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Bistum Dresden-Meißen

Zwischen den Traditionen

Ukrainisch-katholischer Priester ist Krankenhausseelsorger in Leipzig

Ehemann und Pfarrer: Der Ukrainer Bohdan Luka

Leipzig -Ein Priester mit Ehering? Schon mancher Patient im Leipziger St.-Elisabeth-Krankenhaus wurde stutzig, wenn Pfarrer Bohdan Luka an sein Krankenbett trat. Wenn der neue Krankenhausseelsorger dann erklärt, warum er verheiratet und trotzdem Priester ist, ist das häufig bereits der Einstieg in ein tieferes Gespräch. Seit Anfang Mai ist der 29-jährige Lemberger Pfarrer Bohdan Luka Krankenhausseelsorger im Elisabeth- Krankenhaus und gleichzeitig Seelsorger für die ukrainischen griechisch-katholischen Christen zwischen Leipzig und Dresden. Die ukrainisch-katholische Kirche, der er angehört, ist mit der römisch-katholischen uniert. Dass Gottesdienste im byzantinischen Ritus gefeiert werden und dass es verheiratete Priester gibt, gehört zu den augenscheinlichsten Unterschieden.

Für den Ukrainer, der erst im Februar die Priesterweihe empfing, ist der Berufseinstieg eine große Herausforderung. So musste er sich für den Dienst im katholischen Krankenhaus zuerst einmal mit dem lateinischen Messritus vertraut machen. Für seine andere Aufgabe, der Seelsorge an Ukrainern, ist er darauf angewiesen, seine Gemeinde selbst zu finden. Er hört sich in katholischen Gemeinden und ukrainischen Organisationen um und hatte bei dieser mühseligen Art der Gemeindegründung schon einigen Erfolg.

Gleich zu Beginn stieß er auf eine ukrainisch-katholische Polin, die sehr erfreut war, endlich einen Priester ihrer Kirche zu finden. Da der liturgische Gesang für byzantinische Messen sehr wichtig ist, traf es sich zudem gut, dass diese Frau professionelle Sängerin ist. Monat für Monat erweitern sich seither die kleinen Gottesdienstgemeinschaften, die sich sonntags um 14 Uhr und samstags um 16 Uhr in der Gohliser St.-Georgs-Kirche sowie sonntags um 9.30 Uhr und mittwochs um 18.30 Uhr in der Marienkapelle des Dresdner St.-Josefs-Stifts zusammenfinden. Vor dem 16-Uhr-Gottesdienst am Samstag in Gohlis bietet Bohdan Luka zudem eine Katechese für Vorschulkinder an. Auch einige Eltern nehmen daran teil und profitieren selbst von der religiösen Unterweisung. Da die Kirche zur Zeit des Sozialismus in der Ukraine nur im Untergrund agieren konnte, hatten viele Christen damals keine Gelegenheit, ihren eigenen Glauben kennen zu lernen und zu vertiefen.

Bohdan Luka hatte in dieser Hinsicht Glück: Geheime Gottesdienste fanden häufig bei seinen Eltern zu Hause statt. Seine Familie hatte viele Kontakte zu Priestern. Unter anderem verschaffte sein Vater über Jahre hinweg jeweils einem Priester einen Arbeitsplatz -ohne Arbeit drohte den Geistlichen die Verhaftung wegen Arbeitsverweigerung -und erledigte die Arbeit zusätzlich zu seiner eigenen, um dem Priester den Rücken für seine seelsorglichen Aufgaben freizuhalten. Die Priester, die Bohdan Luka damals erlebte, waren für ihn heilige, faszinierende Menschen. Er selbst hätte es sich nicht zugetraut, ein Leben wie sie zu führen. Nach der Wende lernte er erstmals verheiratete Priester kennen. Seine Berufsplanungen gingen eigentlich in Richtung Musik, Sport oder Journalismus. Doch im Gebet tauchte immer wieder der Gedanke auf, dass das Priestertum seine Berufung sein könnte. Würde er es aber schaffen, diese Berufung mit der Berufung zur Ehe zu verbinden, derer er sich sicher war? Ein älterer Priester zerstreute schließlich seine Bedenken und inneren Widerstände: "Keine Angst!", sagte er ihm, "wenn du das Kreuz auf dich nimmst, wird Gott dir helfen, es zu schaffen." Anhand vieler Zeichen hat sich seither der Eindruck verstärkt, auf dem richtigen Weg zu sein. Seine Frau, die internationale Wirtschaftswissenschaften studiert hat, lernte er während eines Gemeindepraktikums kennen. Sie engagierte sich in einer christlichen Gemeinschaft, die besonders das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen fördert.

Während des Theologiestudiums interessierte sich Bohdan Luka bald auch für neue Formen der Seelsorge wie Gefängnisoder Krankenhausseelsorge. Dazu trug die Tatsache bei, dass die Kirche in der Ukraine seit der Wende so sehr aufblüht, dass für die große Zahl der Neupriester nicht genügend Stellen in der Gemeindeseelsorge zur Verfügung sind. Nach Abschluss seines Studiums erhielt er das Angebot, mit drei anderen Lemberger Studenten ein Zusatzstudium in Eichstätt aufzunehmen. Hier schrieb er seine Lizentiatsarbeit über Krankenhausseelsorge, die er noch abschließen muss. Mittlerweile hat er so gut Deutsch gelernt, dass es bei der Arbeit im Elisabeth-Krankenhaus keine Verständigungsprobleme gibt. Montags, dienstags und donnerstags ist er hier hauptsächlich im Einsatz. Er besucht nicht nur die Patienten, die ausdrücklich um ein Gespräch bitten, sondern auch viele andere, gerade die Älteren und sehr Schwachen. Auch denjenigen, die nicht mehr ansprechbar sind, versucht er nahe zu sein und ist zuversichtlich, dass ihnen sein Gebet gut tut.

Dorothee Wanzek

Wer Christen kennt, die Kontakt zu einer ukrainischen griechisch-katholischen Gemeinde suchen, kann sich bei Pfarrer Bohdan Luka unter Telefon (0341) 306 96 86, oder Handy (0176) 242 314 63 oder per E-Mail unter b_luka@t-online.de melden.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 35 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 25.08.2004

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