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Bistum Görlitz

Schöpfung bewahren

Görlitzer Kinderwallfahrt im Zeichen der Ökologie

Dann los: Die Wittichenauer liefen als erste von elf Laufgruppen mit einem Kreuz voran. Knapp zwölf Kilometer liegen vor ihnen.

Wittichenau / Rosenthal (as) -Sie stöhnt, sie ächzt und sie fiebert: Die alte Mutter Erde ist krank und braucht dringend Hilfe. Der Mensch hat sie kaputt gemacht und muss sich jetzt darum kümmern, dass sie sich wieder erholen kann. Schon nach dem Eröffnungsabend merkten die rund 400 Kinder aus allen Gemeinden, dass es nicht so weitergehen kann wie bisher.

Unter dem Motto "Eine Hand voll Erde" stand die diesjährige Kinderwallfahrt von Wittichenau nach Rosenthal am 18. und 19. Juni ganz im Zeichen der ökologischen Verantwortung. Auch nachfolgenden Generationen soll Gottes Schöpfung noch Freude bringen. "Ich kriege kaum noch Luft", klagt die Erde, als sie von Dr. Fridolin untersucht wird. "Besonders am Amazonas, wo schon die meisten Bäume gefällt sind." Und auch in Kanada hat der Mensch zum Teil 1000 Jahre alte Bäume gefällt, "nur um in Deutschland Telefonbücher produzieren zu können", weiß die Erde. Kann man ihr eigentlich noch helfen? "Ihr müsst gut zu mir sein, wenn sich jeder ändert, sterbe ich nicht". Doktor Fridolin schlägt das große Medizinbuch für die Erde auf. Und die Mädchen und Jungen in Wittichenau lernen: Schon kleine Schritte können helfen, damit sich die Umwelt wieder verbessert und lebenswerter wird: Äpfel statt Pommes essen, lautet die Medizin, oder mit dem Fahrrad statt mit dem Auto fahren. Stoffbeutel statt Plastiktüten, Mehrweg- statt Einwegflaschen oder den Müll sauber trennen sind nur einige wirksame Maßnahmen, die helfen können, die Erde zu retten. "Fragt in den Gemeinden nach, was man dort tun kann", schlägt die Görlitzer Gemeindereferentin Gabriele Kretschmer vor.

Nach Morgengebet und Segen machten sich die Kinder am Samstag in elf Laufgruppen auf den rund zwölf Kilometer langen Weg nach Rosenthal. Und auch hier stand Gottes Schöpfung im Mittelpunkt. "Was kann ich selber tun?" Für die Kinder war die Marschrichtung klar: "Die Bäume stehen lassen, damit sie Sauerstoff geben können", meint Edith Brink (11) aus Spremberg. Und Stephanie Weinert (9) auch aus Spremberg, ergänzt: "Das Geld, was man für Kriege ausgibt, kann man für andere nützliche Dinge einsetzen". Auf dem Weg nach Rosenthal sammelten die Kinder den Müll, den sie unterwegs achtlos weggeworfen in Wäldern und Wiesen fanden.

Und doch gab es vor allem Hoffnungszeichen bei der Wallfahrt: Im Gottesdienst in der Rosenthaler Kirche pflanzten die Kinder Senfkörner in die mitgebrachten Töpfe voller Erde, damit sie wachsen und neues Leben hervorbringen. "Oft müssen wir Erwachsene uns an die Brust schlagen und uns fragen, ob wir behutsam und verantwortungsvoll mit der Erde umgehen", sagte Bischof Rudolf Müller in seiner Predigt. Er rief die Kinder dazu auf, alles für die Erhaltung der Schöpfung zu tun. "Die Erde ist voller Leben", betonte Bischof Müller "Die Aufgabe des Menschen ist es, sie zu schützen und zu bewahren".

Nach einem Picknick, einem Theaterspiel, das wegen des Regens im Zelt stattfinden musste, und der Abschlussandacht ging es traditionell mit der Pferdekutsche zurück nach Wittichenau und von dort in die Heimatgemeinden.

Kreativ-Wettbewerb: Wer hat eine Idee, wie man in der eigenen Pfarrgemeinde ein Stückchen Erde wieder heilen kann? Die aufgeschriebenen oder gemalten Ideen können bis zum 15. August an die Jugendseelsorge, Stichwort: "Unsere Erde soll heilen", Straße der Jugend 63, 03050 Cottbus, geschickt werden. Die beste Idee erhält einen Preis. Auch Gruppen können sich beteiligen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 26 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 24.06.2004

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