Jetzt 4 Wochen kostenfrei Tag des Herrn lesen!
Bistum Görlitz

Singend die Auferstehung verkünden

In einigen Dörfern um Cottbus lebt ein sorbischer Brauch wieder auf

Die sorbische Ostertracht: Eine Schleifer Museumsmitarbeiterin zeigt anhand einer Puppe die typische Kleidung der sorbischen Frauen zum Ostersingen.

Cottbus -Ostern ist vielerorts die Zeit der Bräuche und der christlichen Traditionen. Auch im "Sorbenland" rund um Cottbus besinnt man sich zur Osterzeit wieder mehr und mehr auf jene Überlieferungen. Bereits seit der Wende lebt in einigen sorbischen Dörfern wieder der Brauch des Ostersingens auf: Frauen ziehen am Karfreitag und an den Ostertagen in einer Festtagstracht durch das Dorf und singen sorbische Auferstehungslieder.

Ostersingen war zu DDR-Zeiten verboten

Östlich von Spremberg, in der evangelischen Gemeinde Schleife lebte das Ostersingen im Dorf Rohne im Jahre 1992 erstmals wieder auf. In den frühen 50er Jahren war es von der DDR-Regierung wegen "Ruhestörenden Lärms" verboten worden. Manfred Hermasch, Predikant im evangelischen Kirchenkreis Weißwasser, müht sich seither, diese alte christliche Tradition im "Kirchdorf Schleife" wieder zu beleben. Mit Erfolg: Einmal im Monat trifft sich die "Kantorki", die Frauensingegruppe und übt die sorbischen Choräle.

An die 800 Lieder beinhaltet das sorbische evangelische Gesangbuch. "Wenn in der Osternacht um Mitternacht in Schleife die Glocke geläutet wird und ihr Schall bis in alle sieben zugehörigen Dörfer dringt, ist das die Verkündigung: Der Ostertag ist angebrochen, Christus ist vom Tod erstanden", so Manfred Hermasch. Dann wird eine große Kerze entzündet, der Gang durch das Dorf beginnt. Eine Meditation stimmt die zwölf bis 14 Sängerinnen -angeleitet von der "Kantorka", der Vorsängerin -auf ihr Tun ein. Dazu tragen die Frauen eine eigene Ostertracht: Zu einem weißen drei viertel langen Leinenrock gehört ein schwarzes Jäckchen. Und entgegen der sonst üblichen kleinen "Schleifer Haube" tragen die Frauen ein großes blau-weiß gestreiftes Kopftuch. "Früher gingen sie so von Gehöft zu Gehöft, heute nur noch dahin, wo sie erbeten sind. Seit den letzten Jahren steigt das Interesse jedoch wieder", so Hermasch.

Drei Lieder oder Choräle, die die Auferstehung verkünden, werden an den Türen dann gesungen. Zum Beispiel das Lied "Na prenim dnju po soboce", auf Deutsch: "Am ersten Tage nach dem Sonnabend". Dabei versuchen die Frauen, die inhaltliche Aussage der Lieder der jeweiligen Situation der Familien anzupassen. Wenn in letzter Zeit ein Trauerfall war, erklingt etwa das Lied "Haj, wzmi ty rucy moje"-"So nimm denn meine Hände". Leben in dem Haus junge Menschen, so stimmen die Frauen das Lied "Kcejaca mlodosc" -"Blühende Jugend" an.

Pflege dieses Brauches zieht Außenstehende an

Seit vier Jahren wird der Abschluss des Ostersingens in Rohne in der dortigen Friedhofskapelle begangen. Auch die Familien, bei denen die sorbischen Frauen zuvor gesungen haben, kommen zur Feierlichkeit. Sie bringen Kerzen mit, durch die das Licht, das die singenden Frauen begleitet hat, weitergegeben wird, an die Gräber gebracht und mit nach Hause genommen wird.

Stolz berichtet Manfred Hermasch, dass diese Pflege alten christlich-sorbischen Brauchtums immer häufiger auch Außenstehende anzieht. Und er hofft, "dass auch weitere Dörfer den sorbischen Brauch des Ostersingens wieder aufnehmen."

Klaus Schirmer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 15 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 08.04.2004

Aktuelle Buchtipps