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Bistum Dresden-Meißen

Gemeinden im Aufbruch

Zum Beispiel St. Paulus in Dresden

'Alle sollen eins sein': Die einladendeBotschaft der Dresdner St.-Paulus-Gemeinde war auch auf den Luftballons zu lesen, die die Kindergartenkinder bei der Einweihung einer neuen Namenstafel in die Luft steigen ließen.

Dresden (dw) -"Welche Schritte hat der Heilige Geist unsere Gemeinde bereits geführt?" Diese Frage stellte sich der Pfarrgemeinderat der Dresdner St.-Paulus- Pfarrei aus Anlass der Initiative "Gemeinden im Aufbruch", zu der Bischof Joachim Reinelt kürzlich bei der Bistumswallfahrt in Wechselburg aufgerufen hatte.

Dabei ging den Pfarrgemeinderatsmitgliedern auf, dass die Öffnung gegenüber Nichtchristen -eines der drei Schwerpunktthemen der Bistumsinitiative -den Katholiken im Stadtteil Plauen schon lange ein Anliegen war. "Viele Erfahrungen, die unsere Gemeinde in letzter Zeit machen durfte, haben uns geholfen, uns mehr zu öffnen", freut sich Pfarrer Gerhard Röhl.

Er erinnert an die Partnergemeinde im tschechischen Usti, mit der die Dresdner seit der Hochwasserkatastrophe vor zwei Jahren eine enge Beziehung über Landes- und Sprachgrenzen hinweg verbindet. Eine auf Pfarrgelände eröffnete Gedenkstätte für die sechs polnischen Märtyrer, die Papst Johannes Paul II. 1999 selig gesprochen hat, habe der Gemeinde "polnische Seele" und immer wieder Besuch von Gruppen aus Italien, Sibirien und anderen Ländern geschenkt. Auch die eigene Internet- Homepage verschafft der St.-Paulus-Pfarrei Kontakte in die ganze Welt. Über ihren Kindergarten, der wie auch andere christliche Kindergärten von katholischen, evangelischen und nicht getauften Kindern besucht wird, komme die Gemeinde mit vielen Menschen in der Stadt in Berührung. Nachdem die St.- Paulus-Gemeinde auf wiederholte Anfragen nach einem regelmäßigen Messangebot in englischer Sprache reagiert habe, hörte sie von mehreren Gottesdienstbesuchern: "Endlich sind wir hier in Dresden zu Hause!"

Beim Patronatsfest am vergangenen Wochenende wagte die Gemeinde einen weiteren Schritt Dresden (as) -Wenn jemand Hilfe braucht, sind sie zur Stelle. Kirchliche Großveranstaltungen sind ohne sie nicht denkbar. Und kaum ein kirchlicher Verband ist so in der Öffentlichkeit präsent wie der Malteser-Hilfsdienst und die Johanniter-Unfallhilfe. Beide Organisationen haben denselben Patron: Den heiligen Johannes den Täufer, dessen Fest sie am 24. Juni mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Dresdner Hofkirche begingen. Bischof Joachim Reinelt und der evangelische Oberlandeskirchenrat Christoph Münchow leiteten die Feier in der Kathedrale. Was die beiden Organisationen schließlich noch verbindet, ist nicht nur ihre lange gemeinsame Geschichte, sondern auch ihr Anliegen, im Zeichen des Kreuzes Not Leidenden Hilfe zu leisten, betonte Bischof Reinelt in seiner Begrüßung. Das unterscheide sie auch von anderen Hilfsorganisationen. "Sie sind eben nicht nur Sozialverband. Ihr Handeln gründet sich auf ein gemeinsames Fundament, den Glauben an Gott", sagte Reinelt. Heute reiche es nicht mehr, niemandem Schaden zuzufügen, sondern die Not der anderen zu sehen und tätige Hilfe zu leisten, betonte Oberlandeskirchenrat Münchow in seiner Predigt. Bei der drohenden Kommerzialisierung der Sozialarbeit muss es nach den Worten des evangelischen Geistlichen aber eine klare Ausrichtung geben. Christlich motivierte Sozialarbeit sei auf Dauer nur möglich, wenn dabei auch die Liebe zu Christus wachse und ins Zentrum des Handelns rücke. Diese an die Öffentlichkeit und lud die ganze Nachbarschaft mit zu den Feierlichkeiten ein. Eine ganze Reihe Nachbarn waren der Einladung bereits zum Auftakt des Festes gefolgt, als der katholische Kindergarten auf den Namen "Pater Bänsch" getauft wurde. Der Oblatenpater Franz Bänsch, der in der Zeit des Nationalsozialismus hunderte zum Tode Verurteilter bis zur Hinrichtung geistlich betreute, hatte die Einrichtung vor 50 Jahren gegründet. Viele Nachbarn hätten sich sehr über die Einladung gefreut, erzählte Kindergartenleiterin Brunhilde Obst. Einer hätte die Hoffnung geäußert, bei dieser Gelegenheit vielleicht auch etwas mehr über das Christentum zu erfahren.

Konkreter Ausdruck des Anliegens, sich stärker zu öffnen, ist auch der neu gestaltete Grundstückseingang, der am 26. Juni eingeweiht wurde. "Alle sollen eins sein" steht auf einer künstlerischen Komposition aus Kreuz und Weltkugel, mit dem die Gemeinde einladender auf Zeitgenossen wirken will als mit dem bisherigen Holzkreuz und der Inschrift "Rette deine Seele", das jetzt einen neuen Platz im Pfarrgarten gefunden hat. Eine Tafel mit dem nebenstehend abgedruckten betrachtenden Text soll als Ergänzung später angebracht werden.

Georg Holfeld freut sich, dass Passanten und Besucher jetzt einen ansprechenderen ersten Eindruck von der Kirche gewinnen -eine Meinung, die allerdings nicht von allen in der Gemeinde geteilt wird. Ein Gemeindemitglied äußerte zum Beispiel Zweifel, ob sich der große Aufwand der Neugestaltung wirklich lohnt.

Die Suche nach dem weiteren eigenen Weg ist für jede Gemeinde ein ständiges Ringen, glaubt Pfarrer Röhl. Es mache jedoch froh zu entdecken, dass der Heilige Geist bereits in den Gemeinden wirkt. Die Dresdner St.-Paulus-Gemeinde will weiter der Frage auf der Spur bleiben: "Wie können wir Suchende erreichen?" Gleichzeitig ist vor kurzem von neuem bewusst geworden: "Wenn wir nur nach außen gehen, stimmt etwas nicht." Vom Herbst an soll es deshalb monatliche Anbetungsstunden geben.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 27 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 01.07.2004

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