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Bistum Görlitz

Ein Kreuz bewegt sich per Spreewaldkahn

Weltjugendtagskreuz in Lübben / Pfarrer Krahl erinnert sich an erste Begegnung vor vielen Jahren

Prozession mit dem Kahn: Jugendliche transportieren das Weltjugendtagskreuz auf der Spree nach Lübbenau.

Lübben / Lübbenau (pk / tdh) -Es war schon ein ungewöhnliches Bild, das sich Ende April einigen Spaziergängern entlang der Spree bot: Ein Korso aus Spreewaldkähnen bewegte sich dort auf dem Wasser zwischen Lübben und Lübbenau. An seiner Spitze ein Kahn auf dem ein fast vier Meter hohes Kreuz transportiert wurde: Das Weltjugendtagskreuz. Während seiner einwöchigen Station im Bistum Görlitz war das Kreuz in vielen Gemeinden Mittelpunkt besonderer Veranstaltungen. Junge Leute aus Lübbenau und Lübben hatten sich für ihr Jugenddekanat einfallen lassen, mit dem Kreuz und der dazugehörigen Marienikone einige Kilometer Prozessionsweg auf dem Wasser zurückzulegen.

Verbindende Kraft des Kreuzes gespürt

Dazu begaben sich die Teilnehmer auf vier Kähne und wurden von Kahnfährleuten vom "Wasserdorf Lehde" durch die Natur bei Mundharmonika-Klängen und Vogelgezwitscher in den Lübbenauer Großen Hafen "gestakt" -wie das Schieben von Kähnen mit Stangen im Fachbegriff genannt wird. Im Hafen von Lübbenau angekommen wurde das Kreuz wieder an Land genommen und von den jungen Leuten über einige Stationen bis in die Lübbenauer katholische Kirche getragen wurde.

In einem Spielstück thematisierten sie das Weltjugendtagskreuz dort als Last eines jungen Menschen, den seine Zweifel plagen und dessen Wegstrecke auch schwere und steinige Abschnitte enthält. Weiter ging es dann mit dem Auto zum Lübbener Marktplatz. Dort stellten Jugendliche dar, was in der heutigen Zeit mit Kreuzen getan wird -"Man kann sie wegschieben", "sie verstecken" oder aber "sich damit rühmen" waren einige der Vorschläge. Gegen Abend fand dann in der Lübbener Pfarrkirche St. Trinitas ein von den Jugendlichen beider Spreewaldstädte gemeinsam gestalteter Abschlussgottesdienst statt.

Für Pfarrer Peter Krahl aus Lübben war es nicht die erste Begegnung mit dem Weltjugendtagskreuz: "Im August 1989 durfte ich erstmals für einen Verwandtschaftsbesuch die damalige DDR gen Westen für ein paar Tage verlassen. Neben den zehn offiziell von der Regierung genehmigten Teilnehmern des Weltjugendtages im spanischen Wallfahrtsort Santiago de Compostela hatte ich so die Möglichkeit als elfter Jugendlicher sozusagen heimlich am Weltjugendtag teilzunehmen. Seither glaube ich an die völkerverbindende Kraft des Kreuzes", berichtete er. Auch damals sei die junge Generation unter dem Weltjugendtagskreuz friedlich versammelt gewesen. Und das fasziniert Pfarrer Krahl bis heute an diesen Treffen unter dem Kreuz des Herrn: "Keiner schlägt seinem Nachbarn die Rübe ein", sagt er schmunzelnd.

Junge Menschen bekennen sich zu ihrem Glauben

Doch bevor das Kreuz -jenes fast 2000 Jahre alte Symbol -wirklich alle Menschen erreicht hat, würde es wahrscheinlich noch lange auf dem "Weg der Versöhnung" sein müssen, mutmaßte Krahl. "Viele Hände werden es noch tragen müssen. Es ist jedoch schon erstaunlich, was dieses christliche Zeichen alles bewegt hat und auch heute noch verändert. Nicht nur, dass es den ,eisernen Vorhang' mit Hilfe der oft in Kirchen begonnenen Demonstrationen bei der friedlichen Revolution im Herbst 1989 niederriss, es bewegt noch heute Menschen auf der ganzen Welt."

Die Veranstaltungen in Lübben und Lübbenau, aber auch im ganzen Bistum und auf der ganzen Welt sind für Krahl ein sichtbares Zeichen dafür: "Beflügelt durch dieses einzigartige Weltjugendtagskreuz gingen junge Menschen auf die Straße und bekannten sich zu ihrem Glauben. Möge der Weltjugendtag 2005 in Köln ein weiterer wichtiger Meilenstein auf diesem Wege sein."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 20 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 13.05.2004

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