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Auf zwei Minuten

Was nützt es, Gott zu dienen?

Ein Beitrag von Pater Damian Meyer

Pater Damian

Herr Klein war im Ganzen mit seinem Leben zufrieden. Er hatte eine Frau, die ihn liebte und zwei fast erwachsene Kinder. Mit seiner Arbeit und dem Nebenverdienst der Ehefrau kamen sie finanziell über die Runden. Er war ein gläubiger Mensch, nahm regelmäßig am sonntäglichen Gottesdienst teil und pflegte das tägliche persönliche Gebet. Er übernahm verschiedene Dienste in seiner Pfarrgemeinde und setzte sich im Caritaskreis für die Belange der Armen und Unterprivilegierten ein. Und dann traf es ihn Schlag auf Schlag: Er wurde mit vielen anderen Mitarbeitern seiner Firma wegen mangelnder Aufträge entlassen. Schon seit fast einem Jahr war er ohne Job, obwohl er eine Unzahl von Bewerbungen geschrieben hatte. Das Schlimmste aber: Der achtzehnjährige Sohn verunglückte bei einem Unfall mit dem Auto. Das war zuviel für ihn. Er betete umso inständiger zu Gott, aber innerhalb von fünf Monaten geschah ein weiteres Unglück: Seine Frau erkrankte an Brustkrebs. Für Herrn Klein war das Maß voll. Er haderte mit Gott und schrie: "Was nützt es, zu beten und Gott zu dienen? Es ist sinnlos! Einigen meiner ungläubigen Kollegen geht es viel besser. Ganz zu schweigen von Leuten, die ,krumme Dinger drehen', sie kommen ungeschoren davon und haben ein gutes Leben."

Herr Klein ist kein Einzelfall. Schon vor etwa zweieinhalbtausend Jahren berichtet der Prophet Maleachi über fromme Israeliten seiner Zeit, die sich ähnlich wie Herr Klein äußern: "Was ihr über mich sagt, ist kühn, spricht der Herr. Doch ihr fragt: Was sagen wir denn über dich? Ihr sagt: Es hat keinen Sinn, Gott zu dienen. Was haben wir davon, wenn wir auf seine Anordnungen achten und vor dem Herrn der Heere in Trauergewändern umhergehen? Darum preisen wir die Überheblichen glücklich, denn die Frevler haben Erfolg; sie stellen Gott auf die Probe und kommen doch straflos davon" (3,13-15). Können wir nicht alle, die wir diesen Text lesen, eine Fülle selbst erlebter Beispiele anführen? Lehrt uns nicht ein Blick auf die Weltlage, dass die Ungerechtigkeit weithin triumphiert?

Da ist der Ruf der Gläubigen nach dem Eingreifen Gottes, nach dem "Zurechtrücken" der Lage nur zu verständlich. Ist Gott für immer ein ferner und schweigender Gott? Der Prophet Maleachi lässt keinen Zweifel aufkommen: Es wird der "Tag des Herrn" kommen, an dem Gott alles und alle richtet, alles zurechtbringt: "Ich werde gut zu ihnen sein, wie ein Mann gut ist zu seinem Sohn, der ihm dient". Bis dahin aber verlangt der verborgene und unbegreifliche Gott Ausharren und Geduld. Maleachi lässt Gott den Frommen in einem schönen Bild Trost spenden: "Für euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen, und ihre Flügel bringen Heilung. Ihr werdet hinausgehen und Freudensprünge machen, wie Kälber, die aus dem Stall kommen" (3,20).

Pater Damian Meyer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 36 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 01.09.2004

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