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Bistum Görlitz

"Gottes Liebe grenzenlos"

Görlitz: Rund 700 Gläubige kamen zur deutsch-polnischen Fronleichnamsfeier in den Stadtpark

Gottesdienst unter freiem Himmel: Im Görlitzer Stadtpark wurde für die Fronleichnamsfeier eigens ein Altar aufgebaut.

Görlitz (rs/tdh) -"Gottes Liebe grenzenlos" prangte in großen Buchstaben über dem Altar im Görlitzer Stadtpark, dahinter ein bunter Regenbogen, geschwungen wie eine Brücke. Unter diesem Thema kamen rund 700 Gläubige am 13. Juni zur deutsch-polnischen Fronleichnamsfeier in der Neißestadt zusammen -auch wenn das Wetter an diesem Tag nicht so recht mitspielen wollte. "Trösten wir uns mit Schiller", scherzte Bischof Rudolf Müller zu Beginn der Feierlichkeiten und zitierte: "Soll das Werk den Meister loben, doch der Segen kommt von oben".

"Nicht nachlassen, Gottes Botschaft zu verkündigen"

Einigermaßen geschützt unter einem Meer von Schirmen lauschten die Anwesenden dann den Worten des Bischofs. In seiner Predigt griff er die Geschichte der geteilten Stadt Görlitz auf, die derartige grenzenlose Feiern lange Zeit nicht möglich machte. "Das traurige Ergebnis des Zweiten Weltkriegs hat Görlitz zur Grenzstadt gemacht. Hüben und drüben lebten Menschen des gleichen katholischen Glaubens. Die Frage war: Erweist sich dieser Glaube als tragfähig genug, eine Brücke zueinander zu schlagen?" Und sein Appell an die Gläubigen lautete: "Lasst uns nicht nachlassen in der Verkündigung der Botschaft, dass Gottes Liebe grenzenlos ist."

Auch das Fronleichnamsfest ist dabei ein Schritt in diese Richtung. "Fronleichnam ist ein eucharistisches Fest, es feiert Christus als Lebensbrot. Zum anderen gehört zu Fronleichnam der öffentliche Charakter", so Müller. Das Fest sei "eine Darstellung des Christentums vor der Welt" und das habe etwas mit "katholischem Selbstbewusstsein zu tun". "Gottes Liebe ist grenzenlos", griff der Bischof am Ende seiner Predigt noch einmal das Thema der Feierlichkeiten auf.

Ein besonderes Zeichen der Grenzenlosigkeit setzte Altbischof Bernhard Huhn bereits vor mehreren Jahren: 1972 nahm er an einer Fronleichnamsfeier im polnischen Teil der Stadt teil. "Vor der St.-Bonifatius-Kirche in Zgorzelec gab es damals ein einziges Plakat in deutscher Sprache. Darauf standen nur zwei Worte: ,Mütze ab!', erinnerte sich Bischof Müller an die Zeit zurück. Mit den Jahren besserten sich die Beziehungen.

Ein langer Weg bis zur heutigen Normalität

Doch selbst nach der Wende war eine gemeinsame Fronleichnamsfeier noch nicht einfach möglich, denn der Bundesgrenzschutz konnte Kontrollen nicht wegfallen lassen und die Grenze öffnen. Erst 1992 war es dann geschafft: Die erste gemeinsame und grenzüberschreitende Fronleichnamsfeier fand statt. Inzwischen gehört es in der nunmehr "grenzenlosen" Stadt zur Normalität, dass Feierlichkeiten gegenseitig besucht werden. Und so war auch am Sonntag nach Fronleichnam Prälat Jan Baptist Mycek von St. Bonifatius zusammen mit weiteren polnischen Priestern und Gläubigen zu Gast im Stadtpark.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 25 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 17.06.2004

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