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Bistum Magdeburg

Neue Chancen, als Gemeinde zu leben

Badersleben, Röderhof und Schwanebeck bilden einen Gemeindeverbund / Ein Beitrag zum PZG

PZG-gemäß gemeindeverbindend: Anne aus Dingelstedt, Christoph aus Badersleben, Richard aus Dingelstedt und Anna aus Röderhof besuchen in Badersleben gemeinsam den Religionsunterricht bei Gemeindereferentin Klimasch. Neben ihr Pfarrer Pater Petrus.

Badersleben / Huysburg (ep) -"Wir sollten in unseren Gemeinden nicht nur wehmütig von dem her denken, was wir vielleicht aufgeben müssen. Wir sollten auch die Chancen im Blick haben, die das notwendige Zusammenrücken mit anderen Gemeinden bietet", sagt Pater Petrus Henke. Der Benediktiner und Seelsorger der Huysburg-Pfarrei ist seit 1998 auch Pfarrer in Badersleben und seit 2002 ebenfalls in Schwanebeck und geht guten Mutes an die praktische Umsetzung der Beschlüsse des Pastoralen Zukunftsgespräches (PZG). Danach sollen in einem ersten Teilprojekt die Gemeinden in diesen Wochen und Monaten schauen, mit welchen Nachbarn sie künftig sinnvoll einen Gemeindeverbund gründen können. In den Pfarreien im nördlichen Bereich der Huysburg ist dieser Prozess schon ein ganzes Stück vorangekommen.

"Schon Mitte der 90er Jahre forderte der damalige Generalvikar Theodor Stolpe uns Dechanten auf zu prüfen, welche Gemeinden zusammenarbeiten könnten", sagt Pater Petrus. Für den Pfarrer steht fest: "Angesichts unserer Situation ist es vernünftig, Gemeinden zu Verbünden und später Pfarreien zusammenzuführen. Belassen wir es bei den alten Strukturen, ist zum Beispiel der bürokratische und personelle Aufwand etwa im Blick auf diverse Pfarrgemeindeund Kirchenvorstandssitzungen, die ja auch bei kleinen Pfarreien anstehen, für einen Pfarrer sehr hoch. Diesen Aufwand zu reduzieren ist um so mehr nötig, als ein Priester seinen Platz vor allem bei den Alten, Kranken, Kindern und Familien hat", sagt der Seelsorger.

Zudem erinnert Pater Petrus daran, dass das PZG die geistliche Dimension der Umgestaltung im Blick hat, sich als Christen auf die heutige gesellschaftliche und kirchliche Situation einzustellen und in missionarischer Grundhaltung für die Mitmenschen dazusein. Im Zusammenrücken liege zugleich die Chance, in dieser Hinsicht neue Wege zu gehen.

"Weil der letzte ,eigene' Pfarrer der Baderslebener Ulrich Schade in Eilenburg gebraucht wurde, haben wir 1997/98 im Dekanat überlegt, wie wir weiter verfahren", erzählt Pater Petrus. "Als Benediktiner haben wir uns bereit erklärt, die Gemeinden nördlich des Huy seelsorglich zu übernehmen." Für die Baderslebener war die Situation, den Pfarrer mit anderen Gemeinden teilen zu müssen, zunächst ein schwerer Brocken, erinnert sich die bisherige Pfarrgemeinderats- Vorsitzende, Maria- Luise Thommes. "Wir konnten uns nicht vorstellen, wie ein Ordensmann, der gegenüber seinen Mitbrüdern Verpflichtungen hat und haben muss, für eine aktive Gemeinde mit ihren Gruppen und Festen und für die persönliche Seelsorge wirklich zur Verfügung stehen kann", sagt Frau Thommes. "Unser vorheriger Pfarrer hat sich zum Beispiel täglich in unserem Kindergarten sehen lassen. Und man konnte immer bei ihm anklingeln ..." "Knackpunkt war: Wie kann das Zusammengehen gelingen, ohne dass das, was einer Gemende wichtig ist, verlorengeht", sagt Pater Petrus. "Dass Teilen auch Abgeben heißt, ist nicht wegzudiskutieren. Also etwa: Dass hier im Baderslebener Pfarrhaus nun niemand mehr wohnt, ist ein Fakt. Aber die Angst: Jetzt wird das Gemeindeleben stark reduziert -ich denke, die konnten wir ausräumen."

Heute, also sechs Jahre später, hat sich so manches eingespielt. "Wir können eigentlich zufrieden sein", sagt Frau Thommes. "Zum Beispiel schafft es Bruder Wolfgang (Pater Wolfgang Hubert OSB) sehr gut, die Jugendlichen zu sammeln und dabei zahlreiche nichtchristliche junge Leute einzubeziehen", so Frau Thommes. Am leichtesten sei das Zusammenwachsen für die Jugend und die Senioren gewesen, bestätigt Pater Petrus. "Die Jugend weiß, dass man fährt -auch zur Jugendstunde nach Badersleben oder zur Huysburg". Doch auch bei den Senioren sei einiges gewachsen: "Wir holen die alten Menschen von den anderen Gemeinden immer zu den Seniorentreffen nach Badersleben." Schon sehr lange bestehe in der Region der für Interessierte stets offene Frauenkreis. Und die Pfadfinder hätten im Baderslebener Pfarrhaus ein Domizil gefunden. Anfang Mai ist nun erstmals ein gemeinsamer Pfarrgemeinderat gewählt worden ...

Vor Ort in Badersleben wohnt Gemeindereferentin Heidemarie Klimasch. Sie lädt jeden ersten Samstag im Monat zu einem regionalen Schülertag ein. In der Pfarrei Schwanebeck ist Diakon Klaus Lange zu Hause. Zudem ist für die Gemeinde dort auch Benediktiner-Pater Antonius Pfeil da. "Wesentlicher Faktor für ein gutes Miteinander in einem Gemeindeverbund ist eine gelingende Teamarbeit zwischen den Mitarbeitern", sagt Pater Petrus. Und: "Es darf kein Ort bevorzugt werden." Reihum findet deshalb in jedem Ort einmal das gemeinsam vorbereitete Gemeindefest statt: In diesem Jahr wird es anlässlich der Feier der 700. Fronleichnamsprozession am 13. Juni auf der Huys sein.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 21 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 21.05.2004

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