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Auf zwei Minuten

Gebet und Arbeit

Ein Beitrag von Pater Damian Meyer

Pater Damian

Die 1998 heilig gesprochene Karmeliterin Edith Stein hat die längste Zeit ihres Lebens in "weltlichen" Berufen als wissenschaftliche Assistentin, als Dozentin und Lehrerin gearbeitet, bevor sie in den Karmel eintrat. Schon damals, mitten in der Welt, war sie eine in Gott verwurzelte Mystikerin. Aus ihrer Erfahrung heraus kann sie uns helfen, wie man Tagesarbeit und Gebet verbinden kann: "In der Zeit unmittelbar vor und noch eine ganze Weile nach meiner Konversion habe ich ... gemeint, ein religiöses Leben führen heiße, alles Irdische aufzugeben und nur in Gedanken an göttliche Dinge zu leben. Allmählich aber habe ich einsehen gelernt, dass in dieser Welt anderes von uns verlangt wird und dass selbst im beschaulichen Leben die Verbindung mit der Welt nicht durchgeschnitten werden darf; ich glaube sogar: Je tiefer jemand in Gott hineingezogen wird, desto mehr muss er auch in diesem Sinn ,aus sich herausgehen'. das heißt in die Welt hinein, um das göttliche Leben in sie hin zu tragen. Es kommt nur darauf an, dass man zunächst einmal in der Tat einen stillen Winkel hat, in dem man mit Gott so verkehren kann, als ob es sonst überhaupt nichts gäbe, und das täglich: Das Gegebene scheinen mir die Morgenstunden, ehe die Tagesarbeit beginnt; ferner dass man seine besondere Mission dort bekommt, am besten für jeden Tag, und auch nichts selbst wählt; schließlich, dass man sich ganz und gar als Werkzeug betrachtet und speziell die Kräfte, mit denen man besonders arbeiten muss, zum Beispiel den Verstand in unserem Fall, als etwas, was nicht wir brauchen, sondern Gott in uns."

Vielleicht scheint ein solches Programm für viele zu hoch gegriffen, wenn ihnen am Tage nur ein paar Minuten für Stille und Sammlung zur Verfügung stehen. Hier kann die Erfahrung einer anderen großen Frau für uns hilfreich sein. Madeleine Debrel (1904 bis 1964), bis zum Äußersten sozial und politisch engagiert, lebte aus dem Wort der Bibel und aus dem Gebet. Für sie war christliches Leben dazu bestimmt, Feuer zu sein. Das Feuer aber muss unterhalten werden durch Gebet und Meditation. Wo aber die Zeit dafür hernehmen? Sie bringt folgenden Vergleich: Die Mitglieder eines kontemplativen Ordens verwenden Stunden für das Gebet, sie holzen sozusagen ganze Wälder an Zeit ab, um das nötige Brennholz herbeizuschaffen. Um das Gebet den zeitgemäßen Erfordernissen im Leben der Weltchristen anzupassen, muss man - im Bild gesprochen - auf eine Ölschicht als Energiequelle, als Brennstoff stoßen: "Hier spielt die Ausdehnung keinerlei Rolle. Man braucht nicht Tausende Quadratkilometer abzuholzen ...Man bohrt senkrecht ein Loch, dessen Öffnung lächerlich klein ist, dass aber so tief reicht, dass es die Ölschicht erreicht." Ohne Bild: Man muss mitten im Alltag günstige Augenblicke aussuchen für kurze Gebete, so genannte Stoßgebete, die den Grund unseres Glaubens, Gott, erreichen. Solche "Unterbrechungen" können Zeiten sein, wenn man auf etwas warten muss, wenn eine Tätigkeit einen nicht zu sehr in Anspruch nimmt, einige Minuten in einer Kirche in der Einkaufszone ...

Pater Damian Mayer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 34 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 20.08.2004

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