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Bistum Görlitz

Ohne Perspektive

Görlitzer Verein kümmert sich um Tschernobyl-Kinder

Ein paar Tage Sonnenschein: Kinder aus Tschernobyl erholen sich in Deutschland.

Görlitz (as) -Das Ereignis ist fast in Vergessenheit geraten. Im April 1986 explodierte im ukrainischen Tschernobyl der Reaktor eines Atomkraftwerkes. Hunderte Tote und Verletzte, tausende Strahlengeschädigte, verseuchte Erde. Die Nachrichten gingen um die Welt, aber erst Wochen später, denn die sowjetische Regierung vertuschte den Vorfall so lange, bis die Geigerzähler sogar im Westen ausschlugen.

Die Hauptbetroffenen waren vor allem die Kinder -noch heute leiden sie an den Folgen des Unglücks. Auch die nachfolgenden Generationen werden mit den Auswirkungen noch lange leben müssen. Betrogene Generationen, ohne Hoffnung, ohne Perspektive.

In Görlitz kümmert sich der "Aktionskreis Kinder von Tschernobyl" um die Nachgeborenen der Reaktor-Katastrophe, die aufgrund der verseuchten Umgebung von Geburt an gesundheitliche Probleme haben. "Die Kinder leiden besonders unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen", weiß Michela Kretschmar, die Vorsitzende des Vereins. Aber auch insgesamt sind die Kinder von Tschernobyl in ihrer Entwicklung gehemmt. Frau Kretschmar hat sich vor Ort selbst schon ein Bild machen können. "Solch eine unbeschreibliche Armut habe ich noch nicht gesehen", versucht sie ihre Eindrücke wiederzugeben. "Aber es ist eigentlich nicht zu beschreiben."

Den Verein im Görlitzer Stadtteil Weinhübel, in dem evangelische und katholische Christen aber auch Konfessionslose mitarbeiten, gibt es seit zehn Jahren. Jedes Jahr im Sommer ermöglicht er 23 Kindern aus Tschernobyl und Umgebung einen vierwöchigen Aufenthalt in Görliz. Untergebracht sind die Mädchen und Jungen in Familien.

Tagsüber, wenn die Gasteltern arbeiten müssen, gibt es ein Betreuungsprogramm. Ein Besuch des Tierparks in Görlitz oder ein Ausflug nach Oybin gehören immer dazu. 15 000 Euro kostet der Aufenthalt eines Kindes insgesamt. Geld, das der knapp 30 Mitglieder zählende Verein erst einmal aufbringen muss. "Staatliche Unterstützung gibt es schon seit zwei Jahren nicht mehr", sagt Michaela Kretschmar, deren Engagement ehrenamtlich ist. Für die Betreuung der Kinder tagsüber hatte der Verein immer ein ABM-Stelle, die aber jetzt auch in der Luft hängt. Immer mehr ist der Verein auf Spenden angewiesen.

"Aber wir geben nicht auf", versichert Frau Kretschmar kämpferisch. Ziel sei es, auch die Patenschaft für ein Kinderheim in Weißrussland zu übernehmen. Und letztlich sei der Aufenthalt der Kinder in Deutschlands auch für die Mädchen und Jungen hierzulande bereichernd, denn sie lernen eine andere Kultur, andere Sprachen kennen und Vorurteile abzubauen. Dass sich die Arbeit für Michaela Kretschmar und ihre Mitstreiter im Verein lohnt, zeigen ihr die dankbaren Kinderaugen.

Kontakt:
Aktionskreis Kinder von Tschernobyl e.V.
c/o Michaela Kretschmar
Am Wasserwerk 2
02827 Görlitz,
Tel.: (03581) 855 824
E-Mail: tschernobylkindergoerlitz@gmx.de

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 34 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 20.08.2004

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