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Bistum Dresden-Meißen

Wie weiter mit den Straßensammlungen?

Beim "Zukunftsworkshop Sammlung" ließ bei allen Problemen niemand den Kopf hängen

Dresden -Wer kennt sie nicht, die Caritas-Sammelbüchsen und die vielen fleißigen Helfer, die die Blechbüchsen mehr oder weniger bestimmt Kirchgängern, Passanten oder Nachbarn entgegenhielten, verbunden mit der Bitte, etwas für die Caritas-Arbeit hinein zu geben. Ja, irgendwie ist das Bild vertraut -und doch auch wieder nicht. Laut Statistik hat die Zahl der Sammler in den zurückliegenden zehn Jahren um mehr als 30 Prozent abgenommen, Tendenz weiter fallend. Bei der letzten Sammlung waren es im ganzen Bistum Dresden-Meißen nur noch knapp 500. Infolgedessen ist auch bei den Ergebnissen ein spürbarer Rückgang zu verzeichnen: In den letzten beiden Jahren wurden rund 15 000 Euro weniger gesammelt.

Kurz vor Ostern traf sich aufgrund dieser Analyse im Diözesancaritasverband eine Arbeitsgemeinschaft (AG), bestehend aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Dekanatscaritasverbände und auch aus aktiven Sammlerinnen, zu einem "Zukunftsworkshop". Den Kopf ließ in dieser Runde zum Glück niemand hängen. Im Gegenteil: Durch lebendigen Austausch, berechtigte Kritik und den Blick nach außen kam ein kreativer Prozess zustande, der umsetzbare Ideen hervorgebracht hat.

Die Situation des direkten Kontakts von Geldgeber und Sammler ist eine einmalige Chance, mit Menschen, die nicht unmittelbar einen Bezug zu Kirche oder Caritas haben, ins Gespräch zu kommen. Die Anliegen der Caritas erhalten durch die Präsenz der Sammler ein konkretes Gesicht. Die Menschen merken: "Hier ist jemandem die Caritas einige Mühe wert. Das muss doch einen Grund haben."

Als Chance wurde auch die Präsenz der Caritas vor Ort gesehen: Sei es durch eine Kindertagesstätte, durch ein Altenpflegeheim oder durch die zahlreichen Beratungsdienste. Das bedeutet: Sehr viele Gemeindeglieder haben tatsächlich einen direkten Kontakt zur Caritas. In zahlreichen Gemeinden gibt es Caritas-Mitarbeiter. "Die vorhandenen Verbindungen mit Leben erfüllen", das war das Schlagwort, das in der Runde immer wieder auftauchte. Möglichkeiten gibt es durchaus: Caritas- Mitarbeiter, die zusammen mit den Ehrenamtlichen sammeln. Oder wenn der direkte Kontakt auf der Straße beispielsweise durch einen Stand des Dekanatscaritasverbandes genutzt wird, auf Caritas-Angebote in der Region aufmerksam zu machen. Favorisiert wurde auch die Idee, jede Sammlung durch eine Eröffnungsveranstaltung an einem Ort des Bistums mit einem zentralen Auftakt zu versehen. Ein Heft wurde geplant, das Sammlungstipps -angefangen von den rechtlichen Grundlagen bis hin zur klugen Standortwahl -enthalten soll.

Bei allem kreativen Planen zu dem althergebrachten Thema "Straßensammlung" wurde nicht übersehen, dass neue Wege beschritten werden müssen, um auch in Zukunft eine gewisse Unabhängigkeit von öffentlichen Geldgebern zu erreichen. Die Gruppe der Sammler und Sammlerinnen jedoch gleich als aussterbende Spezies zu betrachten, das wäre der Weg des geringsten Widerstands. Und damit wollte sich beim "Zukunftsworkshop Sammlung" niemand abfinden.

Claudia Kern

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 16 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 15.04.2004

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