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Aus der Region

Gemeinden sollen Vorschläge machen

Umsetzung der PZG-Beschlüsse: Gemeindeverbünde

Magdeburg (ep) -Kurz vor Ostern haben Seelsorger, Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände in den Gemeinden einen Brief aus Magdeburg bekommen. Darin werden sie aufgefordert, sich im Rahmen der Arbeit des Pastoralen Zukunftsgespräches (PZG) Gedanken über ein Zusammengehen ihrer mit anderen Gemeinden zu machen und bis Ende Juni einen Vorschlag über künftige Gemeindeverbünde vorzulegen.

"Nun geht es an die Umsetzung der PZG-Beschlüsse", sagt der Leiter der Hauptabteilung Pastoral, Ordinariatsrat Raimund Sternal, der auch zur Leitung des entsprechenden PZG-Teilprojektes Neustrukturierung gehört. "Die Umsetzung beginnt mit strukturellen Fragen. Doch es muss klar sein: Die Strukturen sind nur Voraussetzung dafür, dass wir uns unserem Ziel widmen können, eine missionarische Seelsorge zu entwickeln. Allen in den Gemeinden", so Sternal, "muss deutlich werden: Wenn wir jetzt nichts ändern, dann werden wir verändert. Dann sind wir in Kürze nicht mehr zu einer organisierten Seelsorge und schon gar nicht mit missionarischer Zielsetzung in der Lage."

Mit der Leitung der Neustrukturierung hatte Bischof Leo Nowak noch vor seiner Pensionierung die zehn Dechanten des Bistums, seinen Generalvikar sowie die Leiter der Hauptabteilungen Pastoral, Caritas, Schule /Hochschule / Erziehung und Personal im Ordinariat beauftragt. Die Neustrukturierung beginnt auf der Ebene der Gemeinden. Bis Ende 2004 soll ein bistumsweit greifender Plan zur Bildung von Gemeindeverbünden erarbeitet sein. Der neue Bischof soll dann über die Errichtung der Verbünde, aus denen einmal Pfarreien werden sollen, entscheiden.

"Bei entsprechenden Gemeinde-Zusammenkünften sollen in den nächsten Wochen Vorschläge für die Umschreibung von Gemeindeverbünden erarbeitet werden", sagt PZG-Geschäftsführerin Dr. Annette Schleinzer. Dabei gelte es Aspekte wie Alltagswege zum Einkauf, zum Arzt oder zur Gemeindeverwaltung, Großstadt- und Kreisgrenzen, Straßenführungen, aber auch geografische Gegebenheiten wie Flussverläufe zu berücksichtigen. Zu einem Gemeindeverbund sollen laut PZG-Beschluss 1500 bis 2000 Gemeindemitglieder gehören. Zudem soll die Zahl der Verbünde der Gesamtzahl der auch nach zehn Jahren noch verfügbaren Pfarrer entsprechen. Im Blick auf die Priesterstatistik seien dies zirka 55.

"Ziel ist es", so Frau Schleinzer, "Lösungen zu finden, wie die katholischen Christen einer Region zusammenwirken und so auch für die Menschen in ihrem Lebensraum dasein können. Es reicht nicht, jedes Jahr einige Kinder zur Erstkommunion zu führen. Wir müssen auch den nichtchristlichen Kindern etwas anbieten. Es braucht also auch ein anderes Umgehen mit den Aufgaben einschließlich einer entsprechenden Dienstumschreibung für die Hauptamtlichen. Vor allem aber muss es zu einem Bewusstseinswandel unter allen katholischen Christen kommen."

"Um die PZG-Dokumente umsetzen zu können, ist es unerlässlich, sich mit ihnen zu befassen, wobei es natürlich nicht um Wortklauberei geht", sagt Seelsorgeamtsleiter Sternal. Vor allem "der Beschluss ,Den Aufbruch gestalten' muss unbedingt bekannt sein". Dabei biete die im Leipziger St.-Benno-Verlag veröffentlichte Dokumentensammlung eine gute Grundlage. Aber auch die übrigen Texte einschließlich des im Internet abrufbaren Projektplanes für die PZG-Umsetzung müssten berücksichtigt werden. Die Bistumsversammlung hatte in ihrem Dokument "Den Aufbruch gestalten: Strukturen und Zuständigkeiten im Bistum Magdeburg" beschlossen, "die überkommenen Strukturen den veränderten Gegebenheiten anzupassen und dafür zu sorgen, dass Strukturen und Zuständigkeiten den Aufgaben des Bistums entsprechen".

Neben der Bildung und Entwicklung von Gemeindeverbünden steht auch die Reorganisation und Entwicklung des Ordinariates, der Dekanate und der kirchlichen Einrichtungen an. Hinsichtlich des Ordinariates geht es darum, im Blick auf eine missionarische Seelsorge stärker zur Dienstleistungs- und Steuerungseinrichtung für die Gemeinden zu werden. Zudem müssten Seelsorge und Caritas enger verklammert werden, so Sternal. Im Mittelpunkt stünden dabei Fragen wie: "Aus welcher Motivation wird sozial gearbeitet?" und: "Wie diakonisch ist unsere Seelsorge?" 2005 soll dann die Reorganisation und Entwicklung der Dekanate und der Verbände und Einrichtungen in Angriff genommen werden. So soll etwa auf Dekanatsebene geprüft werden, wie hier Aufgaben wie Erwachsenenbildung angesiedelt werden können, um für die künftige Seelsorgestrukturell gerüstet zu sein.

"Eines muss klar im Bewusstsein von uns allen sein", sagt Sternal: "Es geht bei alledem nicht um Organisation, sondern um das, was uns allen heilig ist. Um uns dieses zu bewahren, gilt es die Probleme anzupacken."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 17 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Dienstag, 20.04.2004

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