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Bistum Görlitz

Mit Jesus wachen und beten

Der Görlitzer ökumenische Kinderkreuzweg führte zum Heiligen Grab

Das Kreuz voran: Auf dem Weg von der Peterskirche zum Heiligen Grab.

Görlitz -Langsam füllt sich die Krypta der Görlitzer Peterskirche. Auch die Letzten trudeln nach und nach ein. Bei manchen scheint die Begeisterung nicht gerade groß zu sein. Kein Wunder -es ist wunderschönes Wetter an diesem Mittwochnachmittag in der Neißestadt. Da geht man natürlich nicht gerne in eine dunkle Unterkirche.

Aber für einen Osterspaziergang ist es noch zu früh. Und die Vorbereitung auf das Osterfest ist der eigentliche Grund, warum sich rund 100 Kinder aus den Görlitzer Gemeinden am 31. März mit ihren Eltern versammelt haben, um den inzwischen traditionellen Kinderkreuzweg von der Stadtkirche St. Peter und Paul zum Heiligen Grab zu gehen. Mit dabei auch viele Mädchen und Jungen aus den evangelischen Gemeinden, denn seit etwa zehn Jahren wird der Bußgang zum bekannten Baudenkmal von Görlitz auch ökumenisch begangen, sagt Gabriele Kretschmer, Gemeindereferentin von St. Jakobus, die auch in diesem Jahr die Fäden in der Hand hält.

"Es ist schön, dass trotz des sonnigen Wetters so viele gekommen sind", begrüßt sie die Kinder, "sogar die Jünger sind im Garten Gethsemani eingeschlafen, wir wollen heute mit Jesus wachen und beten". Obwohl der Kreuzweg schon zum festen Punkt im Kalender zählt, ist er in diesem Jahr doch etwas ganz Besonderes, denn Görlitz feiert das 500. Jubiläum der Vollendung des Heiligen Grabes.

"Darf ich mich vorstellen, Georg Emmerich"

Deshalb hat sich ein besonderer Gast eingefunden. In etwas altertümlicher Kleidung erscheint ein freundlicher Mann: "Darf ich mich vorstellen, Georg Emmerich", sagt er und beginnt aus seinen Leben zu erzählen. Dass sein Vater ein berühmter Mann in Görlitz gewesen sei und zu seiner Zeit die Stadt anders aussah. "Oft waren die Tore verschlossen und wir Kinder hatten Angst, denn draußen standen Soldaten." Später als junger Mann bekam seine erste Liebe, Benigna Horschel, ein Kind von ihm -ein Skandal, denn die Familien waren zu allem Unglück noch verfeindet.

Der Bischof von Meißen schickte ihn schließlich zur Sühnewallfahrt nach Jeruslaem, wo er "Ritter vom Heiligen Grab" wurde. Als er nach Görlitz zurückkam baute er das Heilige Grab nach, wie er es in Jerusalem gesehen hatte -so kam es, dass das Heilige Grab heute in Görlitz steht. Mit Gesängen und einem großen Kreuz voran, machen sich die Kinder auf. Drei Stationen unterbrechen den Kreuzweg -an einer Bäckerei in der Altstadt wird das "Brot der Versöhnung" verteilt.

Für den evangelischen Christen Uli Warnatsch, selbst in der Jugendarbeit tätig, war dies ein besonderer Tag. Er war es, der in die Rolle des Georg Emmerich geschlüpft ist und spannend aus dem Leben eines der berühmtesten Söhne der Stadt berichtete. Warnatsch scheint ohnehin ein Feeling für historische Figuren zu haben, denn nebenbei ist er auch als Nachtwächter in der Altstadt tätig. Am Ende gibt es am Heiligen Grab den Segen von Pfarrer Klemens Paul und dem evangelischen Superintendenten Jan von Campenhausen. "Der Kreuzweg hat auch etwas mit der Not in der Welt zu tun", sagt Gabriele Kretschmer. Die Mädchen und Jungen spendeten deshalb für Schulkinder in Brasilien.

Andreas Schuppert

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 15 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 08.04.2004

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