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Bistum Magdeburg

Ökumenisch missionarisch sein

Ökumene-Tag im Kloster Helfta

Helfta (ep) -Pfarrerinnen und Pfarrer, Priester, Diakone und alle anderen Mitarbeiter im Verkündigungsdienst der katholischen und evangelischen Gemeinden Sachsen-Anhalts waren am 30. Juni erstmals zu einem Ökumenetag eingeladen. Unter dem Thema "Heute von Gott reden?" sollte über "Chancen einer missionarischen Ökumene" nachgedacht werden. Die Chancen, die ein gemeinsames missionarisches Wirken katholischer und evangelischer Gemeinden bieten könnte, waren während des Tages dann sicher zu wenig im Blick. Nachgedacht wurde aber sehr wohl über Möglichkeiten, als Seelsorger, egal ob katholisch oder evangelisch, missionarisch aktiv zu sein. Immerhin waren 75 Hauptamtliche ins Kloster Helfta gekommen.

Impulse für die Diskussion gaben Schwester Ruth Meili von der evangelischen Communität Casteller Ring, Erfurt, und Schwester Susanne Schneider von den Missionarinnen Christi in Leipzig, wobei deutlich wurde, dass beide Frauen aus einer spirituellen Gemeinschaft he-raus und ohne die teils schwerfälligen Strukturen gewachsener Gemeinden wirken und deshalb sehr flexibel agieren können. Beide Frauen berichteten vom Kontakt mit Menschen, die nach Gott fragen und sogar die Taufe erbitten. Für Schwester Susanne Schneider steht fest: "Es gilt zunächst einmal, im eigenen Kopf und Herzen klar zu haben: Bin ich als Seelsorger und aktives Gemeindemitglied nur für die zuständig, die regelmäßig am Gottesdienst teilnehmen, oder genauso auch für die, die nicht kommen?" Schwester Ruth, deren Gemeinschaft sich an der Ordensregel Benedikts orientiert, plädierte für einen bewussten Umgang mit Glaubenssymbolen wie Licht, Salböl, dem Wasser der Taufe. Sie erzählte zum Beispiel von einer nicht christlichen Frau, die für ihr Kind die Taufe erbat, nachdem sie die Taufe eines anderen Kindes miterlebt hatte.

"Wir müssen mehr Mut haben, von der Kraft etwa der Taufe zu sprechen", so die Ordenfrau. Und: "Wir müssen uns vom ,Noch' verabschieden und zum ,Noch Nicht' der Offensive des Evangeliums finden." Damit dies gelinge, müsse etwa erfahrbar sein: "Christen gehen mitei-nander anders um: Sie gehen sich auch mal an die Gurgel, aber sie vergeben sich wieder."

Während Schwester Ruth aus dem Hintergrund des Augustinerklosters wirkt, ist Schwester Susanne gemeinsam mit dem Jesuiten Bernd Knüfer in einer Kontaktstelle in der Leipziger Innenstadt und an der dortigen Volkshochschule aktiv. "Das Gespräch mit Menschen, die keine Ahnung vom Glauben haben, verändert mich stark: Ich merke, dass ich ständig an meiner binnenkirchlichen Sprache arbeiten muss, damit mich die Leute verstehen", so die Seelsorgerin. Und: "Wir sollten in unserer Verkündigung nicht so tun, als wüssten wir alles über Gott. Die Menschen wollen Gott im Alltag finden und nicht von uns belehrt werden."

In drei Arbeitsgruppen überlegten die Teilnehmer, welche missionarischen Chancen sich in den Bereichen der Sonderseelsorge, Schule und Bildung und Caritas und Diakonie bieten. Zum Abschluss diskutierten Diözesanadminstrator Gerhard Feige, Kirchenpräsident Helge Klassohn und Pröpstin Almuth Noetzel in Vertretung von Bischof Axel Noack.

Für Hans-Joachim Marchio, der katholischerseits die ökumenische Begegnung mitinitiiert hatte, war der Tag ein Gewinn. "80 Prozent unseres seelsorglichen Wirkens können wir im Sinne einer missionarischen Ökumene gemeinsam machen", so der Akademiedirektor und Seelsorger. Im nächsten Jahr soll der zweite Ökumene-Tag im Kloster Drübeck stattfinden.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 28 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 07.07.2004

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