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Bistum Erfurt

Orientierung auf Christus hin

Evangelische und katholische Christen trafen sich in Mühlberg bei Gotha

Auf der Mühlburg: Das Radegunde-Gedenken der Christen von Gotha und Mühlberg ist inzwischen zu einer guten Tradition geworden.

Mühlberg / Gotha -Alljährlich am Sonntag nach dem 13. August ziehen evangelische und katholische Christen aus Mühlberg, Gotha und aus anderen Orten gemeinsam von Mühlberg hinauf zur Burg, um dort der ersten Thüringer Heiligen zu gedenken. Die heilige Radegunde, die am 13. August 587 verstarb, war eine Thüringer Prinzessin, Frankens Königin und schließlich Ordensfrau in Poitier. Ihr gelebter Glaube in einer Zeit des religiösen Übergangs hin zum Christentum und den damit verbundenen gesellschaftlichen Umbrüchen ist für viele bis heute vorbildhaft. Radegundes Verehrung begann früh: Unter ihrem Patronat entstand auf der nunmehr 1300 Jahre alten Mühlburg einst eine Kapelle. Von ihr zeugen heute Grundmauern und ein Gedenkstein. Wieder entdeckt hatte die Radegunde-Kapelle der Heimatforscher Richard Opel (1873 bis 1948).

Begonnen wurde das diesjährige Radegunde-Gedenken mit einem ökumenischen Gottesdienst in der evangelischen St. Lukaskirche. Deren Pfarrer Rainer Schmidt betonte in seiner Predigt, dass die Zeichen der Gnade in der Menschheitsgeschichte oft nicht erkannt werden. Anders bei Radegunde. Sie hat, so der evangelische Pfarrer, sich an Jesus gehalten, sie hat erkannt, was Jesus für die Welt und vom Menschen will. So ist sie, die nach dem blutigen Untergang des Thüringer Volkes (531) als eine der wenigen Überlebenden ins Frankenreich verschleppt wurde, letztlich zur Versöhnung fähig gewesen. Pfarrer Schmidt nannte Radegunde von Thüringen und ihr Lebenszeugnis eine Gabe Gottes.

Nach dem Gottesdienst ging es über eine Zwischenstation am Tröpfelborn -einem Brunnen -hinauf auf die Mühlburg zur Kapelle. Die abschließende Andacht wurde von Pfarrer Georg Schuchardt aus Gotha gehalten. Georg Schuchardt betonte, dass die Menschen Orientierungspunkte benötigen. Diese können Orte sein, die man immer wieder gerne besucht oder auch Menschen, mit denen man im Gespräch ist. Orientierungspunkte finden sich zudem in der Geschichte, so wie bei Radegunde, deren Zeugnis die Jahrhunderte überdauerte. Der katholische Pfarrer machte den Teilnehmenden Mut, sich in christlicher Verantwortung dem Leben zu stellen, um selbst Orientrierungspunkt für die meist nicht glaubenden Mitmenschen zu werden. Es genügt nicht, angesichts einer breiten Orientierungslosigkeit, nur zu klagen, "wir müssen das Unsere tun." Pfarrer Schuchardt bat in diesem Sinne um die Fürsprache der heiligen Radegunde, "dass wir durch unser Leben Orientierung auf Christus hin geben."

Holger Jakobi

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 34 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 20.08.2004

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