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Bistum Görlitz

"Immer wieder eine Überwindung"

Seit über 20 Jahren engagiert sich Elisabeth Ludwig bei Caritas-Straßensammlungen

Sammlerin Elisabeth Ludwig: Trotz ihrer Scheu vor fremden Menschen bittet sie Passanten seit 20 Jahren um Geld für einen guten Zweck.

Finsterwalde (mim) -Egal bei welchem Wetter -Elisabeth Ludwig geht raus auf die Straße. Nicht für sich, sondern für einen guten Zweck. Sie steht vor der Post, in der Einkaufsstraße, am liebsten aber vor der Kaufhalle. "Da haben viele Leute noch ihr Geld in der Hand und manchmal leichter ein paar Cent übrig", sagt die 69-Jährige.

Seit mehr als 20 Jahren engagiert sich die Finsterwalderin ehrenamtlich bei den Caritas-Straßensammlungen. Zweimal im Jahr -jeweils bei den Frühjahrsund Herbstsammlungen -stellt sie sich eine Woche lang jeden Tag für ein paar Stunden in die Innenstadt und bittet Passanten um eine kleine Spende. Mal für die Jugendarbeit im Bistum, mal für katholische Einrichtungen in der Gemeinde, oder etwa wie in diesem Jahr für die Behindertenarbeit der Caritas. "In Finsterwalde bin ich die Einzige, die noch mit der Sammelbüchse auf die Straße geht", sagt sie. "In den ersten Jahren waren wir noch mehr Sammlerinnen. Aber alle haben mit der Zeit aufgehört, und neue jüngere Leute kommen nicht nach."

Elisabeth Ludwig selbst würde nicht ans Aufhören denken. "Ich mache solange weiter, wie es meine Gesundheit zulässt." Doch gern macht sie die Arbeit nicht. "An sich habe ich eine Scheu, fremde Menschen anzusprechen und erst recht sie nach Geld zu fragen", gesteht Frau Ludwig. "Aber ich sehe einfach die Notwendigkeit, meine Scheu zu überwinden, und somit anderen Menschen durch das gesammelte Geld zu helfen."

Mit den Jahren ist auf diese Weise schon einiges an Spenden zusammengekommen. Etwa 500 Euro hat Elisabeth Ludwig im Durchschnitt nach einer Woche in ihrer Blechbüchse. "Das ganze mal zwei für Frühjahrs- und Herbstsammlung und wiederum mal 20 Jahre", rechnet sie vor. "Da kommt schon einiges zusammen."

Doch längst sind die Passanten heute nicht mehr so freigiebig wie noch vor einigen Jahren. "Die Leute geben nur ungern Geld. Dabei hatten die Menschen in der Nachkriegszeit noch weniger als die heute und trotzdem hatten sie stets ein paar Groschen für einen guten Zweck übrig. Und wenn es nur 20 Pfennig waren", so Frau Ludwig.

Der gelernten Buchhalterin wurde das Sammeln förmlich in die Wiege gelegt. "Schon meine Mutter ist immer für die Caritas sammeln gegangen. Oft habe ich dann als kleines Kind mit ihr zusammen am Straßenrand gestanden und ich glaube, manchmal habe ich sogar auch selbst die Büchse gehalten", lächelt sie.

Blickt sie auf ihre bisherige Sammlertätigkeit zurück, so fallen ihr einige Erlebnisse ein -schöne, aber auch weniger schöne. "Einmal habe ich an einem Samstagabend, dem letzten Tag der Sammlung, in der Nähe der Kirche gestanden. Es war schon dunkel und plötzlich sah ich, wie drei Jugendliche immer wieder zu mir rüber sahen und wieder die Köpfe zusammen steckten", erinnert sich die Rentnerin. "Ich war mir ziemlich sicher, dass die Jungen es auf die Büchse abgesehen hatten. Zum Glück war die Kirche offen und ich bin schnell hinein gegangen. Drinnen war zwar niemand weiter außer mir, aber ich war mir sicher, dass die Jugendlichen mir niemals in die Kirche folgen würden. Und so war es auch."

Dann wieder zu sammeln, kostet Elisabeth Ludwig abermals Überwindung. "Doch wenn jemand mal einen größeren Schein in die Büchse steckt, weiß ich, warum ich das mache", sagt sie. Und trotz aller Scheu und Ängstlichkeit: Die langjährige Sammlerin will weitermachen. Und so stand sie auch in dieser Woche wieder in den Straßen von Finsterwalde -egal bei welchem Wetter.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 17 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 22.04.2004

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