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Bistum Erfurt

Das Evangelium auf den Leuchter Stellen

...in unseren Gotteshäusern

Bischof Joachim Wanke (Erfurt) hat aufgerufen, bewusst Wege zu suchen, wie die Frohe Botschaft Nichtchristen erreichen kann. Eine Möglichkeit besteht darin, ungetaufte Menschen, die in die Gottesdienste kommen, freundlich und einladend zu empfangen und zu begleiten. Dazu der folgende Beitrag:
"Das war eine schöne Feier in Ihrer Kirche, bei dieser Hochzeit, ..." Immer wieder höre ich diesen Satz von Menschen, die zum ersten Mal an einem Gottesdienst in der katholischen Kirche teilnahmen. Sie empfinden unsere Art, bestimmte Schnittpunkte des Lebens zu begehen, als festlich und zugleich geheimnisvoll, zumindest als angemessen. Gäste in unseren Gottesdiensten werden berührt durch die Zeichen und Symbole, die wir verwenden, auch durch Worte. Sie genießen die Stille im Raum der Kirche und des Gottesdienstes. Manchmal sind sie natürlich auch unsicher im Verhalten, in unseren Augen benehmen sie sich auch "daneben", wie wir sagen. Gäs-te in unseren Gottesdiensten - es gilt, sie nicht zu übersehen. Sie sind da - besonders bei festlichen Anlässen, etwa in der Weihnachts- oder Osternacht und bei den Feiern, die an den Lebenswenden des Menschen stehen. Manche kommen zufällig oder neugierig; andere sind schon mehr interessiert oder gar vorbereitet. Sie wählen bestimmte Tage aus, an denen sie teilnehmen möchten. Es gibt viele Nichtchristen, die kommen ohne eine Christmette an Weihnachten gar nicht mehr aus.
Entscheidend scheint mir, dass sie bei bestimmten Anlässen begrüßt und wahrgenommen werden. Sie sollen sich weder vereinnahmt noch ausgeschlossen fühlen, aber sie müssen erfahren, dass man ihre Anwesenheit nicht als Belastung empfindet. Hier liegt eine wichtige Aufgabe dessen, der dem Gottesdienst vorsteht: Es geht nicht darum, während des Gottesdienstes alles zu erklären; das würde den Gottesdienst zerstören. Aber es geht darum, an bestimmten Stellen Worte zu finden, die auch Nichtchristen - zum Beispiel die Gäste eines Brautpaares - verstehen und sie nachdenklich machen. Es gibt auch eine Aufmerksamkeit, die von Seiten der Gemeinde eingeübt werden kann. Der Fremde, der mir suchend an der Kirchtür auffällt oder der neben mir in der Bank sitzt und mit den Nummern auf der Liedertafel nichts anzufangen weiß, will angesprochen werden. Er braucht manchmal nur eine kleine Geste. Selbstverständlich gibt es gerade bei der Feier der Liturgie auch gezielte unsichere Fragen von Gästen: "Darf ich auch vorgehen?" So kann die Frage lauten, wenn viele plötzlich aufstehen und zur heiligen Kommunion gehen. Wir sollten dem Gast eine gute Antwort geben: "Wenn Sie es möchten, dann können Sie vom Priester den Segen empfangen - das bedeutet: Gott beschützt Sie. Ich werde mit Ihnen nach vorn gehen und für Sie darum bitten." In meiner Gemeinde ist es inzwischen Normalität , dass auch Erwachsene - Gäste, Katechumenen, Aussiedler aus Kasachstan - den Segen erbitten.

Was können Menschen, die nie Religionsunterricht gehabt haben oder die zum ersten Mal in einen Gottesdienst kommen, dort erfahren? Was kann ihnen geschenkt werden? Jede gottesdienstliche Versammlung ist ein Ort der Gegenwart Gottes. Ob da nicht bei einem Menschen, der sich nicht grundsätzlich verschließt, eine Tür geöffnet werden kann zu diesem Geheimnis Gottes? "Das war eine schöne Feier" - in diesem Satz sammelt sich diese Erfahrung bei vielen Menschen. Wenn etwas schön (nicht abstoßend!) ist, dann spiegelt es Gottes Größe wieder. Es lohnt sich, die Liturgie - besonders die Feiern an den Lebenswenden - liebevoll vorzubereiten. Wenn wir selber - der Priester, die Gemeinde - durchlässig sind für das Geheimnis Gottes, ein wenig davon ausstrahlen, dann wird das auch Wirkung zeigen bei Menschen, die in unserer Mitte zu Gast sind.

Wolfgang Ipolt

Pfarrer Wolfgang Ipolt, Domstr. 5, 99734 Nordhausen, Tel. (0 36 31) 90 23 43.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 12 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 23.03.2001

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