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Bistum Magdeburg

Gottvertrauen statt Ängstlichkeit

Katholische und evangelische Gemeinden feierten das 1000. Weihejubiläum ihrer Kirche

Schriftlich Zusammenarbeit der Gemeinden vereinbart: Pfarrer Willi Verstege, Ester Regner (Gemeindekirchenrat), Helga Keßler (Pfarrgemeinderat), Pfarrerin Christine Reizig

Nienburg (ep) -Mit der Unterzeichnung einer ökumenischen Vereinbarung zwischen den Kirchengemeinden sind vergangenen Sonntag die Festwochen anlässlich des 1000jährigen Weihejubiläums der Nienburger Kloster- und Schlosskirche zu Ende gegangen. In der in Anlehnung an die "Leitlinien für die wachsende Zusammenarbeit unter den Kirchen in Europa" formulierten Erklärung verpflichten sich die katholische Gemeinde St. Nikolaus und die evangelische Gemeinde St. Johannis und St. Marien, weitgehend gemeinsam als Christen zu glauben, zu leben und zu handeln und "auf die sichtbare Einheit der Kirche Jesu Christi in dem einen Glauben hinzuwirken". Die auch als Charta Oecumenica bezeichneten Leitlinien waren beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin 2003 von Vertretern der Kirchen in Deutschland unterzeichnet worden.

Seit 8. August hatten anlässlich des Millenniums der Weihe der einstigen Benediktinerklosterkirche Nienburg zahlreiche Veranstaltungen stattgefunden. So waren am 12. August die Benediktiner der Huysburg in Nienburg zu Gast. Die Mönche luden zum Stundengebet und zu Gespräch und Begegnung ein. Eine Woche später besuchte die an der Ordensregel des heiligen Benedikt orientierte evangelische Christusbruderschaft vom Petersberg bei Halle Nienburg und bot noch einmal Gelegenheit, am klösterlichen Stundengebet teilzunehmen. Die Brüder gaben zudem Anregungen für die persönliche Begegnung mit Gott.

Auf gute Resonanz stieß auch eine musikalisch-literarische Matinee, bei der mittels lebender Bilder mit Augenzwinkern aus der wechselvollen Geschichte von Klosters und Kirche erzählt wurde. So trat Pfarrer Willi Verstege als Benediktinermönch auf und verlas die Gründungsurkunde des Klosters Nienburg. Anhand eines Zeitungsartikels wurde aber etwa auch berichtet, wie im 16. Jahrhundert in der Kirche mittels Wünschelrute nach Goldschätzen gesucht wurde ...

Unter dem Motto "Wie geworden ist, was ist" erinnerten bei einer Talkrunde frühere Pfarrer aus Nienburg und Bernburg gemeinsam mit Seelsorger Willi Verstege an den Weg, den die evangelische und katholische Gemeinde in den zurückliegenden 40 Jahren aufeinander zu zurückgelegt haben. Der frühere Pfarrer von St. Johannes in Bernburg- Talstadt Karl-Josef Lange sagte, im Blick auf die Ökumene gebe es viele Ängste, die eigene Identität zu verlieren und von der anderen Kirche über den Tisch gezogen zu werden. Bei seinem Studienkollegen und Mitbruder Willi Verstege habe er solche Ängste nie erlebt, sondern Gottvertrauen, und das habe ihn beeindruckt, so der frühere für Nienburg zuständige Dechant.

Die Klosterkirche, die heute der Evangelischen Kirche Anhalts gehört, wird -seit vier Jahrzehnten vertraglich geregelt -von katholischer und evangelischer Gemeinde gemeinsam genutzt und wurde von beiden Gemeinden Schritt für Schritt saniert. Dabei ist ein partnerschaftliches ökumenisches Miteinander entstanden.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 35 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 25.08.2004

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