Jetzt 4 Wochen kostenfrei Tag des Herrn lesen!
Auf zwei Minuten

Das würdige Geschenk

Ein Beitrag von Pater Damian Meyer

Pater Damian

Zu verschiedenen Anlässen ein passendes Geschenk für jemanden zu finden, ist nicht immer leicht. Was ich einem anderen schenke, soll ihm ja auch Freude machen. Aber vielleicht hat er den Gegenstand schon, den ich ausgesucht habe. Oder ich habe in dem ausgesuchten Geschenk nicht seinen Geschmack gefunden, so dass er sich nicht recht darüber freuen kann. Und wie viel Geld soll und will ich für das Geschenk ausgeben? Hängt der eigentliche Wert des Geschenks am Geldwert? Will ich einem anderen durch ein Geschenk helfen oder nicht vielmehr meine Wertschätzung seiner Person ausdrücken? Da kann man unterscheiden zwischen ,,nützlichen Geschenken" , die einer für seine Arbeit gut brauchen oder als Freizeitbeschäftigung verwenden kann, und ,,symbolischen Geschenken" wie einem Blumenstrauß oder einer einzelnen Rose.

Was immer ich auch einem anderen schenke, es muss doch irgendwie den Beschenkten selbst meinen: ,,Ich schätze dich. Ich freue mich, dass es dich gibt, ich bejahe und liebe dich." So sind Geschenke immer ,,persönlich" gemeint. Wenn das Geschenk - und sei es auch sehr teuer - nicht die Wertschätzung des anderen zum Ziele hat, vielleicht nur aus kluger Berechnung gegeben wird, ist es eine Lüge.

Der brasilianische Schriftsteller Paul Coelho berichtet von einem Geschäftsmann, der ein würdiges Geschenk für seine Frau gefunden hat, ein Geschenk, das auf treffende Weise seine Wertschätzung ausdrückt: ,,Ein Geschäftsmann, der zu einer langen Reise aufbrach, verabschiedete sich von seiner Frau. ,Du hast mir nie ein Geschenk mitgebracht, das meiner würdig gewesen wäre', sagte sie. ,Du bist undankbar', antwortete der Mann. ,Alles, was ich dir gegeben habe, hat mich Jahre der Arbeit gekostet. Was sonst könnte ich dir geben?' ,Etwas, das so schön ist wie ich.' Zwei Jahre wartete die Frau auf ihr Geschenk. Schließlich kehrte ihr Mann zurück. ,Ich habe etwas gefunden, das so schön ist wie du', sagte er. ,Erst habe ich über deine Undankbarkeit geweint, aber dann habe ich beschlossen, deiner Bitte nachzukommen. Ich habe die ganze Zeit gedacht, es könnte kein Geschenk geben, das so schön ist wie du, doch dann fand ich eines.' Und er überreichte ihr einen Spiegel.

Pater Damian Meyer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 27 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 01.07.2004

Aktuelle Buchtipps