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Bistum Dresden-Meißen

Mit dem Geländewagen zum Gottesdienst

Zehn sächsische Verantwortliche der Jugendarbeit besuchten ihre Kollegen in Tansania

Leipzig (mb) -Es ist ein Donnerstagabend Ende August, 18.35 Uhr, als der ICE von Frankfurt nach Dresden in den Leipziger Hauptbahnhof einfährt. Mit an Bord: Zehn junge Sachsen, die gerade eine dreiwöchige Reise durch Tansania hinter sich haben. Vier Männer und sechs Frauen sind es, alle zwischen 19 und 33 Jahren jung. Was sie verbindet, ist ihr Engagement in der kirchlichen Jugendarbeit. Sie alle sind haupt oder ehrenamtlich in der katholischen oder evangelischen Kirche engagiert, setzen sich für die Belange von Jugendlichen ein. Und sie waren nicht zum Vergnügen in Ostafrika unterwegs.

Ihr Auftrag war es, die Kontakte zwischen Verantwortlichen der Jugendarbeit hierzulande und den Partnern auf dem schwarzen Kontinent neu zu beleben. Verbindungen zwischen dem Bistum Dresden-Meißen und der Sächsischen Landeskirche auf der einen Seite und katholischer und evangelischer Kirche in Tansania auf der anderen Seite bestehen seit über 13 Jahren. Und wie jede Partnerschaft, die über tausende Kilometer hinweg gepflegt werden soll, drohte auch hier die Zusammenarbeit seit dem letzten Besuch vor vier Jahren einzuschlafen. Also wurde kurzerhand eine ökumenische Gesandtschaft zusammengestellt, und los ging die Reise.

Drei Wochen lang holperten die Sachsen mit ihrem tansanischen Reiseleiter im Geländewagen über afrikanische Pisten. Auf dem Besuchsprogramm standen Gemeinden, Krankenhäuser und Schulen des Bistums Geita, das am Viktoriasee im Norden Tansanias liegt. Das Schwierigste war dabei häufig der Weg, so Susann Oßmann (27) aus Riesa, die für das Bistum Dresden-Meißen die Reise organisiert hatte: "Für eine 60 Kilometer-Strecke haben wir oft Stunden gebraucht, weil die Straßenverhältnisse einfach katastrophal waren." Roman Poschmann (33) aus Chemnitz ergänzt: "Es gibt dort nicht einen Meter asphaltierter Straßen. So haben wir auch verstehen können, was die Priester dort Woche für Woche auf sich nehmen, um die Menschen zu erreichen. Es gibt Gemeinden, die bis zu 49 Außenstationen haben."

Entschädigt wurden die Reisenden in Sachen ökumenischer Jugendarbeit für die Strapazen allerdings durch die Begeisterung, die ihnen entgegengebracht wurde. "Wir sind wie Staatsgäste empfangen worden", so David Wohlgemuth (21) aus Neudorf bei Annaberg-Buchholz, "mit großen Festessen, das für diese Leute auch viel Geld gekostet hat."

Auch Bischof Damian Dallu, der Bischof von Geita, empfing die jungen Besucher. Sie wohnten im Haus des Bischofs, saßen mit ihm zu Tisch und diskutierten über die Probleme des Landes. Und sie brachten neben vielen aufregenden Erlebnissen auch die eine oder andere Krankheit mit nach Hause. Neben Magen- und Darmverstimmungen erwischte einen Teilnehmer sogar die Malaria -was allerdings problemlos behandelt werden konnte.

Im Blickpunkt der ökumenischen Reise stand natürlich auch die Frage, wie Glaube in Afrika gelebt und gefeiert wird. Besonders für Kaplan Andreas Kutschke (30) aus Zittau, den geistlichen Begleiter der Reise, eine spannende Erfahrung. "Die Art und Weise, wie dort die Eucharistie gefeiert wird, wie das wirklich der Höhepunkt des Gemeindelebens ist, das war schon beeindruckend."

Da vergingen selbst zweieinhalbstündige Gottesdienste wie im Flug, erzählte Roman Poschmann: "Durch die farbenfrohe, begeisterte Gestaltung des Gottesdienstes, die Gesänge, die Tänze der Kinder, den Chor, der rhythmisch die Begleitung übernommen hat, haben wir überhaupt nicht mitbekommen, wie viel Zeit vergangen war. Davon könnten wir uns eine Scheibe abschneiden."

Eine der jüngsten Teilnehmerinnen der Reise war Anne Böhme (19) aus Riesa. Ihr ist besonders der Besuch einer weiterführenden Schule in Erinnerung geblieben. "Es war eine ganz andere Atmosphäre -viel familiärer, würde ich sagen." Neben der Schule wird seit kurzem ein Internat gebaut, finanziert auch mit Spenden sächsischer Christen. Hier sollen speziell Unterkünfte für Mädchen entstehen, für die der Schulweg sonst zu lang wäre.

Die jugendlichen Afrikareisenden wollen nun in Schulen, Jugendgruppen und Gemeinden über ihre Erlebnisse berichten und für den Kontakt nach Tansania werben. Außerdem wird bereits über die Einladung zu einem Gegenbesuch nachgedacht. Schließlich findet kommendes Jahr der Weltjugendtag in Deutschland statt -eine gute Gelegenheit für ein baldiges Wiedersehen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 38 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 19.09.2004

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