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Spezial

Das Leben Jesu in einem LPG-Stall

Eine biblische Ausstellung in dem mecklenburgischen Dorf Groß Laasch

Etwa drei Jahre Arbeit: Sabine Gieselmann führt durch die Ausstellung 'Das Leben Jesu Christi'

Groß Laasch -Es ist Maria aus Nazareth in Galiläa kaum anzusehen, dass sie ein Kind erwartet. Als sie zusammen mit ihrem Verlobten Josef zur Volkszählung gen Süden nach Bethlehem zieht, ist der Esel noch schwer bepackt mit Vorräten. Die Straße sieht trocken und staubig aus, die Sonne scheint. Wären Maria, Josef und der Esel nicht aus bemaltem Ahornholz und Stoff, müssten ihre Zähne vor Kälte klappern. Nicht einmal der Kasten aus Glas, der sie umgibt, kann sie schützen. Denn noch ist es im ehemaligen LPG-Stall nahe der kleinen Dorfkirche im mecklenburgischen Groß Laasch ziemlich frostig. Der Atem wird zu weißen Wölkchen; es ist still.

Sabine Gieselmann wartet geduldig, bis alle Besucher einen Stehplatz gefunden haben. Die Senioren-Singegruppe aus dem Parchimer Bildungs- und Exerzitienhaus "Edith Stein" will an ihrem Ausflugsnachmittag die Lebensgeschichte Jesu sehen -nicht als amerikanischen Kinofilm, sondern in Form von Holzfiguren.

"Alles, was Sie hier sehen, haben meine Familie, ein Freund und ich in den vergangenen acht Jahren gefertigt", erzählt die gelernte Optikerin der Besuchergruppe. Seit fast einem Jahr sei die Ausstellung nun dauerhaft in Groß Laasch zu sehen, nachdem sie in Deutschland und Dänemark auf Tournee war. Die Senioren lauschen und staunen und versuchen, schon einen Blick auf die Exponate zu erhaschen. Sabine Gieselmann freut sich sichtlich über das Interesse ihrer ungeduldigen Gäste. Das ist der Lohn für den steinigen Weg von der Idee zur Realisierung.

"Meine Eltern waren vor Jahren im Urlaub in den Pyrenäen und hatten dort in einer Kirche eine biblische Ausstellung mit Holzfiguren gesehen", sagt die 45-Jährige, die der evangelischen Landeskirche angehört. Weil der LPG-Stall auf ihrem Grundstück noch immer leer gestanden habe, hatte ihre Mutter vorgeschlagen, dort doch einfach genau so eine Ausstellung wie in Spanien einzurichten.

Bevor es jedoch dazu kam, machte sich die Familie erst einmal daran, die Weihnachtsgeschichte von der Volkszählung bis hin zu den Heiligen Drei Königen zu gestalten. Vorbilder waren Kinderbibeln, "Das große Buch der Bibel" von J. R. Porter mit Hintergrundinformationen und natürlich das Neue Testament selbst. Ein befreundeter Krippenbauer aus Süddeutschland, schon jenseits der 70, schickte fortan regelmäßig Päckchen mit Figuren. Er schnitzte Kopf, Hände und Füße, die Sabine Gieselmanns Mutter dann mit Kleidung aus Stoffresten zu zwölf bis 20 Zentimeter großen Figuren zusammenfügte. Der Vater baute Landschaften und Gebäude aus Holz und Pappmaché. Moose, Kräuter, Holzstücke und Rinde fanden sich im nahe gelegenen Wald. "Es sieht aus wie in Israel", sagt so mancher Besucher, "Nur, dass es dort nicht so ordentlich ist."

Alles hat seine Ordnung in der Ausstellung von Sabine Gieselmann. Die Früchte aus Salzteig auf dem Markt in Bethlehem sind mit passenden Lebensmittelfarben gefärbt. Auf kleinen Holzschildern liest der Sprachkundige die aramäischen Worte für Bäcker und Gasthaus. Marias Bauchumfang nimmt mit jeder Szene zu, und das Gepäck auf dem Rücken des Esels nimmt ab. Josef bleibt, wie er ist: sympathisch und mit Bart.

Für die richtige bürokratische Ordnung sorgte jedoch erst das Bauamt in Ludwigslust, als Sabine Gieselmann den Umbau ihres Stalls zu einem Ausstellungsraum ankündigte. "Die nicht landwirtschaftliche Nutzung eines landwirtschaftlichen Gebäudes ist nicht erlaubt", erfuhr sie. Dazu kam noch, dass keine Bank ihr finanzielle Unterstützung gewähren wollte. "Ich hatte ja keine Vergleichszahlen oder Pläne, weil dieses Projekt in Deutschland einzigartig ist", erklärt die engagierte Groß-Laascherin. Erst eine Nutzungsänderung und die Zusage ihrer Familie mit Geld auszuhelfen konnten diese Hürden zu überwinden.

Dann tauchte ein neues Problem auf: Das Bauamt stellte fest, dass ihr Stall nun eine Bebauung in zweiter Reihe sei. Dies sei nicht gestattet, teilten die Behörden Sabine Gieselmann mit. Worauf dann zusätzlich der Bebauungsplan geändert werden musste. "Ich war zwischendurch schon nahe dran, den Kopf in den Sand zu stecken." An ihrer Stimme ist immer noch ein Hauch Erschöpfung zu spüren. "Motiviert haben mich dann immer wieder meine Familie, der Tourismusverband Mecklenburg-Schwerin und die Politiker." Bis zu Landwirtschaftsminister Til Backhaus war sie gegangen, um Beistand und Tipps zu bekommen. Der kam sie vor fünf Jahren sogar in Groß Laasch besuchen. Von der Ausstellung zeigte er sich begeistert.

Seit Pfingsten 2003 hat "Das Leben Jesu Christi" ein dauerhaftes Zuhause im vollständig renovierten LPG-Stall hinter dem Haus von Familie Gieselmann. Die breite, von den Behörden geforderte Busauffahrt mit den neun PKW-Parkplätzen lässt eher an einen Palast denken als an eine Miniatur-Geschichte des Königs der Juden.

Neu hinzugekommen sind während der vergangenen zwei Jahre die Szenen des letzten Abendmahls und der Kreuzigung. "Mit der Kreuzigungsszene habe ich schon sehr viel Schönes erlebt", erinnert sich die Ausstellerin. So hatte beim Anblick dieser Szene ein geistig Behinderter plötzlich angefangen, alle Strophen des Osterliedes "Jesus lebt" zu singen. Auch die lebendige Abendmahlsszene ließ bislang viele Besucher länger innehalten und beobachten. Jede einzelne Figur hat ihre individuelle Mimik und Gestik; Judas beispielsweise wendet sich von der Tafel ab. Bei dem Hinweis, dass die Dachziegel eigentlich von der Kirche einer Modelleisenbahn- Landschaft stammen, müssen viele schmunzeln.

Die Szenen aus dem Leben Jesu haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Die Senioren-Singegruppe aus Parchim hat sich in einzelne Grüppchen geteilt. Die einen tauschen Erinnerungen ih- Kloster Sankt Marienstern -Eines der wenigen Klöster im Osten Deutschlands, die auf eine auch über die Reformationszeit hinweg ununterbrochene Tradition zurückblicken können, ist alljährlich historischer Schauplatz und einer der Ausgangspunkte für den jahrhundertealten Brauch des Osterreitens: das Kloster Sankt Marienstern. Vermutlich entstand die sorbische Prozession des Osterreitens aus den Flurumritten der heidnischen Vorfahren zum Schutz ihrer jungen Feldsaaten. Dienten früher die österlichen Umritte vor allem der Vertreibung von bösen Naturgewalten, sind sie heute ein feierlich-liturgisches Zeugnis einer überlieferten Lebensweise des sorbischen Volkes. Noch immer verläuft alles genau nach dem überlieferten Ritual: Nachdem am Samstag die Pferde sorgfältig geputzt, Mähne und Schweif geflochten wurden, erfolgt sonntags das festliche Schmücken mit bunten Seidenschleifen und Blumenkränzen. Dazu stehen das muscheloder silberbesetzte Geschirr und die rote Satteldecke, auf die ein Fahne tragendes Osterlamm gestickt ist, in einem gradezu künstlerisch anmutenden Kontrast. Gegen 12.30 Uhr versammeln sich die Reiter im Klosterhof. Sie sind feierlich gekleidet im schwarzen Gehrock, mit weißen Handschuhen und mit hohem Zylinder. Die Neulinge tragen ein grünes Myrthensträußchen. Das erste Reiterpaar erhält vom Priester die Kirchenfahnen, der Kreuzträger das Kruzifix und ein weiterer Reiter die Statue des auferstandenen Christus. Haben alle in der Prozession ihren Platz gefunden, kann das Osterreiten beginnen. Dreimal wird die Heimatkirche umritten und schließlich geht es, begleitet von Glockengeläut, mit Gesängen und Gebeten zum Nachbardorf Crostwitz, wo man die Reiter festliche empfängt und bewirtet. Ehe dann um 14.30 Uhr der Rückritt beginnt. Nicht weniger geschichtsträchtig und interessant als das Osterreiten ist das Zisterzienserinnenkloster St. Marienstern selbst. Zentrum ist seine dreischiffige gotische Hallenkirche mit dem Nonnenchor. Das gewaltige Mittelschiff ziert einer der wohl schönsten barocken Hochaltare Sachsens. In einer Ausstellung unter dem Titel "Die Schatzkammer" sind rund 150 Werke der Plastik, Malerei und des Kunsthandwerks zu sehen, darunter mitelalterliche Madonnen, Buchmalereien, gotische Goldschmiedearbeiten, Kelche und Mobiliar. Erbaut wurde das Kloster Von Bautzen nach Radibor: Hinritt ab 10.30 Uhr, Ankunft 12.15 Uhr. Heimritt ab 15 Uhr, Ankunft 16.30 Uhr. Von Ralbitz nach Wittichenau: Hinritt ab 9.15 Uhr, Ankunft 12.30 Uhr. Heimritt ab 15.15 Uhr, Ankunft 18 Uhr. Von Wittichenau nach Ralbitz: Hinritt ab 9.20 Uhr, Ankunft 12 Uhr. Heimritt ab 15 Uhr, Ankunft 18 Uhr. Von Radibor nach Storcha: Hinritt ab 11.45 Uhr, Ankunft 13.45 Uhr. Heimritt ab 15.30 Uhr, Ankunft 18 Uhr. Von Storcha nach Radibor: Hinritt ab 12 Uhr, Ankunft 13.45 Uhr. Heimritt ab 15.30 Uhr, Ankunft 17.30 Uhr. Von Panschwitz-Kuckau nach Crostwitz: Hinritt ab 12.45 Uhr, Ankunft 14.15 Uhr. Heimritt: ab Crostwitz 15 Uhr, Ankunft Schweinerden Der Judaskuss als stummes Drama Neuzeller Passionsszene ausgestellt 1248 durch die Herren von Kamenz. Der Konvent lebt noch heute streng nach den Ordensregeln der Zisterzienser. Vorrangige Aufgabe sind der Gottesdienst und das gemeinsame Chorgebet. Nach einer genau bestimmten Tagesordnung gehen die Schwestern dazwischen weltlichen Aufagben nach. Neben Küchendienst und Gartenarbeit backen sie einmal im Monat in der eigenen Bäckerei für die umliegenden Pfarreien die Hostien für die Feier des Gottesdienstes. Untersagte einst strenge Abgeschiedenheit jegliche Einblicke in das Leben der Schwestern, kann man heute nicht nur an einer Klosterführung teilnehmen, sondern sogar im Klostergelände übernachten. Hans-Joachim Schlichtholz 16.30 Uhr, ab Schweinerden 17 Uhr, Ankunft Panschwitz-Kuckau 17.30 Uhr. Von Crostwitz nach Panschwitz-Kuckau: Hinritt ab 12.15 Uhr, Ankunft Schweinerden 13.30 Uhr, ab Schweinerden 14.15 Uhr, Ankunft Panschwitz-Kuckau 15 Uhr. Heimritt ab 15.30 Uhr, Ankunft 17 Uhr. Von Nebelschütz nach Ostro: Hinritt ab 12 Uhr, Ankunft 14 Uhr. Heimritt ab 15.30 Uhr, Ankunft 17 Uhr. Von Ostro nach Nebelschütz: Hinritt ab 12 Uhr, Ankunft 14 Uhr. Heimritt ab 15.30 Uhr, Ankunft 17.30 Uhr. Die Ostersaatreiter aus Ostritz werden am Ostersonntag gegen 13.45 Uhr im Kloster St. Marienthal erwartet. Die angegebenen Zeiten können sich bis zu einer halben Stunde verschieben. OSTERREITEN 2004 -DIE TERMINE rer Israel-Reisen aus, andere entdecken immer wieder neue Details: "Guck mal, hier ist der Grabstein schon weggerollt worden, und man sieht die Leinentücher!" ruft eine Besucherin.

Zwischen der ersten und der letzten Szene liegen etwa drei Jahre Arbeit. Davon zeugt auch Marias Umhang, der bei der Kreuzigung in tiefem Blau leuchtet, während er bei der Volkszählung schon etwas angegraut ist. Der Jesus, der am Kreuz hängt, ist nicht zerschunden und sein Gesicht ist nicht von Schmerz verzehrt. Es ist, als hätte der alte Krippenbauer beim Schnitzen dem Ahornholz die frohe Botschaft schon erzählt.

Katharina Handy

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 15 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 08.04.2004

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