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Bistum Dresden-Meißen

Brücken und keine Einbahnstraßen

Gegenseitiger und grenzüberschreitender Austausch in der Freiwilligenarbeit für Osteuropa

Gemeinsame Tage in Dresden-Pappritz: Die Freiwilligen kamen über ihre Erfahrungen in Mittel- und Osteuropa ins Gespräch.

Dresden -Mit dem Projekt "Brücken bauen in Europa -Freiwillig teilen und dienen" ermutigt der Verein "Christen für Europa e. V." (ICE) Jugendliche zum Freiwilligen Sozialen Dienst im Ausland. Nach der Wende wurde es auf Ost- und Mitteleuropa ausgedehnt, inzwischen waren über 1400 Jugendliche in 22 Ländern im Einsatz. Der ICE hat in Belgien, Frankreich, Italien, Polen, Rumänien, Russland, der Slowakei, Tschechien, der Ukraine und Ungarn Koordinationsstellen beziehungsweise Kooperationspartner, die die Freiwilligen in ihre Einsatzorte vermitteln und als Ansprechpartner begleiten und weiterbilden sowie vor Ort Projekte entwickeln.

Im Dresdner Hans-und-Sophie- Scholl-Haus trafen sich Ende März die Stellenleiter und ehemalige Freiwillige zum Erfahrungsaustausch. Neben politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen wurde über die verschiedenen Projekte diskutiert. Beispiele von gegenseitigem grenzüberschreitendem Austausch standen im Mittelpunkt: Ingrid Sommerfeld aus Lychow unterstützt zum Beispiel mit dem Verein "Hilfe für Osteuropa" seit zehn Jahren zwei große staatliche Kinderheime in Cherson/Südukraine und berichtete, wie ohne Freiwillige kontinuierliche Arbeit nicht möglich wäre. Die Jugendlichen spielen und beschäftigen sich in den Heimen mit den zum Teil schwerstbehinderten Kindern -etwas, was die "Njanjas" kaum leisten können. Die noch in der Ukraine vorherrschende Auffassung über Behinderte schließe zudem das Fördern ihrer Fähigkeiten nahezu aus. Doch auch Daniela Romani aus Italien sprach über die mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz behinderter Menschen. Aus Cherson waren im Gegenzug Jugendliche durch Vermittlung des Vereins in der Behinderteneinrichtung Templin zum Austausch. Die Freiwilligen treten in Osteuropa in oft schwierige Gegebenheiten ein. Sie müssen erkennen, dass sie das jeweilige System allein und sofort nicht verändern können. Aber sie können jetzt benachteiligten Menschen -Behinderten, Alten, Arbeits- und Obdachlosen -durch ihre Zuwendung ein Stück Würde und Lebenssinn erhalten oder zurückgeben. Diese Arbeit auf der Grundlage eines christlich geprägten Menschenbildes strahlt aus. Allmählich könnte sich dadurch das gesellschaftliche Bewußtsein verändern.

Der ICE versucht, die verschiedenen europäischen Initiativen in ein Netzwerk einzubinden und Paten und Partner zu finden. In Deutschland sind das Einrichtungen von Diakonie und Caritas, vereinzelt auch kommunale Stellen. Vor Ort gilt es, dem Engagement eine rechtliche Grundlage zu schaffen, zum Beispiel mit der Gründung eines entsprechenden Vereins. Die Brücken in Europa werden so tragfähiger, und sie sind keine Einbahnstraßen.

Ursula Wicklein

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 15 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 08.04.2004

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