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Bistum Erfurt

Mehr als eine Suppe

Tagestreff der Caritas in Erfurt ist Anlaufstelle für obdachlose Mittmenschen

Eine Suppe und ein Gespräch können viel bedeuten: Ingrid kommt von Anfang an zum Tagestreff der Erfurter Caritas. Im Bild rechts Schwester Maria Carola, die Leiterin des Tagestreffs.

Erfurt -"Die Erfurter Suppenküche hat eine Zukunft, weil sie notwendig ist. Das Haus kann aber nur bestehen, wenn es sich Anforderungen wie den neuen Regelungen auf dem Arbeitsmarkt und im Sozialhilfebereich stellt", betonte Domkapitular und Caritasdirektor Bruno Heller im Rahmen eines Sommerfestes des Tagestreffs der Caritas in Erfurt. Weiter sagte Bruno Heller -auch mit Blick auf die verstärkte Anfrage nach Hilfe: "Die Caritas sucht nach neuen Sponsoren, damit die Suppenküche die bisherigen Angebote kontinuierlich weiterführen kann." Aber eigentlich sollte die Gesellschaft so arbeiten, dass sie Einrichtungen wie den Tagestreff entbehrlich macht, kritisierte der Caritasdirektor.

Der Tagestreff, der am 27. August sein 4000-Tage-Jubiläum feierte, ist nicht nur eine Suppenküche für sozial Schwache. Seit 1993 finden hier Menschen, die von Wohnungslosigkeit, Arbeitslosigkeit sowie den damit verbundene Problemen betroffen sind, hier immer ein offenes Ohr, Beratung und andere Hilfen. So können sie beispielsweise die Kleiderkammer, den Waschsalon sowie die Duschen nutzen.

Für das Essen selbst wurde ein Preis von 80 Cent festgelegt. Das besonders darum, um "die Würde der Hilfe Suchenden zu achten", erklärt Schwester Maria Carola, die Leiterin des Treffs. Angeliefert wird die Suppe vom katholischen Krankenhaus, die restlichen Lebensmittel spenden Bäcker, Fleischer, Supermärkte.

Heute engagieren sich rund zwölf ehrenamtliche Helfer für die Suppenküche und unterstützen damit die drei hauptamtlichen Sozialarbeiter. Eine der Ehrenamtlichen ist Gertrud Herz aus der Domgemeinde. Sie sagte: "In diesem Haus herrscht ein guter Geist unter den Mitarbeitern und den Gästen. Ich fühle mich solidarisch mit den Menschen, die in den Tagestreff kommen. Auch wenn wir hier nicht das große Weltgeschehen bewegen, zählt es beim Servieren freundlich zu sein."

Im Winter wird es in dem Tagestreff eng, weil die Gäste zahlreicher kommen, etwa 100 Menschen, wie es die Leiterin weiß. Sie bleiben auch länger, um sich aufzuwärmen oder weil sie Gesellschaft suchen. Zur Verfügung stehen aber nur rund 70 Sitzplätze, die für einen längeren Aufenthalt der obdachlosen Gäste nicht geeignet sind. Anfangs hatten es Schwester Maria und ihre Helfer nicht leicht, das Vertrauen der obdachlosen Menschen zu gewinnen. "Die Menschen, die zu uns kamen, waren erst sschüchtern, die Einsamkeit kann dazu verleiten. Den Helfern ist es jedoch es gelungen, die Anonymität zu durchbrechen und Hoffnung zu vermitteln", so Schwester Maria Carola. Die Franziskanerin von der Kongregation der Armen Schwestern vom heiligen Franziskus (das Mutterhaus ist in Aachen) hat es sich schon immer vorgenommen, für Arme und Benachteiligte da zu sein. Auch Bruno Heller spürte das Vertrauen der obdachlosen Mitmenschen in der von Schwester Maria Carola geleiteten Suppenküche.

Diana Campean/tdh

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 37 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 13.09.2004

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