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Bistum Dresden-Meißen

Die Liebe ist es, die seine Kunst bewegt

Vor seinem 90. Geburtstag bekam Medardus Höbelt den Kulturpreis der Stadt Altenburg

Kunst als Auftrag Gottes: Beim Gemeindefest der Schmöllner Mariengemeinde erläuterte Medardus Höbelt vergangenen Sonntag seine Sicht der Kunst anhand der Glasfenster, die er für die katholische Kirche schuf.

Schmölln / Altenburg (dw) -Wenn die farbigen Kirchenfenster die Lichtstrahlen der Sonne hindurch lassen, werden sie vollkommener. Ebenso kann die Arbeit eines Künstlers nur dann zu ihrer Blüte gelangen, wenn er das Licht göttlicher Inspirationen in sich eindringen lässt. Die Erklärungen des Altenburger Künstlers Medardus Höbelt zu seinen Altarfenstern in der Schmöllner Pfarrkirche waren eine geistliche Betrachtung.

Die Schmöllner Katholiken hatten den vielseitigen Künstler am vergangenen Sonntag zu ihrem Gemeindefest eingeladen, weil sie ihm anlässlich seines 90. Geburtstags am 2. Juli danken wollten. Nicht nur die Altarfenster hat er in der Schmöllner Pfarrkirche gestaltet, auch einige Leuchter und ein Fenster über der Empore, das Maria als "Rosa Mystica" darstellt, sind sein Werk.

Georg Wanzek, Pfarrer der Gemeinden Altenburg und Schmölln, schätzt Medardus Höbelt nicht allein wegen der Kunstwerke, mit denen er viele Gotteshäuser in ganz Sachsen und Thüringen bereichert hat, oder wegen seines treuen Dienstes als Organist in Altenburg. Wie viele andere Gemeindemitglieder sieht er ihn nicht zuletzt wegen seiner tiefen Frömmigkeit als Vorbild. Täglich spielt der seit 1995 verwitwete Medardus in den Gottesdiensten die Orgel, und fast täglich geht er den beschwerlichen Weg zur Kirche noch ein zweites Mal, um vor dem Tabernakel zu verweilen oder den Kreuzweg zu beten. In dem 90-jährigen, immer noch vital wirkenden Künstler sieht Pfarrer Wanzek den Auftrag verwirklicht, den seiner Ansicht nach jeder christliche Künstler hat: "In allen Menschen durch die Darstellung des Wahren, des Guten und des Schönen die Sehnsucht nach dem himmlischen Reich zu wecken, das uns erwartet."

Medardus Höbelts Lebensmotto, auf das er bereits als Jugendlicher bei seinem Lieblingsdichter Dante Alighieri stieß, scheint förmlich aus seinen Augen zu leuchten: "Die Liebe ist es, die das All bewegt." Nachdem er zuvor mit Pastellkreiden seinen Lieblingskomponisten Anton Bruckner am Flügel malte, hat er sich jetzt erstmals in seinem Leben daran gewagt, dieses Lebensmotto, auf das er sich auch in Hungerjahren und anderen schwierigen Zeiten gestützt hat, künstlerisch umzusetzen.

Vor einigen Wochen ist das Lebenswerk des in Böhmen geborenen Künstlers auch in seinem langjährigen Wohnort Altenburg gewürdigt worden. Am 27. Mai bekam er den Kulturpreis der Stadt verliehen. Eine internationale Ehrung erhielt er bereits vor neun Jahren. Die Akademie der Schönen Künste im italienischen Boretto zeichnete ihn mit der Ehrendoktorwürde und der Mitgliedschaft auf Lebenszeit aus.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 28 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 08.07.2004

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