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Bistum Erfurt

"Wir wollen keine stummen Hunde sein"

In Erfurt wurde das Bonifatiusjahr 2004 für Thüringen offiziell eröffnet

Gehet in alle Welt: Das Bonifatiusfenster im Erfurter Mariendom.

Erfurt (as) -Dass aus den Holzscheiten der Donareiche, die der heilige Bonifatius fällte, gleich passende Stücke für einen Kirchenbau wurden, ist eine gut erfundene Geschichte. Dass der Heilige, der "Apostel der Deutschen", aber das religiöse und politische Europa wesentlich mitgeprägt hat, ist eine historische Tatsache.

In diesem Jahr jährt sich der gewaltsame Tod Winfrieds, wie der Missionar, Reformer und treue Kirchenmann eigentlich hieß, zum 1250. Mal -in ganz Deutschland wird das Bonifatiusjahr begangen, das in Thüringen die beiden großen Kirchen und Vertreter der Stadt Erfurt am 23. April im Coelicum der Theologischen Fakultät offiziell eröffneten.

Das Bonifatiusjahr richtet den Blick auf ein ebenso denkwürdiges Datum. Am 1. Mai werden gleich zehn Länder in die Europäische Union aufgenommen -die Einheit des alten Kontinents wird konkreter.

Gesellschaftliche Werte fußen auf Christentum

Auch deshalb, so Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU), habe er die Schirmherrschaft für das Bonifatiusjahr im Freistaat übernommen. Der Heilige habe die Grundlagen dafür gelegt, die auch heute für den Zusammenhalt der Gesellschaft wesentlich seien. "Die Grundlagen unserer Gesellschaft fußen auf Wertvorstellungen, die aus dem Christentum erwachsen sind", so Althaus. Die Unveräußerlichkeit der Menschenrechte, Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit seien die Fundamente, auf denen ein geeintes Europa entstehen kann und die der heilige Bonifatius mitgelegt habe.

"Wer aber war Bonifatius?", fragt der Paderborner Historiker Lutz E. von Padberg, der den Festvortrag bei der Eröffnung des Bonifatiusjahres hielt. Vor allem Missionar, der unermüdlich predigte und das Evangelium den Heiden verkündigte. Ein Kirchenreformer, der versuchte die vom Adel geprägte Staatskirche an Rom zu binden, auch gegen Widerstände und Mordkomplotte. Bonifatius erzielte in beiden Bereichen Erfolge, auch wenn er das vielleicht selbst anders gesehen hat.

Von Padberg: "Im Grunde seiner mitunter widersprüchlichen Persönlichkeit war er ein im positiven Wortsinne einfältiger Mensch, der alles dem christlichen Glauben unterordnete." Sein höchstes Ziel sei die Verkündigung des Glaubens gewesen -sowohl als Reformer als auch als Missionar sei er zu einem der Baumeister des christlichen Europa geworden.

Dieses Europa sei deshalb nicht nur aus dem Wirken großer Politiker, Philosophen und Wissenschaftler entstanden, sondern auch aus dem Wirken und dem Gebet seiner Heiligen, betonte Bischof Joachim Wanke. Heilige würden somit zum Symbol für die Verbindung von Christentum und europäischer Geschichte, auch wenn Schuld und Versagen dazu gehörten. Wanke: "Gerade die großen europäischen Heiligen sind Zeugen dafür, dass unsere Geschichte auch Teil der Geschichte Gottes mit den Menschen ist."

Was die Christen der Gegenwart mit Bonifatius und seinen Gefährten verbindet, sei die Sorge um das Heil der Menschen -dies sei der letzte Grund aller missionarischen Bemühungen. Bischof Wanke zitiert den Heiligen: "Wir wollen nicht stumme Hunde sein, nicht schweigende Späher, nicht Mietlinge, die vor dem Wolf fliehen, sondern besorgte Hirten, die über die Herde wachen, die dem Großen und dem Kleinen, dem Reichen und dem Armen, jedem Stand und Alter, gelegen oder ungelegen, den Rat Gottes verkünden."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 18 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 29.04.2004

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