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Aus der Region

Als Sachsen europäische Geschichte schrieb

Zur Landesausstellung "Glaube und Macht" in Torgau

Schloß Torgau

Auf dem Dresdner Fürstenzug reiten sie einträchtig hintereinander: Friedrich der Weise, Johann der Beständige und Johann Friedrich der Großmütige ebenso wie ihre Gegenspieler Georg der Bärtige und Moritz von Sachsen. Was das monumentale Bild nicht zeigt, kann jetzt in der Zweiten Sächsischen Landesausstellung "Glaube und Macht -Sachsen im Europa der Reformationszeit" nachvollzogen werden. Bis zum 10. Oktober werden im Torgauer Schloss Hartenfels, der dortigen Schlosskirche und im historischen kurfürstlichen Kanzleihaus bedeutende Zeugnisse dieser Zeit einem breiten Publikum vorgestellt. Sachsens Minister für Wissenschaft und Kunst, Matthias Rößler, wies darauf hin, dass die Zeit der Reformation für Sachsen eine sehr bedeutende war. "Damals wurde von hier aus europäische Geschichte geschrieben", betont der Minister im Rahmen einer Pressekonferenz zur Eröffnung der Landesausstellung.

Sachsen war um das Jahr 1500 zwischen Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht in einen ernestinischen und in einen albertinischen Teil gespalten. Wittenberg und Torgau lagen im damaligen ernestinischen Kursachsen. Unter dem Schutz Friedrich des Weisen entwickelte Martin Luther hier seine Ideen zu einer Erneuerung der Kirche. Anfangs wurde er dabei auch vom in Dresden residierenden Herzog Georg dem Bärtigen, einem Albertiner unterstützt. In Leipzig sollte Luther seine Thesen frei verteidigen. Dabei kam es allerdings zum Bruch mit Herzog Georg, der die Konsequenzen fürchtete, die er in den Gedanken Luthers sah. Georg blieb bis zu seinem Tod Katholik und setzte auf eine Reformation ohne Spaltung. Erst sein Bruder Heinrich führte die neue evangelische Konfession auch im albertinischen Sachsen ein.

Turbulenter wurde es in den beiden Sachsen mit Herzog Moritz, dem Sohn Heinrichs. Moritz trat nicht dem Schmalkaldischen Bund -einem Bündnis evangelischer Fürsten -bei und kämpfte mit Kaiser Karl V. bei Mühlberg gegen seinen ernestinischen Vetter Kurfürst Johann Friedrich. Dieser verlor Schlacht und Kurwürde und wurde zusammen mit Landgraf Philipp von Hessen gefangengesetzt. Johann Friedrich gelang es jedoch vertraglich weite Teile seines Landes seinen Nachkommen zu sichern: Daraus entwickelten sich später Sachsen-Coburg-Gotha und Sachsen-Weimar-Eisenach und Sachsen-Altenburg. Die Kurwürde blieb bei den Albertinern bis zur Zeit Napoleons. Moritz selbst hatte allerdings wenig Freude daran: In der unbedeutenden Schlacht bei Sievershausen wurde Moritz nur wenige Jahre später tödlich verwundet. Zuvor wechselte er aber noch die Seiten und stand gegen Kaiser Karl V.

All diese geschichtlichen Verwicklungen werden im ersten Teil der Zweiten Landesausstellung anschaulich dokumentiert, die im Albrechtsbau von Schloss Hartenfels zu sehen ist. Dazu kommen Kunstwerke, Exponate, Dokumente und Informationen rund um die geistliche Tiefe der Reformation und deren Vorgeschichte. In der Torgauer Schlosskapelle schließlich geht es um die Musik und ihre Bedeutung in der Gestaltung der neuen Gottesdienste. Dabei wird besonders an Johannes Walter erinnert, der als Leiter der Torgauer Hofkapelle entscheidend an der Entwicklung neuer Formen für den evangelischen Gemeindegottesdienst mitwirkte.

In der kurfürstlichen Kanzlei wird unter anderem die Entwicklung Torgaus, die zahlreichen wirtschaftliche Aspekte sowie die Neuordnung der Verwaltung im Zuge der Reformation thematisiert. Ging doch mit der Reformation eine weitgehende Enteignung von Kirchen- und Klostergrund einher, die den Fürsten zugute kam.

Insgesamt werden 605 Exponate präsentiert. Dabei so seltene wie eine Handschrift der Augsburgischen Konfession und die Urkunde des Augsburger Religionsfriedens. Beide sind Leihgaben des Haus-, Hof- und Staatsarchivs in Wien. Weitere Leihgeber sind unter anderem das Kunsthistorische Museum in Wien, das Museo del Prado in Madrid und die Royel Collection in London.

Zu den gezeigten Kunstwerken gehören das Porträt Friedrichs des Weisen von Albrecht Dürer und ein Schmerzensmann des Bildhauers Peter Breuer (Christus in der Rast). Die Ausstellung in der malerischen Residenzstadt konzentriert sich auf die Zeit zwischen 1485 und 1555. Die Verantwortung für die Verwirklichung der Ausstellung hatten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Holger Jakobi

Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 18 Uhr, Einritt: 5 Euro für Erwachsene, ermäßigt 4 Euro, Familienkarte 12 Euro

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 22 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Dienstag, 25.05.2004

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