiesen, dass die Kirchen in die Öffentlichkeit gehören.

Höhepunkt des Tages war ein abschließender Gottesdienst. Pröpstin Elfriede Begrich forderte in ihrer Predigt dazu auf, der Autorität Gottes mehr Raum zu geben. Wörtlich sagte sie unter anderem: "Gott vergisst uns nicht, er nimmt uns an die Hand, geht mit uns auf dem Weg der ins Leben führt. Habt Gott unter euch, hier auf dem Markt, in euren Kirchen, im Rathaus."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 38 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 19.09.2004

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