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Bistum Görlitz

Seine Talente nicht vergraben

Katholik Raphael Schmidt will als neues Mitglied im Görlitzer Stadtrat christliche Werte einbringen

Oft und gerne unterwegs: Raphael Schmidt hat viele Talente und setzt diese nun auch in der Politik ein.

Görlitz (as) -Manchmal ist Raphael Schmidt einfach nicht zu bremsen. Der 43-jährige Görlitzer Katholik ist Hans Dampf in allen Gassen und scheint überall mitzumischen: Ob in seiner Heimatgemeinde St. Hedwig oder beim Malteser Hilfsdienst. Das Ehrenamt als Schöffe hat er ausgeübt, war nebenberuflicher Reiseleiter und Tanzlehrer und saß im Aufsichtsrat der Görlitzer Stadtreinigung.

Und die große und kleine Politik verfolgt er aufmerksam: Hier hat Schmidt jetzt ein neues Betätigungsfeld, denn für die Deutsche Soziale Union (DSU) sitzt der Parteilose seit der letzten Kommunalwahl am 13. Juni im Stadtrat. Eine Herausforderung vor allem deswegen, weil Görlitz wie viele ostdeutsche Kommunen ums finanzielle Überleben kämpft.

Dabei ist die Politik für den gelernten Elektroinstallateur kein Neuland. Schon einmal saß er im Stadtrat -für die CDU. Aber bestimmte Sachen sind mit Schmidt einfach nicht zu machen. Schlüsselerlebnis war für ihn der Umgang seiner Partei mit dem früheren Oberbürgermeister von Görlitz Matthias Lechner, der an der Parteiräson scheiterte. "Es kann nicht sein, dass heute fast jedes Mittel recht zu sein scheint, um zum Ziel zu gelangen", begründet Schmidt seine Ablehnung gegen manches Gebaren in der Politik.

"Natürlich muss man auch Kompromisse schließen können, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt, nämlich dann, wenn einem das Gewissen etwas anderes sagt." Selbst gute Absichten, könne man nicht auf einer Lüge aufbauen, ist Schmidt überzeugt. Und das gelte für jeden Menschen. "Ich würde auch nicht zugucken, wenn ein PDS-Abgeordneter rausgemobbt wird." Ehrlich zu bleiben und die Wahrheit zu sagen, darauf kommt es ihm an.

Die Politik ist aber nur ein Teil von Schmidts Engagement. Vor allem einmischen will er sich, wenn irgendetwas irgendwo schiefläuft. Als Mitglied des Kirchenvorstandes seiner Gemeinde genauso wie als fleißiger Öffentlichkeitsarbeiter bei gesellschaftlichen und kirchlichen Veranstaltungen. Und als gebürtiger Görlitzer weiß er, wo der Schuh drückt. Dass seine Heimatstadt Kulturhauptstadt 2010 werden will, sieht er eher skeptisch. "Die Kommune hat kein Geld und beileibe andere Probleme." Schmidt hat selbst verschiedene Projekte angestoßen, die noch in Vorbereitung sind. Zum Beispiel die Aktion "Dekalog", eine geplante Aufstellung von zehn Tafeln, die die zehn Gebote darstellen, zwischen der Heilig-Kreuz-Kirche und der angrenzenden Synagoge -ein Zeichen der Versöhnung zwischen Christen und Juden soll es werden, um Wertediskussion in der heutigen Zeit anzustoßen und das Vergessen zu verhindern.

Die härteste Kritikerin seiner Aktionen und Ideen ist seine Frau Sabine, die ihn manchmal bremsen und wieder auf die richtige Fährte führen muss. Das ist für Raphael Schmidt jedoch absolut notwendig. Zeit für die Familie zu haben wie gemeinsame Wochenenden oder Urlaub ist für ihn das Wichtigste. In der Partnerschaft ist der eine "Rotor", der andere "Stator", sagt er. Fehlt eins, würde die Maschine nicht funktionieren und "auseinander fliegen".

Seine Kindern Lukas und Maria will er das mitgeben, was er selbst auch als Weg weisend für sein Leben erfahren hat: Den Glauben, der ihm Halt, Zuversicht, Hoffnung und die Kraft gibt, aktiv zu sein. "Irgendwann werden wir gefragt werden, ob wir unsere Talente eingesetzt oder vergraben haben."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 27 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 01.07.2004

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