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Bistum Görlitz

Spuren -Schritte -Zeichen...

230 Jugendliche pilgerten nach Neuzelle / Geteilte Meinungen zum neuen Wallfahrts-Modell

Angekommen in Neuzelle: Für Jugendliche aus Spremberg begann die Wallfahrt schon frühmorgens in Guben.

Neuzelle (mim) -Rockige Klänge von E-Gitarre, Schlagzeug, Keyboard und Saxophon drangen am 5. Juni aus der Neuzeller Stiftskirche. Begeistert wippten Jugendliche zu Liedern wie "Wir wollen aufstehen zum Leben" oder "Ich glaube an den Vater, den Schöpfer dieser Welt" mit. Die musikalische Begleitung des Gottesdienstes bei der diesjährigen Jugendwallfahrt traf eindeutig den Nerv der jungen Leute. "Die Band hat gefetzt", hörte man manch einen nach dem Gottesdienst sagen.

Doch nicht allein die Band war der Grund, warum über 230 Jugendliche von Wellmitz nach Neuzelle gepilgert waren. Unter dem Wallfahrtsthema "Spuren -Schritte -Zeichen" gedachten sie dem heiligen Bonifatius, dessen 1250. Todestag in diesem Jahr begangen wird. Bei der Eröffnungsfeier morgens in der evangelischen Kirche in Wellmitz wurden die Anwesenden durch ein Theaterspiel in die Zeit zurückversetzt, als Bonifatius noch ein junger Klosterbruder war. Im Laufe der Geschichte erfuhren sie einiges über das Leben und die Taten jenes Heiligen, der das Christentum nach Deutschland brachte.

"Wie der heilige Bonifatius, so habt auch ihr heute ein Zeichen eures Glaubens in einer gottfernen Welt gesetzt. Die Spuren des Christentums dürfen sich nicht verlieren. Schritte müssen von jungen Christen gewagt werden", appelierte Bischof Rudolf Müller an die Jugendlichen.

Einen neuen Schritt hatten auch die Verantwortlichen der Jugendwallfahrt in diesem Jahr gewagt. Wie bei der letzten BDKJ-Diözesanversammlung beschlossen, fand die Jugendwallfahrt an nur einem Tag -und nicht wie in den Jahren zuvor an zwei Tagen -statt. Auch der Wallfahrtsweg führte die jungen Pilger nicht mehr die etwa 20 Kilometer von Guben nach Neuzelle, sondern lediglich noch sieben Kilometer von Wellmitz zur Stiftskirche. "Durch den Wegfall der Übernachtung von Samstag auf Sonntag wollen wir den Wallfahrtscharakter wieder in den Vordergrund rücken", argumentierte Ingrid Schmidt, Referentin der Jugendseelsorge.

Nicht alle Jugendlichen ließen sich von diesem neuen Wallfahrts- Modell überzeugen. "Die sieben Kilometer Wallfahrtsweg sind einfach zu wenig. Selbst die Kinder laufen bei ihrer Wallfahrt von Wittichenau nach Rosenthal zwölf Kilometer", sagte Julia Malyssek, Jugendsprecherin in der St.-Benno-Gemeinde in Spremberg. Und so ließen es sich einige Jugendliche aus Spremberg und Weißwasser auch nicht nehmen gemeinsam mit ihren Pfarrern morgens früh um 4 Uhr von Guben über Wellmitz nach Neuzelle zu pilgern. Doch es gab auch andere Stimmen: "Ist die Jugendwallfahrt nur samstags, so können mehr Priester an der Wallfahrt teilnehmen, wie man in diesem Jahr deutlich gesehen hat", äußerte sich Thomas Wiedemann positiv zur Änderung. Die Meinungen sind geteilt. In welchem Rahmen die Jugendwallfahrt in Zukunft weiter stattfinden wird, soll bei der nächsten BDKJ-Diözesanversammlung diskutiert werden.

Trotz allem Für und Wider -eines wurde auch bei der eintägigen Wallfahrt für jeden Außenstehenden wieder deutlich: Jugendliche haben Spaß daran, in Gemeinschaft ihren Glauben offen zu leben und als Christen Zeichen zu setzen -ganz im Sinne des heiligen Bonifatius.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 24 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 11.06.2004

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