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Aus der Region

Auch im Alltag aufeinander zugehen

1500 evangelische und katholischen Christen kamen zur Christuswallfahrt nach Volkenroda

Volkenroda -An ihren Füßen waren sie zu erkennen: Die "ganz echten" unter den Wallfahrern, die am 2. Mai den Christuspavillon in Volkenroda bevölkerten. Fast die Hälfte der rund 1500 Teilnehmer der ersten ökumenischen Christus-Wallfahrt hatte das Angebot angenommen, von drei Orten der Umgebung aus zu Fuß alten Wegen folgend in das von den Mitgliedern der evangelischen Kommunität Jesus-Bruderschaft wieder aufgebaute Kloster in der Nähe Mühlhausens zu wandern. Und das trotzt des anfänglich regnerischen Wetters, das den guten Ackerboden zu einer recht "anhänglichen" Sache werden ließ, die an Schuhen und Hosenbeinen ihre Spuren hinterließ. Doch geistliche Impulse von Franziskanermönchen aus dem Eichsfeld oder evangelischen Pfarrern und Superintendenten, Bibelworte und Lieder, Strecken des gemeinsamen Gesprächs und des bewussten Schweigens ließen kaum jemandem den Weg lang werden.

"Pilgern ist beten mit den Füßen", rief Christoph Kähler, Thüringens evangelischer Bischof als "Hausherr" in Volkenroda den evangelischen und katholischen Christen aus Thüringen und Sachsen-Anhalt sowie darüber hinaus zu. Gemeinsam mit seinem Kollegen Axel Noack aus Magdeburg, dem Erfurter katholischen Bischof Joachim Wanke und der Jesus-Bruderschaft hatte er zu dieser ökumenischen Wallfahrt eingeladen. Mit ihr wurde zugleich für die im Frühjahr 2001 von Hannover nach Volkenroda umgesetzte ehemalige "Weltausstellungskirche" die diesjährige Saison eröffnet. Und wie der Christuspavillon während der Expo 2000 den Christen beider Konfessionen ein gemeinsames Dach bot, sammelten sich auch diesmal in und um den Stahl- und Glaskubus Menschen, die das Gemeinsame ihres Glaubens bewusst über das Trennende stellen wollten.

In ihrer Dialogpredigt im Hof des Pavillons riefen die Bischöfe Noack und Wanke die Menschen auf, auch im Alltag Schritte aufeinander zu zu gehen, einander Türen zu öffnen und Sorgen und Enttäuschungen wie auch Freuden mitzuteilen. Dann werde Gott sich auch im Alltag finden lassen, oder, so Wanke, dann werde Gott uns finden.

Doch das Miteinander wurde zunächst unterbrochen: Zu Abendmahl oder Eucharistiefeier suchte man -entsprechend des inzwischen sprichwörtlichen "Volkenrodaer Modells" -getrennte Räume auf. Während die evangelischen Christen im Pavillon feierten, zogen die Katholiken in die benachbarte Stiftskirche. Deutlich und wohl auch schmerzlich wurde so vielen Teilnehmern die Trennung der Konfessionen bewusst. Als Trost blieb, dass wenigstens das Segenszeichen des Kreuzes zum Abschluss wieder von allen drei Bischöfen auf alle gemeinsam gelegt wurde.

Gemeinsam geht es indes in Volkenroda weiter: Schon am 26. und 27. Juni steht mit dem mittlerweile dritten ökumenischen Jugendfestival eine weitere Großveranstaltung auf dem Programm. Weiterhin gehören zum diesjährigen Programm der Kultur- und Bildungsstätte Lesungen, Konzerte und ein "Festival Junge Kunst".

Harald Krille,
Chefredakteur der gemeinsamen Redaktion der evangelischen Kirchenzeitungen

Informationen im Internet: www.kloster-volkenroda.de
Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 19 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 06.05.2004

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