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Bistum Erfurt

Viele spüren die Sehnsucht nach Gott

In Gotha gab es zum ersten Mal im Bistum Erfurt eine Segnungsfeier für Kinder von Nichtchristen

'Segen ist die Ahnung von Gottes unsichtbarer Kraft': Pfarrer Georg Schuchardt segnet die dreijährige Sarah zusammen mit ihrem Papa Matthias Goldfuß.

Gotha (as) -Gespannt sehen sich die großen Kinderaugen um, etwas misstrauisch noch, was wohl passieren wird. Und auch mancher Erwachsene scheint etwas skeptisch zu sein. Dann aber erklingt das erste Lied und die freundliche Stimme von Pfarrer Georg Schuchardt -das Eis ist gebrochen.

Dabei war diese Veranstaltung am vergangenen Samstag in Gotha auch für den erfahrenen Geistlichen Neuland: Zum ersten Mal fand im Bistum Erfurt ein ökumenischer Segnungsgottesdienst für Kinder von Nichtchristen statt -und mancher Erwachsene, der vielleicht lange keine Kirche von innen gesehen hatte, war so ergriffen, dass er den Segen von Pfarrer Schuchardt und seiner evangelischen Kollegin Beate Liebe auch für sich erbat.

Der Kirchentag gab den Anstoß

Anstoß für einen Segnungsgottesdienst in Gotha gab vor allem der Ökumenische Kirchentag in Berlin im vergangenen Jahr, berichtet die evangelische Christin Bärbel Benkert, die maßgeblich an der Vorbereitung der Feier beteiligt war. "Der Kirchentag stand ja unter dem Motto ,Ihr sollt ein Segen sein'. Dieses Motto haben wir bei der Vorbereitung aufgenommem", so Frau Benkert. Der Segen Gottes gelte nicht nur für Christen, sondern für alle Menschen, ist sie überzeugt. Vorbild für die Veranstaltung waren auch die christlichen Lebenswendefeiern, die sich inzwischen in ganz Thüringen großer Beliebtheit erfreuen.

Mit dem Echo auf die Einladung der christlichen Gemeinden in Gotha waren nicht nur Pfarrer Schuchardt und Pastorin Liebe zufrieden. Bärbel Benkert erzählt von einer Familie, die durch die Zeitung vom Segnungsgottesdienst erfahren hat und Feuer und Flamme war. "Viele Menschen spüren die Sehnsucht nach Gott sehr deutlich", meint sie, "aber sie können sich einfach nicht erklären, was da mit ihnen passiert".

Genau dies ist die Sehnsucht nach einer verlässlichen Kraft, die den Menschen Halt und Stärke gibt, sagt Pastorin Bärbel Liebe in ihrer kurzen Ansprache. Dennoch: "Der Segen ist keine Tablette, die man schlucken kann und dann ist alles gut", meint die Pastorin. Segen sei vielmehr die Erinnerung daran, dass Gott da ist. "Auch dann, wenn wir meinen, unter den Lasten des Alltags zusammenzubrechen". Segen gebe Halt in den täglichen Sorgen. "Er ist die Ahnung von Gottes unsichtbarer Kraft, als ob sich dann und wann der Himmel öffnet", so Pastorin Liebe. In einer Welt zunehmender Verunsicherungen und verstärkten Leistungsdrucks sei der Segen "Balsam für die Seele", wie wenn man einen Regenschirm aufspanne und sich vor dem Unwetter schütze.

Familien können sich gegenseitig stärken

Deshalb ist auch Matthias Goldfuß mit seiner Familie zum Gottesdienst in die Kirche St. Bonifatius gekommen. Während er seine Tochter Sarah im Arm hält, spricht Pfarrer Georg Schuchardt den Segen über die beiden. "Orientierung wird in der heutigen Zeit immer wichtiger. Und solche Veranstaltungen geben auch den Familien die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen und zu stärken", meint Goldfuß. Der ökumenische Segnungsgottesdienst in Gotha, der von evangelischen und katholischen Christen gemeinsam vorbereitet wurde, soll zur Tradition werden und künftig zweimal im Jahr stattfinden.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 14 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 01.04.2004

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