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Aus der Region

Klosterlandschaft Mitteldeutschlands

Franziskaner auf dem Hülfensberg

Die vier Franziskaner vom Hülfensberg: Bruder Jordan Tentrup, Bruder Rolf Fleiter, Bruder Cosmas Laumanns und Bruder Heribert Arens. (von links nach rechts)

Hülfensberg (mh) -Seine frühere Bedeutung wird er wohl nie wieder erlangen. Immerhin galt der Hülfensberg im Eichsfeld Ende des 19. Jahrhunderts als einer der zwölf wichtigsten Wallfahrtsorte Deutschlands. Dem hatte das DDR-Regime mit der Einrichtung der Sperrzonen an der Westgrenze einen Riegel vorgeschoben. Der Hülfensberg lag im 500-Meter-Sperrstreifen und war damit für Ost- wie Westdeutsche nahezu unerreichbar.

Seit dem Mauerfall 1989 sind fast 15 Jahre vergangen. Und der Hülfensberg hat sich wieder zu einem geistlichen Zentrum in Mitteldeutschland entwickelt. Auch wenn zu DDR-Zeiten -beispielsweise mit der Männerwallfahrt ins Klüschen Hagis -andere Wallfahrtstraditionen entstanden sind, die großen Hülfensberg- Wallfahrten (Hauptwallfahrt am Dreifaltigkeitssonntag, die Bitt-, Johannes- und die Michaelswallfahrt) gibt es wieder.

Zu danken ist das vor allem den Franziskanern, die auch zu DDR-Zeiten ihr Kloster auf dem Berg nicht aufgegeben haben. Heute leben hier vier Brüder, die sich um die Wallfahrten und Seelsorge in den Gemeinden Bebendorf / Döringsdorf sowie um die Betreuung vieler Einzelpilger und Besucher kümmern.

Nicht zuletzt ist der Hülfensberg zu einem Ort geworden, "der ausstrahlt, weil er einlädt", wie Bruder Heribert Arens es sagt. Er meint damit das Angebot "Kloster zum Mitleben". Wer immer das Bedürfnis verspürt, kann sich bei den Franziskaner bewerben, einige Tage mit ihnen zusammen zu leben. Im vergangenen Jahr waren es immerhin 250 Frauen und Männer, die im Durchschnitt für fünf Tage ins Kloster kamen.

"Kloster zum Mitleben" heißt nicht nur Unterkunft und Verpflegung, erklärt Bruder Heribert. Wer möchte, kann mit den Franziskanern beten und arbeiten, sprechen und auch einen Teil der Freizeit verbringen. Und so wird manchmal ein ganz einfaches Mittagessen zu einem intensiven Erlebnis: Hier ergeben sich in ungezwungener Atmosphäre oft wichtige Gespräche zwischen den Franziskanern und ihren Gästen.

Bei diesen Gesprächen geht es um sehr persönliche Dinge. Bruder Heribert: "Zu uns kommen Menschen, die eine Lebensentscheidung klären oder ein Lebensschicksal verarbeiten wollen. Manche suchen die Ruhe und Stille des Klosters, um aufzutanken und zu sich selbst zu kommen. Und wieder andere haben so viele Fragen, von denen sie nicht wissen, mit wem sie sie besprechen sollen." So verschieden die Anliegen, so verschieden die Menschen: Die Altersspanne reicht von Jugendlichen ab 16 Jahren bis zu Senioren. Die meisten sind im Studentenalter oder in der Lebensmitte. Nur etwa jeder Zweite ist ein Katholik. Die anderen sind evangelisch oder ungetauft. Von Letzteren bewegt viele die Sinnfrage. "Hier können sie Kirche zum Anfassen erleben und Menschen, die sie fragen können: Wie glaubst du?", sagt Bruder Cosmas Laumanns.

Wie vielen Menschen die vier Franziskaner vom Hülfensberg beim nächsten Schritt auf ihrem Lebensweg geholfen haben, wollen sie nicht sagen. Weil es oft um ganz persönliche Dinge geht, gehört zum "Kloster zum Mitleben" eine gewisse Verschwiegenheit. Es gibt kein Gästebuch, und Bruder Heribert erzählt auch nur vorsichtig von dem ein oder anderen Dankesbrief. Überzeugt ist er allerdings, dass solche Orte wie das Hülfensberg-" Kloster zum Mitleben" für die Zukunft der Kirche eine große Bedeutung haben.

Wer den Hülfensberg und das Franziskanerkloster einmal kennen lernen möchte, hat am 1. August bei einem Bonifatius-Open- Air oder am 3. Oktober bei einer Wallfahrt der Einheit Gelegenheit. Wer sich für das "Kloster zum Mitleben" interessiert, bewirbt sich dafür am besten telefonisch oder per E-Mail. Bruder Heribert: "Spielregel ist es, dass uns jeder Bewerber schreibt, wer er ist und was er sucht."

Das Bonifatius-Open-Air am 1. August beginnt um 14 Uhr. Um 14.45 steht das Theaterspiel "Bonifatius geht" auf dem Programm. Von 16.30 bis 17 Uhr gibt es ein Konzert mit "Die Crazy Boys" und um 17.30 Uhr wird unter dem Titel "Was war wann wo wirklich?" ein Sketch aufgeführt.

Kontakt zum Kloster unter: Telefon 03 60 82 / 4 55 00. Informationen über den Hülfensberg im Internet: www.huelfensberg.de

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 30 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 22.07.2004

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