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Bistum Magdeburg

Er hat Mitteldeutschland geprägt

Der Historiker Clemens Brodkorb sprach über Hugo Aufderbeck

Hugo Aufderbeck: Die persönliche Begegnung war ihm wichtiges Anliegen.

Magdeburg -Das Thema hatte Menschen angelockt, die den Seelsorger Hugo Aufderbeck als Studentenpfarrer in Halle, bei Kreisen in Bad Kösen, als Leiter des Seelsorgeamtes in Magdeburg oder beim Kreis der "Dorfapostel" (Männer, die in Dorfgemeinden Vorträge hielten) kennen gelernt hatten. Auch Akademiedirektor Hans-Joachim Marchio berichtete bei der Begrüßung des Referenten Clemens Brodkorb vom prägenden Kontakt mit Aufderbeck. Viele der Anwesenden hatten offenbar ihren "privaten Hugo Aufderbeck" im Herzen.

Der Referent aus München, ein junger aus dem Bistum Erfurt stammender Historiker, der selbst noch von Aufderbeck gefirmt wurde und intensiv über dessen Leben gearbeitet hat, nahm sich dessen Biografie zum Rahmen seines Vortrags: Er schilderte den Werdegang des 1909 im westfälischen Hellefeld geborenen Aufderbeck und führte dabei einzelne Schwerpunkte breiter aus. Dazu gehörte die in den 50er und beginnenden 60er Jahren akute Frage: "Flucht oder Bleiben?" Beide Möglichkeiten sollten gewissenhaft geprüft werden. Aufderbeck bat um das Bleiben, denn der "verlassene Posten" sei Gewinn für den atheistischen Gegner. In der Folgezeit widmete sich der Seelsorger der Stärkung der Bleibenden und trat für eine selbstbewusste Kirche im totalitären System DDR ein.

Aufderbeck hatte früh erkannt, dass für die Region eigene Strukturen und Seelsorge-Konzepte überlebenswichtig sind. "Die Stunde der Kirche" war ein kleines, illegal verbreitetes Buch, in dem er -unter Pseudonym -wichtige Impulse zum Leben der Kirche in der DDR gab. Auf seine Initiative hin wurde die Arbeit der Seelsorgeämter gestartet und intensiviert, das Norbertuswerk als Seminar für Spätberufene gegründet und auch am Aufbau des Erfurter Philosophisch-theologischen Studiums und des Priesterseminars Huysburg hatte er seinen Anteil. Ebenso gehen Gottesdienste ohne Priester auf den Außenstationen und die Kommunionausteilung durch Laien auf seine Impulse zurück. Mit Prälat Martin Fritz gab er die "Katechetischen Hefte" und später als Bischof in Erfurt die "Pastoralen Aufsätze" heraus. Bei der Pastoral waren ihm die Heilige Schrift und die persönliche Begegnung besonders wichtig.

Aus der Fülle von Impulsen und Initiativen, die Brodkorb vorstellte, seien einige genannt: Weiterbildung im Glauben auf allen Ebenen, Aufderbeck nannte das "Heranbildung der Heiligen" / Briefe an Kinder, Kranke, Alte / religiöse Kinderferienwochen / Familienformung mit dem Ziel, dass an jedem Ort wenigstens eine gläubige, stabile Familie leben sollte / vielfältige ökumenische Kontakte / Familienkreise als Basis einer eventuell nötig werdenden Untergrundkirche. Ohne Hugo Aufderbeck, so der Historiker Brodkorb, hätte die mitteldeutsche Kirche nicht so überleben können.

Als Aufderbeck 1962 als Weihbischof nach Erfurt ging, herrschte Wehmut in Magdeburg und Freude in Erfurt, Ausdruck seiner Wertschätzung. 1962-65 nahm Aufderbeck am Konzil teil, hatte viele internatio-nale Kontakte und arbeitete be-sonders an der Pastoralkonstitution "Kirche in der Welt von heute" mit.

Die lange Vorbereitungszeit auf seinen Tod 1981 -er wusste schon Jahre zuvor von seiner Krebsdiagnose -sah Aufderbeck als Gnade an. Am Schluss seines Testaments steht: "So bete ich das Miserere, spreche das Amen und hoffe auf das Alleluja."

Bischof Joachim Wanke, sein Nachfolger in Erfurt, sagte über Aufderbeck: "Er war Programm, in seiner Verkündigung und in seiner theologischen Arbeit, aber noch mehr in seinem pastoralen Tun und in seinem Lebenszeugnis."

Am Ende des Vortrages dankten die Zuhörer dem Referenten mit viel Beifall. Hatte doch jeder -auch wer Aufderbeck auf einem Wegabschnitt begegnet war -etwas von dessen Bedeutung für die Kirchengeschichte erfahren.

Dieter Müller / tdh

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 17 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 22.04.2004

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