Jetzt 4 Wochen kostenfrei Tag des Herrn lesen!
Bistum Dresden-Meißen

Nur Schminke als Rüstzeug fürs Leben?

"Feier des Erwachsenwerdens": Kirchliches Alternativangebot zur Jugendweihe in Leipzig

Symbole der Lebenserfahrung: Schwester Susanne Schneider bereitet mit Veit, Freya und Saskia (von links) die Feier des Erwachsenwerdens vor.

Leipzig (dw) -Saskia, Freya und Veit freuen sich auf ihre "Feier des Erwachsenwerdens". Für den 15. Mai haben die drei Achtklässler ihre Verwandten in den "Raum der Stille" der Leipziger Kontaktstelle der katholischen Kirche eingeladen. Einige Tage vorher gibt es noch einiges vorzubereiten: Saskia legt die dicken Bretter, die sie im Wen-Do- Kurs mit eigenen Händen zerschlagen hat, auf eine regenbogenfarbige Fahne mit der Aufschrift "Peace".

Ihr Vater hatte die Fahne zur Zeit der Leipziger Montagdemos im Herbst 1989 gekauft. Freya legt ein Buch dazu, weil sie so gerne liest. Veit hat ein Häuschen mitgebracht, das an seinen erst kurz zurückliegenden Umzug nach Leipzig erinnert, ein Stofftier aus Kleinkindertagen und einen Kochlöffel, denn sein großer Traum ist es, einmal Koch zu werden.

Gemeinsam mit Susanne Schneider, katholische Theologin und Ordensfrau der Missionarinnen Christi, haben die drei überlegt, ihren Gästen anhand der Symbole von den wichtigen Erfahrungen ihres Lebens zu erzählen und von dem, was sie sich vom Leben noch erwarten. Über "Gott und die Welt" konnten sie in den Vorbereitungstreffen seit Oktober mit der Schwester reden, über Probleme in unserer Gesellschaft, Leben und Tod, Werte und Lebensziele, Frieden, Gewalt und Gewaltlosigkeit ... Vieles von dem, was sie besprochen haben, wird auch in die Fürbitten einfließen, die neben musikalischen Beiträgen von Verwandten und besinnlichen Texten ein Bestandteil der Feier sein werden.

Susanne Schneider hat bereits zum zweiten Mal zu dieser Alternativform zur Jugendweihe eingeladen, im vergangenen Jahr gab es zwei Teilnehmer. "Einzige Bedingung ist, dass die Jugendlichen bereit sind, sich mit ihrem Leben auseinander zu setzen", stand im Infotext, den Saskias Vater im Internet entdeckt hatte. Konfirmation und Firmung kamen für Saskia, Freya und Veit nicht in Frage, weil sie keine Christen sind. "Jugendweihe schien mir zu unpersönlich. Manches, was dort zur Vorbereitung angeboten wird, Schminkund Kochkurse zum Beispiel, war mir einfach zu doof", sagt Saskia. Dass die Geschenke, die ihre Mitschülerinnen zur Jugendweihe von ihren Eltern erwarten, in Preiskategorien zwischen 300 und 1000 Euro liegen, findet sie ebenfalls befremdlich.

Während es von der katholischen Kirche veranstaltete Alternativen zur Jugendweihe in den Nachbarbistümern Erfurt und Magdeburg schon seit einigen Jahren gibt, ist das Pflänzchen im Bistum Dresden-Meißen noch recht zart. Außer in der Leipziger Kontaktstelle gab es in diesem Jahr auch in Dresden eine Feier, dort organisiert von Domvikar Bertram Wolf und von Pater Michael Beschorner, dem Schulseelsorger des St.-Benno- Gymnasiums. Unter Federführung von Eltern aus der Leipziger Montessori-Mittelschule findet am 15. Mai bereits zum dritten Mal eine Jugendfeier in der Leipziger Propsteikirche statt.

Bischof Joachim Reinelt hatte die Christen in seinem Bistum seit der Wende immer wieder ermuntert, stärker auf die Bedürfnisse ihrer nichtchristlichen Mitmenschen zu reagieren. Feste gehören seiner Erfahrung nach zu den Momenten im Leben, in denen Menschen besonders offen und ansprechbar für existenzielle Fragen seien.

Unterstützung findet das neue kirchliche Angebot auch bei Dr. Bernhard Dittrich, dem Leiter der Pastoralabteilung im Bistum Dresden-Meißen. Die Kirche komme damit Menschen entgegen, die ein erfülltes Leben suchten, ohne aber Gott schon voll und ganz ihr "Ja" sagen zu können.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 20 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 13.05.2004

Aktuelle Buchtipps