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Bistum Erfurt

Zusammenarbeit über Fakultätsgrenzen

"Interdisziplinäres‚ Forum Religion der Universität Erfurt" gegründet

Erfurt -Theologen und Religionswissenschaftler der Universität Erfurt haben zusammen mit anderen Geistes- und Kulturwissenschaftlern in der vergangenen Woche das "Interdisziplinäre Forum Religion der Universität Erfurt" (IFR) gegründet. Nach einjähriger Vorarbeit und ersten praktischen Erfahrungen mit der Kooperation in Forschung und Lehre habe man sich zu diesem Schritt entschlossen. Zum einen biete die noch junge Thüringer Universität gerade für die wissenschaftliche Beschäftigung mit Themen der Religion hervorragende Möglichkeiten, so der evangelische Alttestamentler Prof. Christoph Bultmann, der Sprecher des IFR. Zum anderen könne man einem Thema mit hoher gesellschaftlicher Bedeutung innerhalb einer Universität so mehr Gewicht verleihen.

Neben der evangelischen und der katholischen Theologie ist in Erfurt die Religionswissenschaft mit mehreren Lehrstühlen vertreten. Aber auch beispielsweise in der Literatur- und Geschichtswissenschaft oder der Soziologie wird über Fragen der Religionen geforscht. Dass im Forum eine Zusammenarbeit über die Fakultätsgrenzen hinaus angestrebt wird, zeigt sich bereits in der Zusammensetzung des Vorstands. Neben dem Theologen Bultmann sind der Religionswissenschaftler Prof. Jörg Rüpke, die Soziologin Prof. Theresa Wobbe und der Liturgiewissenschaftler Prof. Benedikt Kranemann vertreten.

Verstärkung der gemeinsamen Forschung

Das IFR hat sich insbesondere die Intensivierung der Doktorandenbetreuung zum Ziel gesetzt und versteht sich als fakultätsübergreifendes Promotionszentrum. So unterstützt man die Qualifikation des wissenschaftlichen Nachwuchses durch interdisziplinäre Studientage in Ergänzung zu fachspezifischen Kolloquien. In regelmäßigen Ringvorlesungen werden gemeinsame Themen aus den unterschiedlichen Perspektiven der einzelnen Fächer studiert. Im nächsten Wintersemester steht eine entsprechende Vorlesung unter der Überschrift "Mahnung und Warnung. Die Lehre der Religionen über das rechte Leben". In vergangenen Semestern hat man sich bereits mit dem Verhältnis von Religion und Gewalt oder der Bedeutung von heiligen Schriften befasst.

Vor allem sei aber auch eine Verstärkung der gemeinsamen Forschung geplant, so Bultmann. Verschiedene kleinere und größere Forschungskooperationen zu den Themenstellungen des IFR seien in Planung. Man können bereits auf ausgezeichnete Erfahrungen mit solcher Zusammenarbeit zurückblicken. Das IFR biete nun eine interdisziplinäre Plattform für die religionsund theologiebezogene Forschung an der Universität Erfurt.

Rahmenbedingungen für Austausch sind ideal

Das IFR, so Bultmann, ermögliche eine Forschungskooperation, die in dieser Form in Deutschland nicht selbstverständlich sei. Mit Blick auf die sehr guten Studien- und Forschungsbedingungen der kleinen Erfurter Universität hoffe man, dass das "Forum Religion" auch überregional Studierende, Doktoranden und Wissenschaftler anziehe. Die Rahmenbedingungen dafür, dass dieses Zentrum zum wissenschaftlichen Austausch über Religion große Dynamik entfalte, seien in Erfurt ideal.

Als einen ersten Gastredner konnte das Forum am 9. Juni den Heidelberger evangelischen Theologen Prof. Gerd Theißen, einen Spezialisten für das Neue Testament und die Soziologie der frühen Jesusbewegung, begrüßen. Er stellte eine unveröffentlichte Publikation über das Verhältnis von Religionswissenschaft und Theologie zur Diskussion. Seine These lautete, beide Disziplinen seien aufeinander angewiesen und ergänzten sich notwendig, wenn man sowohl auf die universale Perspektive auf Religionen in der Religionswissenschaft als auch die Suche nach Wahrheit in der Theologie schaue. Universalität und Wahrheit seien unverzichtbare Merkmale von Wissenschaft.

Am 3. Juli wird Prof. Pater Christian Troll SJ, einer der besten Kenner der Beziehungen zwischen Christentum und Islam, zu einem Vortrag beim Erfurter Forum Religion erwartet.

Benedikt Kranemann

Kontakt: Theologische Fakultät Erfurt, Postfach 62, 99002 Erfurt, Telefon (0361)- 590 770

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 26 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 24.06.2004

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